Ihr Beizli soll ein Treffpunkt für Kempten sein
Sandra Schmid hat Anfang August ihren Beizli Träff in Kempten eröffnet. Sie will damit eine Lücke im Gastro-Angebot füllen und hat eine klare Vision.
Sandra Schmid kennt den Alltag in einem Restaurant sehr gut. Von 1974 bis 1994 führten ihre Eltern einen Gastro-Betrieb in der Stadt Zürich. «Und ich wusste von klein an, dass ich irgendwann selber eine Beiz eröffnen werde», erzählt die 54-Jährige.
Doch Schmid schlug zuerst einen anderen Weg ein – in die Versicherungsbranche. Seit 16 Jahren ist sie selbständige Versicherungsberaterin und hat ihr Büro an der Bahnhofstrasse in Kempten. «Dadurch kenne ich sehr viele Leute und bin gut vernetzt», sagt sie.
Den Traum, einmal selber im Gastgewerbe Fuss zu fassen, hat sie aber über all die Jahre nicht aufgegeben und Anfang August in die Tat umgesetzt. Am ehemaligen Standort des Restaurants Dolce Amaro eröffnete Schmid ihren Beizli Träff.
Kein finanzieller Druck
Den Innenbereich des Lokals an der Stationsstrasse 81 hat sie vor der Eröffnung zusammen mit ihrem Umfeld leicht umgebaut und den Tresen erweitert. Dort hat es nun Platz für 22 Personen, bei schönem Wetter gibt es zusätzliche Tische vor dem Lokal.

Für ihre Beiz hat sie eine Vision: «Sie soll ein Treffpunkt für alle sein.» Ein Besuch im Beizli Träff soll deshalb auch für jeden und jede erschwinglich bleiben. «Faire Preise» nennt Schmid das. Eine Stange Bier kostet bei ihr Fr. 4.50, ein grosses Bier Fr. 5.80.
Eine grosse Speisekarte gibt es nicht. Hungern muss man bei Schmid aber nicht. So gibt es immer Sandwiches im Angebot und einfache Speisen wie Wurst-Käse-Salat. «Wir sind sozusagen eine Bäsebeiz», sagt Schmid.
Die Gastronomie ist ein schwieriges Pflaster, das weiss auch die neue Wirtin. Viele Gastro-Betriebe kämpfen mit Problemen, es ist nicht einfach, rentabel zu wirtschaften.
Sandra Schmid macht sich aber keine Sorgen. «Im Moment ist der Beizli Träff nur ein Hobby, ich will nur die Fixkosten decken.» Ihr Hauptstandbein hat sie weiterhin in der Versicherungsbranche, ihr Büro liegt fast vis-à-vis dem neuen Lokal.
Ein Treffpunkt auch am Sonntag
Nach der Arbeit im Büro beginnt gegen 16 Uhr ihre Schicht in der Beiz. Im Moment stemmt sie dort den Betrieb noch allein, gelegentlich helfen ihr Personen aus ihrem Umfeld aus.
Auf die Frage, ob sie keine Angst habe, dass ihr alles zu viel werden könnte, antwortet sie gelassen: «Dann gibt es halt einen Angestellten.»

Mit dem Start ist sie sehr zufrieden. «Bei der Eröffnung war der Laden voll», freut sie sich. Und bisher hatte sie an jedem Abend zahlreiche Gäste. Bei den Öffnungszeiten auf der Eingangstür steht: mindestens bis 22 Uhr. Und das meint Schmid auch so. Wenn Gäste da sind, bleibt sie auch länger. «Bisher war noch nie vor halb eins Schluss», freut sie sich.
Offenbar bestehe ein Bedürfnis, sich auch bis in die späteren Abendstunden zu treffen. In einem anderen Lokal in Kempten ist das bisher nicht möglich. Auch am Sonntag sind viele Betriebe geschlossen. «Deshalb möchte ich den Beizli Träff auch am Sonntag öffnen», sagt Schmid.
Ein Stammtisch entsteht
Dass der Bedarf nach einer Besenbeiz besteht, hat sie nicht überrascht. Sie sei oft in Restaurants in Wetzikon unterwegs gewesen. «Immer wieder habe ich gehört, dass sich Leute einen geselligen Treffpunkt wünschen, wo man auch einfach mal jassen oder würfeln kann», sagt sie. Genau diese Nische will sie mit ihrem neuen Beizli füllen.
Der Treffpunkt, den Schmid schaffen wollte, hat sich dabei wie von selbst gebildet. Vor dem Lokal steht ein grosser Tisch. «Dieser ist schon fast wie ein Stammtisch.» Auch Personen, die allein kommen, setzen sich dort hin und geniessen die gesellige Runde.
Zudem hofft sie, dass sie auch Vereine künftig zu ihren Gästen zählen kann. Ausserdem hat sie Jassturniere geplant – und will am Sonntag gelegentlich einen Brunch anbieten. «Wir sind ja erst in der Startphase», betont sie. Die Eröffnung in den Sommerferien sei bewusst gewählt gewesen, um das Konzept zuerst in etwas ruhigeren Zeiten zu testen.
Vom 23. August bis zum 7. September gibt es für Schmid bereits die ersten «Betriebsferien». Die freie Zeit wollte sie ursprünglich nutzen, um nach der Eröffnung nochmals am Betrieb des Beizli Träff zu feilen. «Natürlich werde ich mir weiterhin Gedanken machen», erklärt sie. «Aber Anlaufschwierigkeiten hatten wir nicht.»
