Ausgerechnet Dürnten – hier ist das neue Event-Zentrum im Oberland
Mühle mit Wasserfall
Wo während Jahrhunderten Korn gemahlen wurde, wird heute gelebt, gearbeitet – und gefeiert. Die Mühle Dürnten setzt neue Massstäbe im Event-Bereich.
Das Wummern der Bässe: Im oberen Stock des Kornspeichers dreht ein DJ an den Knöpfen.
Das Rauschen des Wassers: Wenige Meter neben dem Speicher fällt ein Wasserfall zehn Meter in die Tiefe.
Das Leuchten der Felsen: Violette Scheinwerfer tauchen den Wasserfall und die Felswand in magisch anmutendes Licht.
Die Verführung der Düfte: In der Outdoor-Küche vor dem Teich gart Risotto in einer grossen Pfanne.
Das Lodern der Flammen: Ein gross gewachsener Mann legt vorsichtig einige dicke Äste in eine Feuerschale auf dem Vorplatz.




Der Mann, der sich um die Feuerschale kümmert, heisst Roberto Carboni und ist eine der Hauptfiguren in dieser Geschichte einer Renaissance. Denn der Event-Profi ist für die Vermarktung der Mühle Dürnten zuständig. «Das Areal hat ein enormes Potenzial», sagt der 55-jährige Bündner und klopft sich etwas Asche von der Jacke.
Um dieses Potenzial aufzuzeigen und gleichzeitig zu testen, hatte Carboni zum Frühlingsfest in die Mühle Dürnten geladen, und rund 120 Gäste waren Anfang Mai nach Edikon gekommen: Geschäftspartner, Kunden, Freunde, geeint durch die Neugier auf die neue Event-Location.

Während Hunderten von Jahren wurde in Dürnten, unterhalb der Edikerstrasse, Getreide gemahlen. Später war eine Sägerei auf dem Areal ansässig. Zuletzt zog ein Gerüstbauer in deren Lagerhalle ein und ist bis heute hier eingemietet.
Die Geschichte der Mühle Dürnten reicht weit zurück, so weit, dass der Nebel der Geschichte einen undurchdringlichen Schleier über die Anfänge gelegt hat. Gesichert ist die Erkenntnis, dass um 1530 eine Familie Müller den Betrieb in Edikon besass.
Und auch, dass die Lage ideal war. Der Dürntner Bach ergiesst sich hier in einem Wasserfall in die Senke, wo die Mühle erstellt wurde. Die Betreiber machten seine Energie mit einem Wasserrad nutzbar.
Die Lokalzeitung «Dürntner» berichtet von der Müller-Dynastie in Edikon, die im 16. und 17. Jahrhundert immer wieder angesehene Posten bekleidete, die ihr von der Landvogtei Grüningen überantwortet wurden.
Es waren unruhige Zeiten. Im Zürcher Oberland fand die Bewegung der Täufer viele Anhänger. Sie waren enttäuscht von den Ergebnissen der Reformation, die ihnen zu wenig weit ging.
Auch bei den Müllern von Edikon gab es immer wieder Anführer und Sympathisanten der Bewegung, der man umstürzlerische Tendenzen unterstellte und die entsprechend verfolgt wurde. Mitte des 17. Jahrhunderts beschliesst der letzte Müller, mit seiner Familie auszuwandern.
Im 17. und 18. Jahrhundert wuchs die Mühle. Ein Waschhaus, eine Sägerei und ein Schweinestall ergänzten den Betrieb.
1832 errichtete Hans Jacob Meyer eine Baumwollspinnerei, später wurde daraus eine Fabrik für Seidenspinnerei.
Anfang des 20. Jahrhunderts übernahm die Familie Bleuler das Areal und gründete eine Sägerei mit Holzhandel. Das Geschäft blühte, bis gegen Ende des Jahrhunderts die kostengünstige Konkurrenz vor allem aus Italien immer stärker wurde.
Nach dem Tod des Inhabers Karl Bleuler im Jahr 1997 wurden die Sägerei im Jahr 2004 still- und der Weiher trockengelegt.
Das Areal wurde als Lager genutzt und fiel in einen langen Dornröschenschlaf.
(sco)
Doch das Gelände war dem Vorbesitzer in den letzten knapp 20 Jahren offensichtlich über den Kopf gewachsen. Zu gebrauchen war gerade noch die Halle der ehemaligen Sägerei, die der Gerüstbaufirma als Lager dient. Der Rest des Areals war vernachlässigt und hatte erheblichen Sanierungsbedarf.
Bis 2022 Christian Zimmermann auf den Plan trat. Zimmermann ist mit seiner Firma Bluetrac seit mehr als 30 Jahren auf Event- und Medientechnik spezialisiert.

