Wirtschaft

Mode im Kreislauf

Monkky macht Bisikon zur Adresse für nachhaltigen Stil

Weder ein Vintage-Store noch ein Secondhand-Laden. Nachhaltig ist es trotzdem. Und auf Luxus wird hier nicht verzichtet.

(Von links): Julio und Fabienne Montepeque führen das Geschäft Monkky. Timea Eigam ist ihre Angestellte.

Foto: Mel Giese Pérez

Monkky macht Bisikon zur Adresse für nachhaltigen Stil

Mode im Kreislauf

Monkky ist ein Onlineshop und verkauft Kleider. Dabei ähnelt das Konzept einem Secondhand-Laden oder einem Brocki. Hier hängt aber noch etwas mehr Stil an der Stange.

Shoppen macht Spass. Und Stil kann man sich eben doch kaufen. Doch all die Menschen, für die Kleidung nicht einfach nur ein Mittel gegen Nacktheit ist, könnten ein schlechtes Gewissen haben. Denn Mode ist schon lange nicht mehr nachhaltig. Oder fair.

Die Herstellung ist schädlich für die Umwelt, und hinter unzähligen Kleidungsstücken stehen unterbezahlte Fabrikarbeiterinnen oder sogar Kinderhände. Und um sich damit einzukleiden, muss man heute nicht einmal die eigenen vier Wände verlassen.

Dadurch ist die Kleidung für die Konsumierenden extrem günstig geworden. Auf dem gängigsten Onlineshop Zalando findet man eine Jeans schon für 25 Franken. Auf Shein – der Onlineshop aus China begeistert vor allem junge Kauffreudige – findet man eine Denim Hose sogar für 7 Franken.

Kein Wunder also, dass der Durschnittsschweizer laut Swissinfo etwa 20 Kilogramm Kleidung im Jahr kauft. Damit liegt die Schweiz auf dem zweiten Platz der Konsumenten der Fast Fashion (schnellen Mode), gleich nach Luxemburg. Wer kann solchen Schnäppchen schon widerstehen?

Ein Kreislauf für Textilien

Doch auch wenn Fast Fashion ein Milliardengeschäft ist, liegt eine andere Bewegung im Trend: Circular Fashion, zirkulierende Mode.

Der Begriff wurde 2014 zum ersten Mal von einem schwedischen Beratungsunternehmen in Bezug auf grüne Unternehmungsstrategien verwendet.

Damals handelte Circular Fashion davon, Materialien möglichst rezyklierbar herzustellen, damit produzierte Kleidung stets in einem Kreislauf verarbeitet und wiederverwendet werden kann.

Das Konzept hatte sich lange nicht etablieren können – die Europäische Union hat erst 2022 kommuniziert, dass sie eine nachhaltige Strategie für zirkulierende Textilien verfolgen möchte.

Vom Zufall zum Geschäft

Doch einige Kleinunternehmen nahmen die Transformation der Modewelt gleich selbst in die Hand: Flohmärkte und Brockis haben eine grosse Präsenz auf den sozialen Medien, Secondhand-Läden spriessten wie Pilze aus dem Boden, und immer mehr private Fashion-Freaks verkaufen auf Plattformen wie Ricardo oder Marko ihre alten Schätze.

Wer aber mit einem Wühltisch nichts anfangen mag, kann beruhigt sein. Denn auch für das obere Preissegment gibt es bereits nachhaltige Alternativen.

So, wie der Onlineshop monkky.ch vom Geschäfts- und Ehepaar Fabienne und Julio Montepeque. Die beiden riefen ihr Geschäft 2019 ins Leben – ein Onlineshop mit einem Ladenatelier in Bisikon.

Zwei Kleiderstangen mit bunter Kleidung.
Das Monkky ist ein Onlineshop, der seinen Showroom in Bisikon hat. Dort kann man die Kleidung auch anprobieren.

Eigentlich entstand der Shop der Effretiker zufällig. Fabienne hatte gerade ihr zweites Kind geboren und sass auf einem Berg von Babykleidern. Sie und ihr Mann wohnten gerade in Guatemala, Julios Heimatsland. «Dort ist Secondhand ein lukratives Geschäft», erklärt er.

Fabienne beschloss, die Babykleidung weiterzuverkaufen – damals war sie noch Modefotografin und hat deshalb ein Auge für Ästhetik. Sie stellte Babyoutfits zusammen, fotografierte diese und lud sie ins Internet hoch. In kürzester Zeit hatte sie ihre Ware verkauft.

«Da ist uns aufgefallen, dass hier ein Geschäft dahinter steckt», sagt Fabienne schmunzelnd und reibt sich die Hände. Zurück in der Schweiz entwickelten sie die Geschäftsidee weiter und verkauften Damenkleider.

So zelebriert man Mode

Das Konzept des Ehepaars ist einfach: Kleidung gibt es auf der Welt schon genug. Die, die nicht mehr getragen wird, soll in einem neuen Kleiderschrank Freude bereiten. Ist ein Kleidungsstück kaputt, so wird es geflickt. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.

Eine Frau flickt eine Laufmasche eines violetten Pullovers.
Wie man Laufmaschen flickt, hat sich die Angestellte Timea selbst beigebracht.

Doch die Ware muss etwas aufweisen: Stil. Die Montepeques beschreiben ihren Laden selbst als eine Plattform sorgfältig kuratierter Mode. Ausgewählte Stücke finden ihren Weg zu einer neuen Besitzerin – bislang konzentriert sich Monkky auf Frauenmode.

