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«In Turbenthal leben wir noch das Gewerblerleben»

Im nächsten Frühling ist Gewerbeausstellung in Turbenthal. Alle Stände sind bereits ausgebucht. Das steckt dahinter.

Die Gewa in Turbenthal lockt nicht nur das Publikum immer wieder an – auch bei Gewerbebetrieben ist die Messe beliebt. Die Stände sind bereits alle ausgebucht.

Foto: André Gutzwiller

«In Turbenthal leben wir noch das Gewerblerleben»

Im nächsten Frühling feiert die Gewerbeausstellung Turbenthal ihr 50-jähriges Bestehen. Bereits jetzt sind alle Stände ausgebucht. OK-Präsident Sandro Carnazza über das Geheimnis hinter dem ungebrochenen Erfolg.

Herr Carnazza, Glückwunsch, dass Sie bereits alle Stände für die Gewerbeausstellung (Gewa) 2026 vergeben haben. Es gibt sogar eine Warteliste. Stehen da schon Unternehmen drauf?

Sandro Carnazza: Wir haben sechs Firmen, die aktuell auf einen Platz an der Gewa hoffen.

Sandro Carnazza ist Geschäftsführer und Inhaber der Carnazza AG. Der Carrosserie-, Spritzwerk- und Garagenbetrieb ist seit Jahrzehnten verwurzelt im Tösstal und zählt zu den Stammausstellern an der Gewa Turbenthal. Carnazza hat das OK-Präsidium im Frühling 2024 vom langjährigen Präsidenten Roland Kessler übernommen. (aki)

Bei der letzten Durchführung 2023 waren es 60 Aussteller. Halten Sie auch dieses Mal an dieser Zahl fest?

Es sind jetzt ein paar weniger. Wir haben den Rundgang durch die Ausstellung etwas umgestaltet, damit die Besucher direkt an jedem Stand vorbeikommen. Wir prüfen im Moment, ob wir die Kapazität ausbauen wollen und mit einem Vorzelt direkt vor der Reithalle noch mehr Platz schaffen können. Dann wären wir wieder bei der gleichen Grössenordnung wie 2023. Wir müssen aber schauen, dass wir trotzdem kostendeckend bleiben.

Was müssen denn die Aussteller für einen Stand bezahlen?

Das kommt ganz auf die Standgrösse an. Wir bieten ganz unterschiedliche. Die Preise sind aber nicht hoch, weil viel übers Mithelfen funktioniert. Die Betreiber leisten in Form von Fronstunden einen Beitrag – sei es beim Aufbau, beim Abbau oder beim Verlegen des Bodens. Das macht die Teilnahme attraktiv und sorgte bisher immer für einen grossen Andrang. Eine weitere Stärke von uns ist, dass kein Standbauer vor Ort ist und alles sehr individuell gestaltet ist. Es sind lediglich die Grundmasse gegeben. Bezüglich Farben und Ausgestaltung kann jeder machen, was er will.

Gewa in Turbenthal
Individualität als Stärke: Die Standbetreiber sind in der Gestaltung sehr frei, wie bereits die Gewa 2023 zeigte. (Archiv)

Stichwort grosse Stärke: Uster und Pfäffikon haben ihre letzten Ausstellungen abgesagt, Zell hat für die diesjährige Ausgabe lange gebraucht, genügend Standbetreiber zu finden. Hat Turbenthal ein Geheimrezept gefunden?

Ein Geheimrezept in dem Sinne gibt es nicht. Aber ich glaube, die Individualität spielt eine wichtige Rolle – und dass wir hier das Gewerblerleben noch leben. Das spürt man auch bei uns im Gewerbeverein. Der Vorstand engagiert sich für ein funktionierendes Vereinsleben. Das motiviert die Leute, bei einer Gewa mitzumachen. Sie ist eine Tradition, die einfach gut etabliert ist. Ich kann mich noch gut erinnern: Als ich ein Kind war, hat mein Vater mit unserem Betrieb teilgenommen.

Das klingt, als hätte die Gewa Dorffestcharakter.