Er erkannte die Möglichkeiten, die im knapp 20’000 Quadratmeter grossen Areal gleich unterhalb der Edikerstrasse stecken, und erwarb es vor zwei Jahren. Damals noch ohne konkrete Pläne. «Zuerst mussten wir das Areal räumen und zugänglich machen», erinnert sich Carboni. «Wir haben insgesamt 150 Tonnen Müll vom Gelände gekarrt.»
Doch nicht alles, was herumlag, war reif für die Kezo: «Unter dem Gerümpel fanden wir einen Haufen Pflastersteine. Wir stehen gerade darauf …» Mit ihnen wurde die Strasse durch das Areal gepflastert, passend zu den denkmalgeschützten Gebäuden.
Ein Event-Cluster aus fünf eigenständigen Firmen
Christian Zimmermann hat aus dem Gelände mit der Lagerhalle und den alten Wohnhäusern ein eigentliches Event-Zentrum geformt. Entstanden ist ein Netzwerk mit fünf Unternehmen, die eng zusammenarbeiten: Dazu gehören neben Zimmermanns Event-Technik-Spezialisten Bluetrac und der Event-Agentur Flyd mit Geschäftsführer Carboni drei weitere Firmen: Die Kreativagentur Buravida ist für Dekoration und Einrichtung zuständig, Racefire vermietet Rennsimulatoren, und Sertronas hat sich auf 3D-Gebäudevermessung spezialisiert, die bei der Planung von Anlässen eingesetzt wird.
«Wir sind ein One-Stop-Shop, der alle Aspekte eines Events aus einer Hand abdeckt. Vom Sicherheitskonzept über die Technik bis zur Dekoration und Beleuchtung der Location», erklärt Carboni. Das Angebot reiche von der Bereitstellung einer Audioanlage für eine Gemeindeversammlung bis zu «richtig grossen Kisten». Als Beispiele nennt er Unternehmensauftritte am WEF in Davos oder Corporate Events von international tätigen Firmen.
Die Mühle als Basis und Experimentierfeld
Der Kopf hinter den fünf Firmen ist Christian Zimmermann. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. «Mit der Mühle Dürnten haben wir nun eine gemeinsame Homebase», freut sich der Unternehmer, der Bluetrac einst in Männedorf gegründet und später nach Wetzikon gezügelt hatte.
Diese Basis, auf der Spezialisten aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten, schafft Synergien. Dass in der Mühle auch eigene Events stattfinden werden, ist eher ein willkommener Nebeneffekt. «Wir können hier neue Formen testen, bevor wir damit auf den Markt gehen», sagt Zimmermann. «Wir müssen hier kein Geld verdienen, unser Business-Case sind Events für und bei unseren Kunden», ergänzt Carboni. Die Auslastung sei noch sehr gering, aber man schreibe bereits schwarze Zahlen mit der Mühle.
Das hat auch mit einem zusätzlichen Angebot zu tun: Denn auf dem Gelände stehen zwei Wohnhäuser mit sieben Wohnungen, die grundlegend saniert und auf den neusten Ausbaustand gebracht worden sind. Bis auf eine Wohnung sind sie allesamt vermietet.
Über die Höhe der Investitionen in das Areal schweigt sich Zimmermann aus. Sie dürften im zweistelligen Millionenbereich liegen. Und er hat weitere Pläne. So soll an der Edikerstrasse ein modernes Gewerbehaus entstehen, entworfen vom Volketswiler Architekturunternehmen Hohermuth. Baustart soll noch in diesem Jahr sein.

Zurück zum verregneten Frühlingsfest Anfang Mai. Hier zeigte sich das Potenzial der Mühle Dürnten ein erstes Mal. Die Gäste verpflegten sich bei der Outdoor-Küche, über die ein schützendes Zeltdach gebaut war. Gegessen und getrunken wurde im Kornspeicher, für die Weinbegleitung war der Winzer Erich Meier aus Oetwil am See zuständig.
Wer rauchen wollte, konnte sich unter das schützende Dach vor dem Speicher zurückziehen oder sich einen Schirm ausleihen.
Und in den Lagerhallen vis-à-vis waren zwei Rennsimulatoren von Racefire aufgebaut, mit denen sich die Gäste auf einem fiktiven Rundkurs durch die Stadt Zürich messen konnten. Nasse Hände und erhöhter Pulsschlag inklusive.
Die Mühle Dürnten mit ihren verschiedenen Locations bietet sich an für Seminare und Workshops von Unternehmen, für Versammlungen und Aktivitäten von Vereinen bis hin zu Familienfeiern im Rauschen des Wasserfalls.
