Schliessung des Glattstore: Notwendig – oder ein Armutszeugnis?
Im Laden der Dübendorfer Glattwerk AG gab es Ersatzteile und Beratung. Doch nun wird der Glattstore geschlossen. Die Kunden können den Schritt nicht nachvollziehen – und sind wütend.
«Unser Glattstore schliesst dauerhaft. Der letzte Verkaufstag ist Freitag, 19. Dezember 2025. Wir möchten uns ganz herzlich für Ihre Treue bedanken.» Mit diesen drei kurzen Sätzen neben dem Glattstore und auf ihrer Website beendet die Glattwerk AG eine Ära.
Seit vielen Jahren konnten sich die Kunden am Verkaufsschalter der Dübendorfer Werke an der Usterstrasse mit Leuchtmitteln, Ersatzteilen, Sicherungen oder Installationsartikeln wie Steckdosen, Kabeln und Steckern versorgen.
Und es gab Beratung – die offenbar geschätzt wurde, wie aus den Leserbriefen und Zuschriften hervorgeht, welche den «Glattaler» in den letzten zwei Wochen erreicht haben. Im Glattstore bekamen die Leute Antworten auf Fragen zu Reparaturen, Ersatzteilen und vielerlei «Elektroproblemen». Der Service wird als effizient und günstig beschrieben.
«Klammheimlich gestrichen»
Für Urs Rothacher etwa ist die Schliessung ein «Armutszeugnis». Der Dübendorfer Bauunternehmer ist ein guter Kunde der Glattwerk AG, wie er sagt. Er könne nicht verstehen, wieso ein Angebot «klammheimlich» gestrichen werde, das ganz offensichtlich einem Bedürfnis entspreche. Und auf das auch viele angewiesen seien.
Gerade ältere Leute hätten jetzt ein Problem, sagt Rothacher. «Gehen Sie mal mit einer Frage zu einer Lampe oder einer Sicherung in einen Baumarkt, da bekommen Sie keine richtige Auskunft.» Die Konsequenz sei nun, dass sich die Leute für etwas, das sie mit ein wenig Hilfe allein hätten lösen können, einen Elektriker nach Hause bestellten. «Das kostet 100 Franken, noch bevor der das Haus betritt.»
Rothacher verweist weiter auf den ökologischen Aspekt. So habe der Laden in seinem Lager viele ältere Ersatzteile, die man sonst kaum noch bekomme. Ohne die müssten Lampen oder andere elektronische Geräte nun weggeworfen werden. Auch aus ökonomischer Sicht sei der Schritt nicht nachvollziehbar, sagt Rothacher. «Dem Unternehmen geht es finanziell hervorragend, jedes Jahr werden hohe Gewinne erwirtschaftet.»
Personelle Gründe
Doch wieso gibt die Glattwerk AG, die zu 100 Prozent der Stadt Dübendorf gehört, ein solches Angebot auf? Der primäre Grund für die Schliessung sei die personelle Situation, sagt Marcel Gertsch, Bereichsleiter Markt und Kunden. Um den Verkaufsschalter während der Öffnungszeiten bedienen zu können, reiche eine Person nicht aus, zumal auch Ferien- und Krankheitstage abgedeckt werden müssten.

In der Vergangenheit habe man deshalb bei Bedarf einen Betriebselektriker aus dem Bereich E-Mobilität abgezogen, so Gertsch. Doch die Auftragsbücher für die Installation von Ladestationen seien gut ausgelastet. «Und wenn wir Termine bei Kunden absagen oder verschieben müssen, um den Laden besetzen zu können, dann ist das für diesen Bereich geschäftsschädigend.»
Eine weitere Person für den Laden zu rekrutieren, sei aus Kostengründen nicht möglich. Der Glattstore sei schon heute nicht kostendeckend. Sowohl das Kundenaufkommen als auch der Umsatz sei rückläufig.
Andere verzichten
«Der stationäre Handel verliert gegenüber den Online-Anbietern seit Jahren kontinuierlich Marktanteile», sagt Gertsch. Diese Tatsache könne man weder ignorieren, noch sei es möglich, der Entwicklung entgegenzuwirken. Die Welt verändere sich: In der Bank bekomme man am Schalter kein Bargeld mehr, im Bus könne man kein Billett mehr kaufen.
«Als Energieversorger sind wir weder organisatorisch noch strukturell auf eine effiziente Sortimentsgestaltung und Retailverkäufe ausgerichtet.» Dies unterstreiche auch, dass vergleichbare Unternehmen im Kanton auf ein solches Angebot verzichteten.
Es freue ihn zwar, dass der Laden von einem «kleinen Kundenkreis» geschätzt werde – und er könne auch verstehen, dass die Schliessung, die keinen Personalabbau mit sich bringe, bedauert werde, sagt Gertsch. «Aber eine Quersubventionierung eines letztlich defizitären Angebots ist aus unternehmerischer Sicht nicht zu verantworten.»
