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Wirtschaftsbarometer 2026

Optimistische Unternehmer – trotz Sorge um unsere Nachbarn

Die Unternehmerinnen und Firmenchefs in der Region starten mit viel Zuversicht ins Jahr 2026. Diese gründet zu grossen Teilen auf den eigenen Stärken.

Sorgen für Sorgen: die schwache Konjunktur in der EU und die erratische US-Handelspolitik.

Bildkombo: Thomas Hümbeli

Optimistische Unternehmer – trotz Sorge um unsere Nachbarn

Wirtschaftsbarometer 2026

Die Unternehmerinnen und Firmenchefs in der Region starten mit viel Zuversicht ins Jahr 2026. Diese gründet zu grossen Teilen auf den eigenen Stärken.

«Mit einem starken Team, klarer Qualitätsausrichtung und der Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden blicken wir trotz Unsicherheiten optimistisch ins Jahr 2026», sagt Martin Mayer, Inhaber der Bäckerei-Konditorei Vuaillat mit insgesamt sieben Standorten in der Stadt Zürich und im Oberland.

«Vieles hat man in der eigenen Hand, man muss nur handeln und nicht abwarten», meint Silvan Lämmle, CEO von Lämmle Chemicals in Madetswil.

Es sind zwei Zitate, welche die Stimmungslage in der regionalen Wirtschaft auf den Punkt bringen und die Umfrage dieser Reaktion zu den Erwartungen 2026 trefflich zusammenfassen. Denn konjunkturell ist wenig Rückenwind zu erwarten. Wer auch im kommenden Jahr erfolgreich sein will, muss das Heft selbst in die Hand nehmen.

Der Fragebogen bestand aus sechs Fragen zu den Themen Personalentwicklung, Einschätzung der Wirtschaftslage sowie Sorgen und Hoffnungen bezüglich 2026. Die Umfrage wurde zur schriftlichen Beantwortung an rund 50 Firmen aus der Region geschickt, 23 Unternehmen mit insgesamt 5700 Arbeitsplätzen im Zürcher Oberland und dem Glattal haben geantwortet.

Manche Unternehmen sind in ihrer Branche Marktführer, andere sind die grössten Arbeitgeber in ihrer Gemeinde, wieder andere stehen für viele ähnliche Unternehmen in der Region und sind deshalb ein guter Indikator für die Zukunftsaussichten. (eka)

Das deckt sich mit den jüngsten Prognosen der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich. «Trotz Handelsdeal trübe Aussichten für die Schweizer Wirtschaft», steht über dem KOF-Konjunkturbericht vom 15. Dezember 2025.

Zwar hätten sich die handelspolitischen Aussichten der Schweiz verbessert, schreiben die Ökonomen und begründen dies mit den US-Zöllen, die analog zur EU auf 15 Prozent sinken sollen. Allerdings werde dieser Effekt «durch eine Eintrübung des internationalen Umfelds kompensiert».

Die wirtschaftliche Schwäche der EU als grösste Sorge

Das internationale Umfeld ist eine der grössten Sorgen der Oberländer Unternehmen. Erstmals seit Beginn dieser seit drei Jahren jeweils im Dezember durchgeführten Umfrage steht nicht der Fachkräftemangel an erster Stelle. Die wirtschaftliche Schwäche der EU ist für die traditionell exportorientierte Oberländer Wirtschaft die grösste Sorge fürs kommende Jahr. 22 Prozent der Antworten entfielen auf diesen Faktor; vor einem Jahr waren es erst 7 Prozent.

Ebenfalls oft genannt wurden eine allfällige Rezession in der Schweiz mit 13,6 Prozent (2025: 23,0 %) und die US-Handelspolitik (10,1 %). Diese war vor zwölf Monaten und vor der Amtseinführung von Donald Trump noch überhaupt kein Thema.

Dafür ist die Inflation vom Tisch: Lediglich 1,7 Prozent der Antworten entfielen auf diese Möglichkeit, vor einem Jahr waren es 7 Prozent. Bei den Gründen für Sorgenfalten waren Mehrfachnennungen möglich.

Das gilt auch für die Frage nach den Faktoren, die für Zuversicht sorgen. Und hier bedarf das Resultat einer Erklärung: 51,2 Prozent aller Antworten entfielen auf die «Qualität der eigenen Produkte und das Know-how der Mitarbeitenden». Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Alle befragten Unternehmen sehen hier den Grund für Zuversicht.

Der Wert von 51,2 Prozent aller Antworten entsteht, weil die meisten Unternehmen mehrere Antworten angekreuzt haben – beispielsweise die nach wie vor robuste Schweizer Wirtschaft (20,9 %) oder auch die tiefen Zinsen (11,6 %), von denen sich vor allem Unternehmen im Baugewerbe Rückenwind versprechen.

Erwartungen der Firmen decken sich mit der Wissenschaft

Was die Firmenchefs und Unternehmerinnen an der Front erleben und für die kommenden zwölf Monate erwarten, stimmt ziemlich exakt mit den Beobachtungen der Konjunkturforscher der ETH überein: Auch die Wissenschaftler sehen ein schwaches Wachstum im Euroraum, insbesondere in Deutschland, und betonen den weiterhin soliden gesamtwirtschaftlichen Ausblick für die Schweiz «dank robustem inländischem Konsum und stabilen Dienstleistungen».

Die Unternehmen, die unsere Umfrage ausgefüllt haben, sehen ein mittelprächtiges Jahr auf die Schweizer Volkswirtschaft zukommen (70,8 %), 12,5 Prozent erwarten eine schlechte Entwicklung, immerhin jedes sechste Unternehmen rechnet mit einem guten 2026 für die Schweiz.

Deutlich grösser ist der Optimismus, wenn es um das eigene Unternehmen geht. Die Optionen «sehr schlecht» oder «schlecht» wurden gar nie angekreuzt, 30,4 Prozent der Befragten rechnen mit einem durchschnittlichen Jahr für ihre Firma, 69,6 Prozent sehen sich für 2026 gut aufgestellt.

Zurückhaltung beim Personal

Trotz der Zuversicht bleiben die Chefs beim Personal zurückhaltend. Praktisch alle befragten Unternehmen beschäftigen Ende 2025 gleich viele Mitarbeitende wie vor Jahresfrist und rechnen auch in den nächsten zwölf Monaten mit einem unveränderten Personalbestand.

Ausreisser sind hier namentlich Lämmle Chemicals, die die Integration der Amstutz Produkte AG abgeschlossen hat, und der Industriekonzern Belimo, der 2025 am Standort Hinwil 150 neue Arbeitsplätze geschaffen hat und weiterwachsen will.

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