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Automobilgeschichte «made in Hittnau»: Diese Garage gibt es seit 100 Jahren

Buick, Chevrolet, Cadillac, Austin, Rover, MG, Triumph, Volvo, Subaru, Kia. Die Historie der Garage Glättli liest sich wie die Geschichte des Automobilbaus.

Heinrich Glättli mit seiner Familie. Der Firmengründer besass eines der ersten Autos in der Region.

Foto: Garage Glättli AG

Automobilgeschichte «made in Hittnau»: Diese Garage gibt es seit 100 Jahren

Garage Glättli AG

1925 gründete Heinrich Glättli in Hittnau eine mechanische Werkstätte. Heute führt die vierte Generation einen prosperierenden Garagenbetrieb.

Wenig erinnert heute an der Isikerstrasse 2 in Hittnau an die Gründungszeit der Garage Glättli. Vor der stattlichen Garage steht eine Tankstelle mit zwei Säulen, dahinter befinden sich moderne Ausstellungsräume für die Fahrzeuge der Marken Kia und Subaru.

Der im Jahr 1970 gebaute alte Showroom wurde im letzten Jahr grundlegend saniert und präsentiert heute die Modelle von Kia. Anfang Jahr bauten die Glättlis zudem für die Marke Subaru den offenen Unterstand in einen zweiten, modernen Ausstellungsraum um. Und da vor allem die Koreaner von Kia vermehrt Elektrofahrzeuge auf den Schweizer Markt bringen, produziert seit 2024 eine Photovoltaikanlage auf dem Dach den Strom für die Schnellladestation auf dem Vorplatz.

100 Jahre Garage Glättli. Im Bild Heinz (Vater), Daniel (Sohn) und Esther Glättli
Die dritte und die vierte Generation des Familienbetriebs: Seit 2016 firmiert Daniel Glättli (Mitte) als Firmenchef. Vater Heinz hilft, wenn zwei fähige Hände gebraucht werden, Mutter Esther ist Automobilverkaufsberaterin und Fachfrau Finanz- und Rechnungswesen.

Doch werfen wir zunächst einen Blick zurück ins Gründungsjahr 1925. Europa und die Schweiz befinden sich in der Zwischenkriegszeit (freilich ohne damals zu wissen, dass es sich um eine Zwischenkriegszeit handelt). Hittnau ist noch ein Bauerndorf mit rund 1300 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Die Wirtschaft läuft so lala, wie ein Blick in den Jahresbericht der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Jahr 1925 zeigt. Dort ist nachzulesen: «Landwirtschaft, Hôtellerie, Baugewerbe und einzelne Zweige der Textil- und Maschinenindustrie weisen mehr oder weniger befriedigende Ergebnisse auf. Andere, wie besonders die Uhrenindustrie, haben über sehr unregelmässigen Geschäftsgang zu klagen; eine dritte Gruppe aber, mit der Stickerei und der Bandweberei an der Spitze, leidet stetsfort unter einer nachhaltigen und schweren Krise.»

Es begann mit Radios, Nähmaschinen, Velos und Motorrädern

Die Autobranche ist der SNB keine Erwähnung wert. Zu unbedeutend ist der Wirtschaftszweig vor 100 Jahren. So beginnt die Geschichte der heutigen Garage Glättli AG denn auch ganz allgemein als «Mechanische Werkstätte H. Glättli». Heinrich Glättli handelt mit Radios und Nähmaschinen. Dazu repariert und verkauft er Fahrräder und Motorräder der Hersteller DKW, Velovap und Zündapp sowie Automobile.

Ein altes Bauernhaus, das als Autowerkstatt dient. Schwarz-Weiss-Aufnahme.
Die Garage Glättli AG blickt auf stolze 100 Jahre Firmengeschichte zurück. Begonnen hatte der Familienbetrieb im Jahr 1925 als mechanische Werkstätte, in der Radios, Nähmaschinen, Velos, Motorräder und ab und zu auch ein Auto verkauft wurden.

