«Uster ist eine Grossstadt in der textilen Welt»
Ein neues Museum für Uster
Das Oberland hat ein neues Museum. Zum 150. Geburtstag hat die Uster Technologies AG ein Besucherzentrum mit spannenden Exponaten eröffnet.
Die Szene zeigt einen schmalen Gang, der auf ein rotes Band hinführt. Dahinter ist ein grosszügiger, heller Raum zu sehen – und drei Männer mit Scheren in ihren Händen: Philip Mosimann, Verwaltungsratspräsident der Uster Technologies AG, CEO Davide Maccabruni und Toru Suzuki, Geschäftsleiter von Toyota Industries, haben am Freitag das jüngste Museum der Stadt Uster gemeinsam eingeweiht.
Lange Jahre ruhte im obersten Stock des Uster-Hauptsitzes – verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit – eine Sammlung von Industrieschätzen: vom mechanischen Hilfsmittel für Webmaschinen über den ersten Garngleichmässigkeitsprüfer bis hin zu sensorgesteuerten Hightech-Applikationen. Dazu kamen uralte Radios und Kaffeemühlen, Telefonapparate aus verschiedenen Jahrzehnten sowie viele Dokumente und Kopien verschiedener Patente. Nun haben sie als Exponate endlich die Umgebung erhalten, die sie verdienen.

Richard Furter, der 2014 verstorbene, langjährige Leiter der Abteilung Textiltechnologie, hatte die Sammlung einst als Erinnerung an die Wurzeln des Unternehmens zusammengetragen. Nach ihm ist das Museum benannt, das gleichzeitig als Besucherzentrum dienen soll.
Ein Blick zurück und in die Zukunft der Textilindustrie
«Dieses Besucherzentrum ist ein Schaufenster für unsere 150-jährige Geschichte», sagte Maccabruni. «Aber es soll auch ein Ort des Austauschs sein und den Blick in die Zukunft der Textilindustrie richten.» In dieser Zukunft heissen die Megatrends Recycling, Automation und Konnektivität.


Der Zellweger-Konzern als Vorläufer der heutigen Uster Technologies AG beschäftigte einst weltweit 4000 Menschen. Nach der Herauslösung der Textilelektroniksparte und deren Verkauf ans Management im Jahr 2003 und der Übernahme durch Toyota Industries im Jahr 2012 sind es heute noch 650 Mitarbeitende. 300 davon sind am Standort Uster tätig und tragen den Namen der Stadt in die (textile) Welt hinaus.
Entsprechend prominent war die Stadtregierung an der Einweihung vertreten: Angeführt von Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP), waren mit Karin Fehr (Grüne), Petra Bättig (FDP) und Cla Famos (FDP) mehr als 50 Prozent der Exekutive der Einladung nach Niederuster gefolgt. Dazu kam mit Kantonsrätin Anita Borer (SVP) eine weitere Politikerin aus der drittgrössten Stadt im Kanton.
Und da Uster Technologies am Greifenseelauf vom 20. September als Sponsor auftritt, war Leichtathletik-Legende Markus Ryffel ebenfalls vor Ort. Zudem Exponenten aus der Textilindustrie, ehemalige Mitarbeitende und eine Delegation der Muttergesellschaft aus Japan.
Ein launiger Verwaltungsratspräsident
VR-Präsident Philip Mosimann erinnerte in seiner kurzen, aber launigen Rede daran, dass alle Gäste auch Kundinnen und Kunden von Uster Technologies seien. Es sei höchstwahrscheinlich, dass die Kleider der Anwesenden während der Produktion in irgendeiner Form von Uster auf ihre Qualität geprüft worden seien: «In diesem Sinne herzlichen Dank, dass Sie angezogen zu uns gekommen sind.»
Uster sei eine «Grossstadt in der textilen Welt», sagte Mosimann und nannte als Gründe für die Stellung des Unternehmens die stetige Innovation, die Wirtschaftlichkeit, aber auch die Konzentration auf die Kundenbedürfnisse: «Wir prüfen Qualitäten, sammeln Daten und führen Statistiken mit dem Ziel, unsere Kunden erfolgreicher zu machen.»
Ein aktueller Konjunkturbericht
CEO Maccabruni zitierte anschliessend einen Konjunkturbericht, der die Dollar-Schwäche im Vergleich zum Schweizer Franken thematisierte, das Handelsbilanzdefizit der USA, deren hohe Schulden und deren Inflation. Der Text stammte aus dem Jahr 1978. «Er könnte auch heute geschrieben worden sein.»
Für den Uster-CEO ist klar: «Es überlebt nicht der Stärkste, sondern der, der sich am besten an Veränderungen anpassen kann. Was Charles Darwin auf die Evolution bezog, gilt auch für Unternehmen.» Uster Technologies sei gut vorbereitet für die Zukunft.

Wer das Richard-Furter-Museum in Niederuster besuchen möchte, braucht noch etwas Geduld. Noch stehen die Öffnungszeiten nicht fest. «Wir eruieren, wie und zu welchen Zeiten wir die Ausstellung öffnen möchten», sagte Maccabruni. Bei Uster Technologies denkt man vor allem an Schulklassen und Gruppen, die das Museum auf Voranmeldung besuchen und so ein Stück Ustermer Industriegeschichte hautnah erleben können.
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