13-Millionen-Projekt in Seenähe: Die Landi Maur baut sich neu
Kleine Genossenschaft plant gross
Die Landi Maur will keine blosse Immobiliengesellschaft sein – und muss dazu eine Immobilie bauen. 2026 sollen an exklusiver Lage ein neuer Laden und Wohnungen entstehen.
Tiefe Steuern, Stadtnähe, Seeanstoss, viel Grün und keine Industrie: Keine Frage, Maur ist heute eine attraktive Wohnadresse. Doch noch bis tief in die 1960er Jahre war die Gemeinde vor allem ein Bauerndorf.
Davon zeugt schon der Umstand, dass Maur heute noch eine eigene landwirtschaftliche Genossenschaft hat – eine von nur noch vieren im ganzen Zürcher Oberland. Die Landi Maur, wie sie umgangssprachlich genannt wird, ist im Dorf mit ihrem Ladengeschäft an der Rellikonstrasse und der Agrola-Tankstelle im Zentrum präsent.
Darüber hinaus besitzt sie mehrere Liegenschaften, in denen heute publikumsintensive Betriebe eingemietet sind: der Coop-Getränkehandel in Ebmatingen, das Restaurant und der Volg-Laden in der Zentrumsüberbauung Dörfli, der Volg-Laden bei der Forchbahn-Station Scheuren und das grosse Haus am Fällander Zentrumskreisel, das das Fotogeschäft Morgenegg beherbergt.
Nun schickt sie sich an, das grösste Projekt ihrer inzwischen 112-jährigen Geschichte zu realisieren – den Neubau eines Landi-Ladens mit sieben Mietwohnungen auf der grünen Wiese in Seenähe. Ende Juni hat die Genossenschaftsversammlung den entsprechenden Kredit über 13,1 Millionen Franken gesprochen. Die Baueingabe soll zügig erfolgen, der Baubeginn ist bereits für kommendes Jahr angedacht.
Land für 5,1 Millionen Franken
«Unser bisheriger Verkaufsstandort wird den Ansprüchen der Zukunft nicht mehr genügen. Wenn wir eine eigenständige Genossenschaft bleiben wollen, müssen wir unsere Identität bewahren und im Dorf präsent bleiben», sagt ihr Präsident Thomas Frauenfelder.

Dementsprechend schiesst sie hier auch nicht aus der Hüfte: Bereits 2018 hatte sie gemeinsam mit einem Investorenkonsortium das Grundstück zwischen dem Getränkehandel «Zweifel 1898 bei Schatt» und der Schreinerei Vollenweider gekauft. 5,1 Millionen Franken entfielen dabei auf die Landi.
Die total 5300 Quadratmeter liegen direkt an der Fällandenstrasse und werden hälftig aufgeteilt: Auf der dorfgewandten Seite werden die sieben Privatinvestoren 20 Eigentumswohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern erstellen. Der Komplex der Landi kommt dagegen auf der Seite in Richtung Fällanden zu liegen. Die beiden Teile sind mittels einer zweigeschossigen Garage verbunden – der Platz für die Bauten soll maximal genutzt werden.