«Wann genau er begann, mit Autos zu handeln, wissen wir nicht mehr», sagt Esther Glättli, Automobilverkaufsberaterin und gleichzeitig Finanzchefin des Familienbetriebs. Bald jedoch steht vor der Werkstatt in Hittnau eine der ersten Tankstellen der Region.

Während sich Heinrich Glättli um die grösseren Reparaturen und um die Akquisition kümmert, widmet sich Ehefrau Frieda der Reparatur und dem Handel von Velos und der Tankstelle, die damals noch von Hand betrieben wird. Ihrer Initiative sei es zu verdanken, dass der Betrieb auch während der Mobilmachungszeit und während des Zweiten Weltkriegs habe aufrechterhalten werden können, sagt Esther Glättli.

«Ami-Schlitten» und der Mini als Antithese

In den 1950er Jahren, mittlerweile leitet die zweite Generation in Person von Arthur und Irma Glättli das Unternehmen, wird die Garage Glättli zum Spezialisten von «Ami-Schlitten». Sohn Arthur arbeitet in Zürich als Mechaniker bei einem Importeur der US-Marken Chevrolet, Buick und Cadillac, als Gründer Heinrich Glättli 1956 früh und überraschend verstirbt.

Der neue Firmenchef baut ein Werkstattgebäude an das Wohnhaus und übernimmt einige Jahre später den angrenzenden Bauernbetrieb. Damit kann er die Fläche seines Garagenbetriebs massiv ausbauen. Er bietet Reparatur und Service für die amerikanischen Automatikgetriebe an und macht sich rasch einen guten Namen weit über die Region hinaus.

Zusätzlich bewirbt er sich als Händler der englischen Automarke Austin. Das ist ein cleverer Schachzug, denn ab 1955 kann er die damals beliebten Austin und später Mini anbieten. Der Mini, die Antithese zu den hubraumstarken Amerikanern, verkauft sich vor allem bei der jungen Generation gut. In den 1970er Jahren erhält Arthur Glättli die Händlerlizenz von Volvo, später kommen weitere Engländer von Hersteller British-Leyland dazu: Morris, MG, Triumph und Rover.

Als Präsident des EHC Hittnau sorgt er für Aufsehen in der Region: Alle Spieler der 1. Mannschaft werden mit einem roten Mini Innocenti de Tommaso ausgestattet. Und jedes Auto erhält an der Fahrertür eine Aufschrift mit dem Namen oder Spitznamen des Spielers.

1979 beweist Arthur Glättli ein weiteres Mal seinen guten Riecher für Markttrends. Importeur Walter Frey hat die Händler der British-Leyland-Marken zu einem Treffen nach Safenwil AG eingeladen. Dort präsentiert er eine bis dato gänzlich unbekannte Automarke aus Japan: Subaru.

Das perfekte Auto fürs Oberland

Die Möglichkeit, bei Bedarf einen Vierradantrieb zuzuschalten, begeistert Arthur Glättli derart, dass er den angebotenen Vertrag unterschreibt, bevor er je einen Subaru gefahren hat. Er weiss, dass dieser 4x4 genau der Wagen ist, den das Zürcher Oberland braucht.

Es ist der letzte grosse Deal von Arthur Glättli, der 1980 unerwartet früh, mit erst 54 Jahren, durch ein Herzversagen aus dem Leben gerissen wird. Sein Sohn Heinz hat eine Automechanikerlehre bei Emil Frey an der Badenerstrasse in Zürich absolviert und arbeitet bereits im elterlichen Betrieb, als Arthur Glättli stirbt. Mit 25 Jahren ist er von einem Tag auf den anderen plötzlich der Chef einer eigenen Garage.

In dieser Zeit wenden sich die Kundinnen und Kunden mehr und mehr von Fahrzeugen aus englischer Herstellung ab. Dafür entwickelt sich Subaru zu einem grossen Erfolg. Fast etwas wehmütig erinnert sich Esther Glättli an Modelle wie Justy, Impreza oder Legacy: «Damals verkauften wir noch ganz andere Stückzahlen als heute.»