Das Ziel ist es nicht, möglichst günstig einkaufen zu können, sondern Mode zu zelebrieren. So findet man im Onlineshop auch Luxusmarken wie Ralph Lauren oder Prada. Die Ware hat zwar ihren Preis. Doch der liegt deutlich unter dem ursprünglichen Verkaufspreis.

Ein Regal mit Schuhen und einer Christian Dior Tragetasche.
Im Monkky findet man Luxusartikel für die Hälfte des Originalpreises.

Die Kleidung, die von Monkky verkauft wird, wird auf verschiedene Aspekte geprüft: Qualität, Design und selbstverständlich, ob sie Original ist. Fabienne verteufelt deshalb Ware aus Polyester nicht. «Es kann sein, dass ein Stück aus einem synthetischen Material ist, aber trotzdem eine gewisse Qualität aufweist», sagt sie.

Das Design müsse zeitlos sein. «Ein Kleidungsstück muss auch nach einem Jahrzehnt getragen werden können, sonst ist die Freude daran schnell vergangen.» Eine klare Linie hat Monkky aber nicht. Die Geschäftsführerin wählt die Stücke nach ihrem persönlichen Geschmack und beobachtet, was aktuell getragen wird.

Das einzige Material, das sie nicht überzeugen kann, ist Acryl. Ein synthetischer Wollersatz. «Das finde ich absolut grauenhaft. Nicht nur aus mangelndem Tragekomfort, sondern weil es auch unglaublich schädlich für die Umwelt ist.»

Ausnahmslos alles aus der Schweiz

Der Weiterverkauf von Kleidung ist nicht neu. Doch die Montepeques unterscheiden ihr Geschäft von gängigen Secondhand-Läden: Nicht alles ist Gebrauchtware.

Rund 60 Prozent der Kleidung, die die Montepeques kaufen, sind aus privaten Haushalten. Der Rest beziehen sie von Geschäften oder Liquidatoren, die sich ausnahmslos in der Schweiz befinden. Ein aufwendiger Import fällt in ihrer Wertschöpfungskette daher weg.

Trotzdem gibt es so mehr als genug Ware. «Es ist unvorstellbar, welche Menge an neuer Kleidung nicht mehr verkauft wird und im schlimmsten Fall sogar im Abfall landet», sagt Julio. So viel, dass ein einziger Laden niemals alles übernehmen könnte.

An einer Kleiderstange hängen Kleidung in Brauntöne.
Alles, was die Montepeques verkaufen, ist bereits in der Schweiz.

Swissinfo hat 2022 eine erschreckende Zahl veröffentlicht: Rund 65’000 Tonnen Kleidung sammelt die Schweiz jährlich in Recyclingcontainern – wie beispielsweise von Texaid. Oftmals sind die Kleidungsstücke in einem solch guten Zustand, dass man merke, dass sie sehr wenig getragen wurden.

Verbrennen statt günstig verkaufen

Es sind aber nicht nur Private, die ihre neuwertige Kleidung gleich wieder entsorgen. Grosse Marken wie Burberry hängen genauso mit drin.

Die britische Luxuslinie soll 2018 zugegeben haben, dass sie die unverkauften Kollektionen vernichteten, um diese nicht günstiger verkaufen zu müssen. «Der Spiegel» schrieb, dass Burberry im selben Jahr Ladenhüter, so nennt man die unverkaufte Kollektion, im Wert von 32,4 Millionen Euro vernichtet hat.

Bei solchen Geschichten fragt man sich doch zwangsläufig: Müsste man nicht einfach gänzlich auf Mode verzichten? «Überhaupt nicht. Mode ist Kunst und ein Ausdruck des selbst. Darauf soll niemand verzichten müssen», findet Fabienne Montepeque.

Dadurch, dass man mehr Zeit und Mühe investieren muss, ein passendes Kleidungsstück zu finden, umso mehr würde man den Einkauf selbst eindämmen.

Wie viel ist ein Outfit wert?

«Wenn ich etwas wirklich Hinreissendes gefunden habe, das seine Qualität mitbringt und seinen Preis gekostet hat, wird mir das viel länger erhalten bleiben als ein Frustkauf von 15 Franken», sagt die Geschäftsführerin.

Aber was ist Kleidung überhaupt wert? «Der Geldpreis ist ziemlich willkürlich», erklärt Fabienne Montepeque. Kleidung müsse ihren Preis haben, findet sie. Doch während Billiglabels die Ware zulasten von Mensch und Umwelt beinahe verschenken, würden Luxuslabels immer mehr verlangen – und das bloss wegen der etablierten Marke.

Doch Fabienne spricht von einem anderen Wert, der nicht mit Geld bezahlt werden kann: Die Zeit, die man investiert, um ein Kleidungsstück zu finden, das man wirklich schätzt.

Für Julio Montepeque ist es klar, dass Monkky allein nicht die Welt retten kann. «Es braucht viele Geschäfte so wie uns. Das trägt mit zur Regulierung bei, denn die Ware ist ja bereits übermässig da.»

Die Politik hingegen brauche viel zu lange, um sinnvolle Regeln aufzustellen, und neue Produktionen brauche es nun wirklich nicht mehr in diesem Ausmass, betont er weiter. Bis die Regierungen eine nachhaltige Lösung entwickelt haben, heisst es nunmal Mode zirkulieren lassen. Auch im Luxussegment.

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