Sie ist ein Anlass, wo man sich trifft, die Leute kennen sich. Wir haben in Turbenthal natürlich ein gutes Einzugsgebiet, weil wir sehr zentral sind. Die Leute kommen auch gerne einfach vorbei, um etwas zu essen oder um jemanden am Stand zu besuchen. An einer Gewerbeausstellung geht es ja nicht darum, etwas zu verkaufen, sondern darum, Zeit zu haben und ausserhalb vom Alltagsgeschäft mit anderen schwatzen zu können.

Heute gibt es mittlerweile viele Gewerbetreibende, die keine Ausstellung als Plattform brauchen, weil die Kundschaft nicht mehr in der Region zu Hause ist. Wie ist das in Turbenthal?

Es kommt immer darauf an, in welcher Branche man tätig ist. Unser Betrieb ist sehr regional unterwegs. Für die Reparatur eines Fahrzeugs fährt ein Kunde aus Zürich nicht zu uns. Es gibt vielleicht Ausnahmefälle, wo aus der Kundenbeziehung eine Freundschaft entsteht und man diese pflegen will. Ich würde schon sagen, dass ein grosser Teil des lokalen Gewerbes hier verankert ist. Dieses zu unterstützen, versuchen wir im Tösstal zu leben. Denn das Gewerbe schafft viele Arbeitsplätze.

Die Gewa darf nächstes Jahr ihren 50. Geburtstag feiern. Was wird für Sie das Highlight sein?

Dass wir wieder einen so grossen Andrang haben und sich so viele individuelle Betriebe vorstellen können. Das ist eine grosse Chance vor allem auch für junge Leute, die auf Berufssuche sind. Bei uns können sie erleben, welche Möglichkeiten sich ihnen in der Umgebung bieten. Oder auch für Neuzuzüger: Sie können an der Gewa Networking betreiben.

Und wie sieht es mit einem Geburtstagsfest aus? Ist etwas geplant?

Etwas ganz Spezielles gibt es nicht, aber wir werden vieles bieten. Im Gegensatz zu früher haben wir ein umfangreiches Rahmenprogramm auf die Beine gestellt mit verschiedenen Bands. So konnten wir etwa die Gruppe Covered mit der ehemaligen «Musicstar»-Teilnehmerin Börni Höhn für einen Auftritt gewinnen.

Die Jubiläumsausgabe bedeutet für Sie ja eine Premiere. Die Leitung des Organisationskomitees haben Sie vom langjährigen Präsidenten Roland Kessler übernommen. Bedeutet das viel Arbeit?

Wir sind ein zehnköpfiges OK. Und es läuft dank meinen Mitstreitern. Sie sind es, die managen, organisieren, springen und am Schluss den Karren aus dem Dreck ziehen. Als OK-Präsident muss man vor allem schauen, wo noch was fehlt.

Das Organisationskomitee der Gewa 2026 besteht aus folgenden Personen:

  • Sandro Carnazza, OK-Präsident
  • Laura Hutzli, Vizepräsidentin, Werbung, Aktuariat und Unterhaltung
  • Roland Ganz, Thomas Berwert, Matthias Kägi, Reto Gubler, Bau und Infrastruktur
  • Peter Hagen, Kassier
  • George Brunner, Gastronomie
  • Silvia Graf, Personal
  • Tobias Fässler, Sicherheit und Verkehr

Die Gewa Turbenthal funktioniert also, weil alle als eingespieltes Team agieren?

Die Leute, die mitwirken, sind alle schon lange dabei, viele waren früher schon Aussteller und wissen, wie es läuft. Grundsätzlich bin ich kein Fan davon, das Rad neu zu erfinden. Man muss nicht an dem, was die Vorgänger geschaffen haben, rütteln. Sie haben es gut gemacht, sonst wäre die Gewa nicht so erfolgreich. Man sollte höchstens daran herumfeilen und versuchen, es noch besser zu machen. Es braucht aber auch die Teilnehmer. Das Miteinander von allen sorgt am Schluss dafür, dass die Gewa funktioniert.

Die Gewerbeausstellung Turbenthal 2026 findet vom 17. bis 19. April in der Reithalle beim Gmeiwerch statt. Informationen dazu werden unter gewerbe-turbenthal.ch publiziert.

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