Rund 100 Fahrzeuge pro Jahr

Den Rückgang bei Subaru macht Kia im Lauf der Jahre wett. Die Koreaner haben in der Schweiz heute einen Marktanteil von 2,8 Prozent erreicht, das ist mehr als Mitbewerber wie Mazda, Peugeot oder Opel, um ein paar Beispiele zu nennen.

Jubiläumsfest am 29. und 30. März

100 Jahre sind ein stolzes Firmenjubiläum und wollen gefeiert werden. Die Garage Glättli AG tut dies im Rahmen der Frühlingsausstellung am 29. und 30. März. Die neusten Modelle von Subaru und Kia stehen zur Besichtigung und für Probefahrten bereit. Auf die Kleinen warten eine Hüpfburg und eine Animation – und auch an Speis und Trank ist gedacht.

Erstmals präsentiert wird Kia am 10. März 1994 am Autosalon in Genf. Wie Subaru wird auch die koreanische Marke von der Emil Frey AG in die Schweiz importiert. Und da Volvo gleichzeitig beschlossen hat, die Verträge mit den kleineren Händlern auslaufen zu lassen, wechselt die Garage Glättli als Markenhändlerin von den Schweden zu den Koreanern.

1994 sorgt ein Unfall für grossen Sachschaden: Bei Schweissarbeiten am Auspuff eines Wagens bricht ein Feuer aus. «Mehrere im Verkaufsraum stehende Neuwagen wurden durch Rauch- und Russniederschlag beschädigt. Der Gebäude-, Mobiliar- und Fahrzeugschaden beläuft sich auf über 100’000 Franken. Verletzt wurde niemand», heisst es in der damaligen Polizeimeldung. Der Betrieb kommt kurzzeitig zum Erliegen. Doch Heinz und Esther Glättli nutzen die (Un-)Gunst der Stunde und erneuern die 1970 gebaute Ausstellhalle ein erstes Mal.

Dreikäsehoch mit Interesse an vier Rädern

Das Paar hat zwei Söhne, Daniel und Michael. Schon bald wird klar, dass der Ältere dereinst in die Fussstapfen seines Vaters treten würde. «Schon als Dreikäsehoch und als ‹Visa-Gloria-Pilot› interessierte er sich für alles, was vier Räder hatte», erinnert sich seine Mutter mit einem Lächeln. Während Michael eine Lehre als Sanitärinstallateur absolviert, wird Daniel Automechaniker und bildet sich später zum Automobildiagnostiker und anschliessend zum Betriebswirt im Automobilgewerbe weiter.

Zwei Kinder spielen um einen Reifenstapel in einer Werkstatt.
Früh übt sich: Die Söhne Daniel und Michael machen sich in der Werkstatt nützlich.

Heute führt Daniel Glättli die Garage in der vierten Generation. Das Familienunternehmen beschäftigt insgesamt zwölf Mitarbeitende, davon zwei Lernende, und verkauft rund 100 Autos pro Jahr. «Wir können wirklich nicht klagen», sagt Esther Glättli. In diesem Jahr wollen die Koreaner zusätzlich zu den Pkws auch verschiedene batteriebetriebene Liefer- und Kastenwagen nach Europa bringen: «Eine willkommene Ergänzung der Modellpalette.»

Mutter Esther kümmert sich nach wie vor um Verkauf und Finanzen, Vater Heinz ist zwar pensioniert, hilft aber mit, wenn immer zwei zusätzliche Hände gebraucht werden, die wissen, was sie tun.

Daniels Ehefrau Katrin, die als Lehrerin arbeitet, betreut nebenbei die Website der Firma. Und die fünfte Generation, Jana (zweieinhalb Jahre) und Elina (sechs Monate), steht beziehungsweise krabbelt bereits in den Startlöchern. Fortsetzung folgt.

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