Die Aluminiumgiesserei Frei in Saland setzt auf Sandguss und 3D-Druck
Seit 1969 gibt es in Saland die Giesserei Reinhold Frei AG. Sie fertigt Teile aus Aluminium – vom filigranen Stück bis zum 55-Kilo-Guss für Bahn und Industrie.
Wenn sich der Ofen öffnet, spuckt er Hitze aus. Über 700 Grad heiss ist das flüssige Aluminium, das der Giesser mit einer speziellen Kelle herausschöpft und in eine Form aus Sand giesst.
Sandguss heisst das Verfahren in der Fachsprache. Es ist eine uralte Technik, vermutlich über 2000 Jahre alt. Die Aluminiumgiesserei Reinhold Frei AG in Saland setzt auch heute noch darauf.



Aber nicht nur. Auch Kokillenguss, ein deutlich jüngeres Verfahren, kommt zur Anwendung. Bei diesem wird der flüssige Werkstoff in eine dauerhafte Form aus Metall – die sogenannte Kokille – gegossen.

«Die Arbeit wurde zwar in den letzten 20, 30 Jahren weniger ‹sträng›», sagt Geschäftsführer Hanspeter Frei. Moderne Maschinen und Technologien erleichtern die Aufgaben. Doch ohne Handarbeit geht in der Giesserei trotzdem nichts. «Die Prozesse sind eigentlich immer noch gleich, wir sind einfach etwas produktiver.»
Seit 1991 mit Komplettservice
Die Aluminiumgiesserei mit aktuell 15 Mitarbeitenden gibt es seit 1969. Hanspeter Frei hat seit 1991 die Leitung inne, 1998 übernahm er das Unternehmen komplett von seinem Vater und Firmengründer Reinhold Frei. Seit 2022 gehören die beiden Söhne Severin und Benjamin ebenfalls zur Geschäftsleitung und führen das Unternehmen in dritter Generation weiter.
Unter Hanspeter Frei wurde das Geschäftsfeld der Firma erweitert. «Bis zu den frühen 90ern war es üblich, dass eine Giesserei nur für den Rohguss verantwortlich war.» Die Weiterbearbeitung übernahm dann ein anderes Unternehmen. Dies gilt für einige Giessereien auch heute noch, nicht aber in Saland.

Dank der Hinzunahme der mechanischen Bearbeitung im Jahr 1991 bietet die Firma einen Komplettservice. Von der Werkzeugherstellung über den Guss und die Bearbeitung bis zur Koordination von externen Veredelungsschritten, hin zum einbaufertigen Produkt.
Grosse Produktpalette
Das Portfolio der Firma ist gross. Auf die Frage, was denn in Saland alles aus Alu gegossen werde, antwortet Frei schmunzelnd: «Da kommt einiges zusammen», und beginnt sofort, Beispiele aufzuzählen: Komponenten für Hochspannungsschalter, Stücke für die Eisenbahntechnologie oder Spezialteile für Motoren. Die kleinsten gegossenen Teile sind nur etwa 5 Gramm schwer, die grössten gut 55 Kilo.

Aluminium eignet sich als Werkstoff für diese Teile, da das Material im Verhältnis zu seinem Gewicht eine hohe Festigkeit aufweist und korrosionsbeständig ist. Reines Aluminium wird dabei nicht verwendet, sondern eine sogenannte Legierung, die auch Silizium enthält. «Dadurch wird das Aluminium einfacher giessbar», erklärt Frei.


