Experte sicher: «Es führt kein Weg zum Verbrenner zurück»
Was sagen die Garagisten?
Für die Autobranche ist die Umstellung auf Elektromobilität eine Herausforderung. Edi Oroshi von der Auto-Trachsler AG in Wetzikon glaubt dennoch an die Technologie.
Der Auftrag ist klar: Die Schweiz soll elektrisch in die Zukunft fahren. So wollen es Bund und Kantone. Umsetzen müssen die Vorgabe die Schweizer Automobilistinnen und die Schweizer Garagisten.
Edmond «Edi» Oroshi ist Verkaufsleiter bei der Auto-Trachsler AG in Wetzikon und damit der Mann, der die Elektro-Modelle der Marke Mercedes-Benz an die Kundin oder den Kunden bringen darf. Er stellt fest, dass gerade für Elektro-Neulinge eine Frage zentral ist: «Laden ist das erste Thema, das in den Gesprächen auf den Tisch kommt: Wo kann ich laden? Wie läuft der Ladeprozess ab? Was muss ich an der Ladesäule machen?»
Jede neue Technologie ist mit Unsicherheiten verbunden. Dabei bemühen sich die Hersteller, das «Betanken» von Elektrofahrzeugen so einfach wie möglich zu gestalten: beispielsweise mit eigenen Tankkarten, bei denen die Kreditkarte hinterlegt ist.
Die zweite Frage gelte jeweils der Reichweite, sagt Oroshi: «Man muss realistisch sein: Ein Benziner hat heute eine Reichweite von rund 500 Kilometern, ein Stromer kommt auch auf 400 Kilometer. Die Unterschiede werden ständig geringer. Und: Wie oft fährt man schon 400 Kilometer am Stück?»
Auto-Trachsler verkauft über alle Marken (Mercedes, Skoda, Jeep, Alfa Romeo, Fiat und Abarth) rund 800 Neuwagen pro Jahr. Noch immer dominiert der Verbrennungsmotor. Rund 20 Prozent der verkauften Neuwagen sind Steckerfahrzeuge – damit liegt das Garagenunternehmen mit Standorten in Wetzikon und Rapperswil-Jona gut im Schweizer Durchschnitt. Die E-Mobilität sei in den Köpfen angekommen, sagt Oroshi: «Bei Neuanschaffungen ist Elektromobilität immer ein Thema. Jeder Interessent und jede potenzielle Neuwagenkäuferin befassen sich damit.»
Druck auf die Schweizer Garagisten
Die Elektromobilität erhöht den Druck auf die Schweizer Garagisten gleich an zwei Fronten. Auf der einen Seite stehen die Importeure, die in einem seit Jahren rückläufigen Markt dringend höhere Verkaufszahlen brauchen. Die CO2-Emissionsvorschriften des Bunds verlangen, dass Neuwagen seit dem 1. Januar 2025 noch maximal 93,6 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer ausstossen dürfen.
Der Wert wird über die gesamte Flotte eines Importeurs errechnet. Liegt er zu hoch, wird eine Busse fällig. Da ein Elektrofahrzeug als klimaneutral gilt, fliesst es mit 0 Gramm CO2 in diese Flottenrechnung ein. Auch Plug-in-Hybride werden mit unrealistisch tiefen Emissionswerten verrechnet. «Der Druck seitens des Importeurs ist spürbar», bestätigt Edi Oroshi. «Wir versuchen, die Verkäufe von Elektrofahrzeugen mit Aktionen und attraktiven Verzinsungen anzukurbeln.»
Die zweite Front für die Schweizer Garagisten ist der Bereich Aftersales, also das Werkstattgeschäft. Ein Elektrofahrzeug benötigt weniger Wartung als ein Benzin- oder Dieselfahrzeug. Ein Elektromotor hat kaum Verschleissteile. Da er Bremsenergie rekuperiert, braucht er weniger Bremsen, und er benötigt keinen Ölwechsel. In einem Verbrennungsmotor befinden sich 3,5 bis 6 Liter Öl, die praktisch jährlich gewechselt werden. Die Branche spricht hier vom «Gold des Garagisten». Diese Goldader versiegt.
Treiber Firmenflotten
Ein Treiber der Elektromobilität sind Firmenfahrzeuge. Da auch Unternehmen CO2-Ziele erreichen müssen, ist ihre Bereitschaft gross, auf Steckerfahrzeuge umzusteigen. 2024 konnte die Auto-Trachsler AG auf diese Weise 83 vollelektrische Skoda Enyaq an Coca-Cola Schweiz in Brüttisellen ausliefern.
Der Schweizer Ableger der US-Brause war zuvor mit CNG-Fahrzeugen von Skoda unterwegs. Die CNG-Technologie verbrennt Erdgas und Biogas anstelle von Benzin oder Diesel. Das ist zwar sauberer, aber CO2 wird nach wie vor freigesetzt und belastet die Nachhaltigkeitsrechnung.
Die E-Mobilität verändere das Kaufverhalten seiner Kundinnen und Kunden, stellt Oroshi fest. Bereits heute würden rund 75 Prozent der Neuwagen von Auto-Trachsler geleast: «Mit der E-Mobilität nimmt das weiter zu.» Der Grund liegt im Wertverlust der E-Fahrzeuge.
Garagisten wie Auto-Trachsler bieten für diese Autos sogenannte Restwert-Garantien an. «Auf diese Weise weiss der Käufer im Voraus, wie sich der Wert seines Autos über die Laufzeit des Leasings entwickelt», erklärt der Verkaufsleiter. Das schafft finanzielle Planungssicherheit.
«Wir glauben an die E-Mobilität. Mit dem garantierten Restwert beweisen wir das auch unseren Kundinnen und Kunden gegenüber», so Oroshi. Denn eines sei klar: «Es führt kein Weg zurück.»
