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0 Prozent Zins – was bedeutet das für uns und für unsere Regionalbanken?

Noch vermeidet die Schweizerische Nationalbank (SNB) Negativzinsen. Doch seit einer Woche liegt der Leitzins wieder bei 0 Prozent. Nachgefragt bei den Regionalbanken im Oberland.

Von links: Fabio Perlini (Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Corporate und Private Banking der Bank Avera), Lars Studer (Vorsitzender der Geschäftsleitung der Raiffeisenbank Zürcher Oberland) und Damian Lanter (Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank BSU).

Bildkombo: Thomas Hümbeli

0 Prozent Zins – was bedeutet das für uns und für unsere Regionalbanken?

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Seit einer Woche liegt der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank bei 0 Prozent. Was gut ist für die Schuldner, ist für die Sparer und für die Banken eine Herausforderung.

Die Regionalbanken im Zürcher Oberland sind in erster Linie Hypothekarinstitute. Das heisst, dass sie den Grossteil ihrer Erträge im Zinsdifferenzgeschäft erwirtschaften. Das ist die Differenz zwischen den Schuldzinsen, die sie von ihren Hypothekarschuldnern verlangen, und den Guthabenzinsen, die sie ihren Sparern auszahlen.

Sinken die Zinsen, ist das gut für die Schuldner, aber schlecht für die Sparer – und auch schlecht für die Banken. Denn ihr Spielraum wird enger. Wir haben bei den drei genossenschaftlich organisierten Regionalbanken im Oberland nachgefragt, was der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am 20. Juni, die Zinsen auf 0 Prozent zu senken, für sie bedeutet und was sie ihren Kunden empfehlen.

Die SNB hat den Leitzins auf 0 Prozent gesenkt. Lässt sich schon abschätzen, ob Sie im Geschäftsjahr 2025 das Resultat von 2024 erreichen können?

Fabio Perlini, Leiter Corporate und Private Banking, Bank Avera: Die Zinssenkung stimmt mit den Markterwartungen überein, entsprechend haben wir sie auch im Budget berücksichtigt. Das Jahr 2025 verläuft für die Bank Avera positiv, die bisherigen Erträge liegen über den Erwartungen. Bei den Sach- und Personalkosten wird das Budget nicht ausgeschöpft. Die Rahmenbedingungen waren 2024 insgesamt aber günstiger. Darum rechnen wir für das Geschäftsjahr 2025 mit einem Resultat leicht unter dem letztjährigen Ergebnis.

Lars Studer, Vorsitzender der Geschäftsleitung, Raiffeisenbank Zürcher Oberland: Wir werden aufgrund der erneuten Zinssenkung und des generell schon tiefen Zinsniveaus gegenüber dem Geschäftsjahr 2024 einen tieferen Zinserfolg ausweisen, dies schon per 30. Juni 2025. Mit den weiteren Erträgen, beispielsweise aus dem Wertschriften- und Handelsgeschäft, sind wir im ersten Halbjahr sehr zufrieden.

Damian Lanter, Vorsitzender der Geschäftsleitung, Bank BSU: Im bisherigen Geschäftsverlauf konnten wir uns im Zinsgeschäft über dem Vorjahr halten. Ob sich dies bis ans Jahresende «retten» lässt, hängt von der weiteren Entwicklung ab, insbesondere auch, inwiefern sich die tieferen Margen mit anderen Erträgen wie zum Beispiel aus dem Wertschriftengeschäft kompensieren lassen.

Grafische Darstellung der Zinssätze der Schweizerischen Nationalbank.
Zinsentwicklung in der Schweiz: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat seit Juni 2019 den SNB-Leitzins als geldpolitisches Steuerungsinstrument. Zuvor hatte sie ein Zielband für den Dreimonats-Libor verwendet.

Im September steht der nächste Zinsentscheid der SNB an. Welches Szenario halten Sie dann für das wahrscheinlichste und warum?

Lanter: Die SNB hatte im Rahmen ihrer Beurteilung keine klaren Aussagen gemacht, sodass schwer abzuschätzen ist, welcher Entscheid im September getroffen wird. Einerseits erfolgten die Zinssenkungen früher als ursprünglich erwartet, weshalb man davon ausgehen könnte, dass kein weiterer Zinsschritt mehr erfolgt. Zudem hätte eine weitere Zinssenkung unter die 0-Marke eine andere Tragweite als die bisherigen Zinsschritte. Andererseits sind Negativzinsen bei einer weiteren Abschwächung des globalen Wachstums durchaus ein realistisches Szenario.