Auch wenn das Handwerk eine lange Tradition hat, befindet sich die Firma ständig im Umbruch. Eine grosse Veränderung kam vor gut zehn Jahren, als die 3D-Drucktechnologie salonfähig wurde. «Seither haben wir komplett neue Gestaltungsmöglichkeiten und können komplexe Formen genauer herstellen», sagt Severin Frei. Das habe das Produktspektrum stark erweitert.
Keine Angst vor Zöllen
Die Firma ist auf Kleinserien spezialisiert. «In unserer Industrie kann das alles zwischen einem und 10’000 Stück sein», erklärt Frei.
«Wir sind ein Kleinbetrieb», betont er. Das gibt der Firma die nötige Flexibilität, um schnell auf Kundenwünsche reagieren zu können.
Das ist neben einer konstant hohen Qualität wichtig, um gegen die Konkurrenz aus dem Ausland zu bestehen. «Wenn wir gleich lang hätten wie beispielsweise eine chinesische Giesserei, aber doppelt so teuer sind, würden nur wenige noch bei uns bestellen», meint Hanspeter Frei.
Als er vor gut 30 Jahren die Firma übernommen hatte, waren Exporte noch eine Ausnahme. Heute muss sich die Tösstaler Giesserei auf einem globalen Markt behaupten.
Etwa ein Drittel der Produktion wird direkt ins Ausland exportiert – auch nach China. Die meisten Kunden sind Schweizer Unternehmen, die ihre Produktion im Ausland haben.
Und wie steht es um Zölle der USA? Hanspeter Frei bleibt gelassen. «Wir haben bis jetzt nur aus den Medien davon erfahren.» Allfällige Zölle würden die Firma höchstens indirekt tangieren, da sie aktuell keine direkten Exporte in die USA vornimmt.
Ein zähes Projekt
Als viel grösseres Problem ortet er die Strompreise. Alle Öfen der Giesserei werden mit Strom betrieben. Als es 2022 zu den Verwerfungen am Strommarkt kam, musste das Unternehmen auf einmal das Siebenfache des üblichen Preises bezahlen.
«Wenigstens konnten wir zu dieser Zeit unseren Stromverbrauch erheblich reduzieren», sagt Benjamin Frei. Dies gelang durch Investitionen in energieeffizientere Öfen mit intelligentem Energiemanagement.
Bisher konnte die Aluminiumgiesserei alle wirtschaftlichen Kapriolen meistern und ist gut aufgestellt. Die Räumlichkeiten am bestehenden Standort zwischen Saland und Dillhaus sind voll ausgenutzt.
«Wir haben zu wenig Platz, um uns weiterzuentwickeln», erklärt Benjamin Frei. Die engen Verhältnisse schränken nicht nur die Weiterentwicklung ein, sie haben auch direkten Einfluss auf die Produktivität. «Häufig stehen Dinge im Weg, die man zuerst aus dem Weg räumen muss.»
Die Firma will deshalb neben dem bestehenden Gebäude einen Neubau realisieren. Dieser soll Platz schaffen, damit die mechanische Bearbeitung erweitert werden kann.
Doch der Bau verzögert sich. «Als Industriebetrieb, der halt auch Lärm und Dreck verursacht, zu bauen, ist extrem schwierig», sagt Severin Frei. Die Vorgabenliste ist lang und teilweise sehr anspruchsvoll – und das, obwohl das Land in der Industriezone liegt.
Die Fühler sind ausgestreckt
Sein Bruder Benjamin ist trotzdem guten Mutes, dass es mit dem Bau klappen wird. Nur dann hat das Unternehmen die Entwicklungsmöglichkeiten, die es benötigt.
Hanspeter Frei wird sich in nächster Zeit vermehrt in den Hintergrund zurückziehen und das Geschäft mehr und mehr seinen Söhnen überlassen. «Wir sind aber schon froh, dass er uns weiterhin noch unterstützt», sagt Benjamin Frei.
Zur Übernahme gedrängt habe der Vater sie nicht. Die Brüder waren sich einig, dass sie den Betrieb nur gemeinsam weiterführen wollen. Dabei setzen sie auch auf Bewährtes. «Wir werden nicht von heute auf morgen den ganzen Betrieb umstellen», erklärt Benjamin Frei.
Vor Neuerungen wollen sie sich aber nicht verschliessen. Bruder Severin ergänzt: «Wir haben natürlich die Fühler ausgestreckt.»
