Deshalb bauen drei Frauen auf 1050 Metern über Meer Gemüse an
Drei Frauen bewirtschaften oberhalb von Steg einen steilen Garten naturnah und in Handarbeit. Ihr Projekt «Summ-mit» auf dem Hof Ragenbuech setzt auf Vielfalt. Wie das funktioniert – und warum es mehr als ein Hobby ist.
Der Hof Ragenbuech liegt oberhalb von Steg – idyllisch und ruhig gelegen. Mit der Ruhe ist es aber vorbei, wenn man am Gemüse- und Blumengarten vorbeigeht. Dass sich hier unzählige Insekten wohlfühlen, ist sofort zu hören, ihr lautes Summen erfüllt die Luft.
Und so passt auch der Name für den Gemüse- und Blumenbetrieb auf dem Hof auf 1050 Metern über Meer: Summ-mit. «Das hat mehrere Bedeutungen», erklärt Josefa Fuchs, die das Ganze vor drei Jahren initiiert hat.
Es ist nicht nur eine augenfällige Abwandlung des Worts «summit» (Englisch für Gipfel), sondern spielt auch auf das Summen an, das auf dem Feld herrscht. «Zudem soll es die Freude am Garten und die Zusammenarbeit ausdrücken, alle summen sozusagen mit», erklärt sie.
Handarbeit im steilen Gelände
Fuchs bewirtschaftet die Fläche auf dem Hof oberhalb von Steg nun in der zweiten Saison – aber nicht allein. An ihrer Seite hat sie Michelle Moser und Katrin Sonderegger, die mit ihrer Familie bereits seit vier Jahren auf dem Ragenbuech wohnt.
Fuchs, die nicht nur studierte Umweltingenieurin, sondern auch gelernte Gemüsegärtnerin ist, hat das Projekt «Summ-mit» vor drei Jahren auf einem Hof in Fischenthal gestartet. Ihr Ziel: möglichst naturnah Gemüse und Blumen zu produzieren.

Seit vergangenem Jahr tut sie dies zusammen mit ihren beiden Mitstreiterinnen auf dem Hof Ragenbuech. Die Fläche, die sie bewirtschaften, scheint auf den ersten Blick nicht gross. 64 Aren – eine Are entspricht 100 Quadratmetern – umfasst das ganze Kulturland, rund 40 davon werden für den Anbau von Gemüse und Blumen genutzt.
«Das Gelände ist aber sehr steil», sagt Katrin Sonderegger. «Wenn man 40-mal von oben nach unten und zurück gegangen ist, spürt man das am Abend.» Hinzu kommt: Auf grosse Gerätschaften wird beim Projekt «Summ-mit» verzichtet. Die drei Frauen setzen auf Handarbeit und einfache Gartenwerkzeuge.

Bei der Produktion arbeiten sie nach dem Prinzip der Permakultur. Dieses Landwirtschaftssystem basiert darauf, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe in der Natur genau zu beobachten und nachzuahmen.
Konkret heisst das beispielsweise, dass sie bestimmte Gemüse- und Blumensorten auf der gleichen Fläche pflanzen. Ein typisches Beispiel: Zwiebeln und Rüebli, zwei Arten, die einander vor Schädlingen schützen können. «Es ist aber immer ein Prozess, wir ändern und justieren auch immer wieder Dinge», betont Josefa Fuchs.
Im steilen Gelände sind zudem alle Wege bewachsen. Das hat nicht nur ökologische Vorteile. «Es hilft auch, dass wir bei der Gartenarbeit, wenn es nass ist, nicht den Hang hinabrutschen», erklärt sie.
Die Balance finden
Auch wenn die bebaute Fläche im Vergleich zu einem herkömmlichen Landwirtschaftsbetrieb klein ist, wollen die drei Frauen das Projekt nicht als Hobby verstanden wissen. «Wir haben uns erst kürzlich diese Gedanken gemacht», sagt Sonderegger. Doch für ein Hobby bringe der Garten zu viel Arbeit mit sich – und vor allem Verbindlichkeiten.
Denn das Trio baut Gemüse und Blumen nicht etwa zum Spass an. Seit Beginn bietet «Summ-mit» Gemüsekistchen im Abo an. Wer ein solches abgeschlossen hat, kann einmal pro Woche eine Kiste voller Gemüse an verschiedenen Standorten im Oberland abholen.
Ausserdem sind sie beim Projekt «Kauflokal Fischenthal» dabei. Einmal im Monat können ihre Waren auf Vorbestellung im Depot abgeholt werden.
Hinzu kommt, dass «Summ-mit» seit diesem Jahr auch wöchentlich am Baumer Wuchemärt vertreten ist. «Das ist eine Herausforderung», betont Michelle Moser. Die richtige Menge und für die Kunden interessantes Gemüse mitzunehmen, ist ein Erfahrungswert.
Auf dem Hof Ragenbuech werden nämlich nicht nur Rüebli oder Fenchel angebaut. «Wir setzen bewusst auch auf selteneres Gemüse», betont Gärtnerin Fuchs. Ziel sei es auch, immer wieder etwas Neues auszuprobieren. So bauen die Frauen beispielsweise italienischen Mönchsbart – auch bekannt als Salzkraut – oder Tomatillos an, die an grüne Tomaten erinnern.
Doch sowohl in den Gemüsekisten als auch am Markt gilt: Die Balance ist wichtig. Zu viel «unbekanntes» Gemüse wollen die meisten nicht. «Bei den Kisten schicken wir deshalb auch Rezeptideen mit», sagt Moser.
Finanzielles Ziel
Den Anbau richtig zu planen, ist generell eine Herausforderung – vor allem im Sommer. «Am meisten an Menge und Vielfalt bietet ein Garten im Hochsommer, in den Sommerferien – dann, wenn ganz viele in den Ferien sind», sagt Fuchs. Und auch sonst kann es immer wieder vorkommen, dass der Garten einen Überschuss abwirft.

Ist die Ausbeute einmal grösser als die Nachfrage, arbeiten die drei Frauen mit der Küche einer Wetziker Schule und jener einer Wohngruppe in Fischenthal sowie dem Bioladen im Dorf zusammen. Dorthin können sie dann das Gemüse liefern.
Finanziell sind Fuchs, Moser und Sonderegger zwar nicht auf das Projekt angewiesen. Alle drei sind auch ausserhalb berufstätig. Aber da «Summ-mit» kein Hobby ist, haben sie auch ein klares Ziel vor Augen.
«In diesem Jahr wollen wir, dass es auch etwas abwirft», sagt Sonderegger. Ob sie auf Kurs sind? Fuchs: «Das sehen wir dann im Herbst, dann wird abgerechnet.»