Für die Landi sind die Dimensionen beträchtlich: Die geplante Ladenfläche im Erdgeschoss ist mit 800 Quadratmetern mehr als doppelt so gross wie am bisherigen Standort (300 Quadratmeter) und das Sortiment entsprechend grösser. Geplant sind ein Warm- und Kalt- als auch ein kleiner Aussenbereich. Der Eingang wird zur Hauptstrasse hingerichtet, über dem Geschäft werden schliesslich auf zwei Stöcken die sieben Wohnungen platziert, deren Grünfläche auf der Decke der Landi zu liegen kommen.
Das Kreuz mit dem Veloweg
Genossenschaftspräsident Frauenfelder sieht die Herausforderungen vor allem bei der Zufahrt. Für den Umschlag gibt es auf der Seite einen Eingang in die Lagerhalle. Die motorisierten Kunden, Mieter und Eigentümer werden derweil über den Buchenhofweg in den Tiefgarageneingang hinter dem Gebäude geführt.
Dabei kreuzen die Fahrzeuge den stark frequentierten Velo- und Inlineweg, der sich rund um den Greifensee zieht. «Insbesondere im Frühling ist hier sehr viel los. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt», sagt Frauenfelder. «Allenfalls muss hier später vom Kanton sicherheitstechnisch noch eine Anpassung vorgenommen werden.»
Das Bauprojekt verhindern wird diese Angelegenheit freilich nicht. Wie die kantonale Baudirektion bestätigt, sind die Bedingungen für den nötigen Ausbau des Buchenhofwegs bereits im Sommer 2024 festgesetzt und strassenpolizeilich bewilligt worden. Die Situation sei mit einem «Road Safety Audit» und einem Verkehrsgutachten beurteilt worden.
«Beim Veloweg sind keine baulichen Massnahmen vorgesehen. Er geniesst weiterhin Vortritt», betont Sprecher Thomas Maag. Auf einen allfälligen Rückstau auf der Fällandenstrasse angesprochen, ergänzt er, dass man sich je nach Verkehrsentwicklung einen Ausbau der Kantonsstrasse vorbehalte – etwa durch den Bau einer Linksabbiegerspur.
Die Landi-Konkurrenz ist nah
Dass sich die Landi Maur den Bau eines neuen Ladengeschäfts an einer derart exklusiven Lage leisten kann, scheint auf den ersten Blick bemerkenswert. Mit einem Umsatz von 6 Millionen Franken im Geschäftsjahr 2024 spielt sie jedenfalls nicht in der Liga der Grossen mit – und daran wird auch der Ausbau auf 800 Quadratmeter Ladenfläche nichts daran ändern.
Zur Einordnung: Die Genossenschaft Bachtel setzte im Vorjahr 108 Millionen, diejenige in Wetzikon 20 Millionen Franken um. Die Zola AG in Illnau – ein Gefäss, in dem sich um die Jahrtausendwende verschiedenste Genossenschaften aus der Region zusammengeschlossen haben und an dem auch die Fenaco beteiligt ist – nahm gar 120 Millionen Franken ein.
Erschwerend hinzu kommt, dass das Wirtschaftsgebiet mit Maur, Fällanden und Schwerzenbach klein und die Konkurrenz beträchtlich und nah ist: Die um ein Vielfaches grössere Landi Mönchaltorf der Zola AG liegt nämlich nur knapp 8, diejenige in Volketswil 16 Autominuten entfernt.

«Es ist tatsächlich so, dass man es bei der Dachgenossenschaft Fenaco gern gesehen hätte, wenn wir unseren ganzen operativen Betrieb eingestellt hätten», sagt Thomas Frauenfelder. Ein Wunsch, dem Maur aber nicht nachgekommen ist.
«Im Gegensatz zu vielen anderen Landis mussten wir bereits Ende der 1980er Jahre unsere eigenen Volg-Läden schliessen und die Liegenschaften an Externe wie Coop oder die Volg Konsumwaren AG vermieten. Seitdem verzeichnen wir nur noch positive Jahresabschlüsse.»
Das alte Depot hat ausgedient
Tatsächlich weist die Bilanz einen Immobilienwert von 11,7 Millionen auf, die Mieteinnahmen belaufen sich jährlich auf rund eine Million Franken. Vor diesem Hintergrund gilt es auch das neue Bauprojekt samt Mietwohnungen und eine Weitervermietung des heutigen Standorts zu bewerten.
«Wir sind gesund», sagt Thomas Frauenfelder stolz. Natürlich hätte man nun den Laden schliessen können. Der Moment wäre nicht unpassend gewesen: Das bald 75-jährige Depot im Maurmer Dorfzentrum, das in den 1990ern zum Laden umfunktioniert wurde, wäre dann einfach zu einer weiteren Liegenschaft im Portfolio und die Genossenschaft zu einer Immobiliengesellschaft geworden.
Finanziell, so gibt der Genossenschaftspräsident zu, wäre das verkraftbar gewesen; zumal man satte 65 Prozent des Umsatzes mit den zwei Säulen der Agrola-Tankstelle und dem Verkauf von Brennstoffen erwirtschaftet.
Dennoch habe man daran nicht ernsthaft gedacht: «Unsere Landi hat ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Charakter. Wir sind hier stark verankert, und wir wollen auch weiterhin einen guten Job für unser Dorf machen.»