Perlini: Wir gehen davon aus, dass sich die Nationalbank schwertut, erneut Negativzinsen einzuführen, dass sie dies jedoch tun wird, wenn das Marktumfeld es verlangt. Steigt die Inflation wieder in den positiven Bereich und lässt sich die Aufwertung des Schweizer Frankens mit Interventionen auf dem Devisenmarkt kontrollieren, wird die SNB den Leitzins weiterhin bei 0 Prozent belassen. Wir erachten aktuell dieses Szenario als das wahrscheinlichste, auch wenn die Unsicherheitsfaktoren insbesondere auf den weiteren Verlauf der US-Aussen- und -Handelspolitik hoch sind.

Studer: Die SNB hat mit ihrer präventiven Geldpolitik frühzeitig reagiert und den Leitzins schnell auf 0 Prozent gesenkt. Gleichzeitig hat sie wiederholt betont, dass mit Negativzinsen unerwünschte Nebenwirkungen verbunden sind. Die Hürde für weitere Leitzinssenkungen in den negativen Bereich liegt daher deutlich höher. Erst bei einer spürbaren Verschlechterung der Inflationsentwicklung oder einer markanten wirtschaftlichen Abkühlung wäre eine weitere Zinssenkung denkbar. In unserem Basisszenario rechnen wir jedoch nicht mit einer derartigen Entwicklung.

Welchen Einfluss haben die tiefen Zinsen auf die Nachfrage nach Unternehmenskrediten?

Studer: Tiefere Zinsen verbessern grundsätzlich die Refinanzierungsbedingungen für Unternehmen und könnten somit die Nachfrage nach Unternehmenskrediten stimulieren. In der Praxis wird dieser Effekt jedoch durch die anhaltende Unsicherheit und die schwache Entwicklung in der Exportwirtschaft gedämpft. Insgesamt ist das Kreditvolumen in den letzten zwölf Monaten gestiegen – dieser Anstieg ist jedoch hauptsächlich auf das Wachstum bei den Hypothekarkrediten zurückzuführen.

Lanter: Klassische Unternehmenskredite sind für unsere Bank ein eher unbedeutender Geschäftsbereich. Dass die Kreditlimiten eher ausgeschöpft werden, haben wir nicht festgestellt. Bei Immobilienfinanzierungen ist die Nachfrage spürbar gestiegen, da viele Banken bei der Kreditvergabe aufgrund der reduzierten Geldmenge sowie der erhöhten Mindestreserveanforderungen zurückhaltender geworden sind.

Perlini: Sinkende Zinsen können stimulierend auf die Wirtschaft wirken, da sie die Finanzierung von unternehmerischen Aktivitäten oder Investitionen in Immobilien günstiger machen. Derzeit spüren wir aber noch keine Dynamisierung der Wirtschaft.

Gibt es für Sparer, die ihr Geld arbeiten lassen möchten, heute noch eine Alternative zur Börse?

Perlini: Sparer sollten zum Schutz vor der langfristigen Inflation zumindest über eine Teilinvestition nachdenken. Einfache Sparkontolösungen erzielen keine zufriedenstellenden Erträge mehr. In der aktuellen Marktlage empfiehlt es sich, diversifiziert in Anlagen zu investieren, die von tiefen Zinsen profitieren und bei Zinsanstiegen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Damit scheiden festverzinsliche Obligationen mit längeren Laufzeiten aus. Es bleiben deshalb nur Realwerte wie Aktien, Immobilienfonds oder Gold sowie alternative Obligationenstrategien als langfristig valable Optionen übrig.

Studer: Ersparnisse, die nicht unmittelbar benötigt werden, sollten derzeit nicht auf einem Konto geparkt werden. Die Zinsen auf Sparkonten liegen nur noch knapp über 0, und durch die Inflation verliert das Geld laufend an Kaufkraft. Um dem entgegenzuwirken, lohnt es sich, einen Teil des Vermögens in Sachwerte wie Aktien, Immobilien oder Gold zu investieren. Wichtig dabei ist eine breite Diversifikation. Als Faustregel gilt: Je länger der Anlagehorizont, desto höher darf der Aktienanteil sein. Wer noch vorsichtiger sein möchte, kann über einen Fonds-Sparplan schrittweise investieren.

Lanter: Über die lange Frist gesehen, ist die Anlage von nicht benötigter Liquidität schon immer die einzige Möglichkeit gewesen, um inflationsbereinigt effektiv eine positive Rendite zu erzielen. Das erneut tiefe Zinsumfeld verdeutlicht diesen Aspekt lediglich. Für Sparerinnen und Sparer, die bewusst nicht anlegen möchten, bietet die Bank BSU ein Sparkonto mit aktuell überdurchschnittlicher Verzinsung bis Ende 2025.

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