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Teure Autos, Bestechung, Betrug: Schwere Vorwürfe gegen Ex-Chefduo

2023 hatte die Baugenossenschaft Frohheim für Schlagzeilen gesorgt, als sie in Uster die Mieten um 30 Prozent erhöhen wollte. Jetzt werden Betrugsvorwürfe laut.

Die Siedlung «Schwizerberg» der Baugenossenschaft Frohheim: Sie ist vor einem Jahr wegen einer angekündigten Mieterhöhung in die Schlagzeilen geraten. (Archiv)

Foto: Sandro Compagno

Teure Autos, Bestechung, Betrug: Schwere Vorwürfe gegen Ex-Chefduo

Baugenossenschaft Frohheim

Die Baugenossenschaft Frohheim hat in der Region 72 Wohnungen und 20 Einfamilienhäuser. Nun wurde bekannt, dass die frühere Leitung die Genossenschaft um mindestens 2,5 Millionen Franken betrogen haben soll.

Beat Metzler

Als Enrico Magro Mitte 2023 in den Vorstand der Baugenossenschaft Frohheim kam, ging er von einem unproblematischen Mandat aus.

«Sie galt als eine der am besten geleiteten Zürcher Genossenschaften», sagt der Anwalt, der sich für verschiedene Genossenschaften engagiert. Die Frohheim war in zehn Jahren stark gewachsen und hatte drei neue Siedlungen hochgezogen.

Die Genossenschaft ist auch im Oberland präsent. In Aathal-Seegräben, Pfäffikon und Uster besitzt sie insgesamt 72 Wohnungen und 20 Einfamilienhäuser.

Aber Magro musste bald feststellen, dass hinter der Fassade einiges schieflief. Das unproblematische Mandat entpuppte sich als detektivischer Auftrag.

Am Freitagabend informierte die Baugenossenschaft Frohheim ihre Mitglieder über die «Verdachtslage auf finanzielle Unregelmässigkeiten». Dabei stellte der Vorstand ein ausgeklügeltes System vor, mit dem der frühere Geschäftsführer und der frühere Vorstandspräsident (Namen der Redaktion bekannt) die Genossenschaft während rund zehn Jahren mutmasslich um geschätzte 2,6 Millionen Franken betrogen hatten. Weitere Beträge könnten dazukommen.

Aufgrund der internen Untersuchungen hat die BG Frohheim die beiden bei der Staatsanwaltschaft wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Privatbestechung, Urkundenfälschung und Betrug angezeigt. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Der frühere Präsident will die Vorwürfe auf Anfrage nicht kommentieren. Der Ex-Geschäftsführer antwortete nicht.

Am Anfang stand eine grosse Mieterhöhung

Den Anstoss zur Aufdeckung gaben buchhalterische Unregelmässigkeiten, die Enrico Magro Anfang Dezember 2023 auffielen.

Praktisch zeitgleich beschloss die BG Frohheim, die Mieten in einer Siedlung in Uster um 30 Prozent zu erhöhen. Das löste in der Genossenschaft Empörung aus. «Die Erhöhung war aus damaliger Sicht nachvollziehbar», sagt Enrico Magro. Aber um sie gegenüber den Genossenschaftsmitgliedern erklären zu können, habe er einen tieferen Einblick verlangt in die Buchhaltung.

Darauf habe der Geschäftsführer Anfang Januar 2024 von sich aus den Erhalt sogenannter Kickbacks, also heimlicher Rückerstattungen, offengelegt. «Wir kündigten ihm fristlos und legten ihm nahe, seine Genossenschaftswohnung zu verlassen», sagt Magro. Nach weiteren Abklärungen habe auch der damalige Vorstandspräsident eine Beteiligung eingestanden. Auf Aufforderung des damaligen Vorstandes trat er sofort zurück.

Zwei verschiedene Maschen

In internen Chats freuten sich Mitglieder über die Kündigung des Geschäftsführers. Er galt als autoritär und aufbrausend. Der ehemalige FDP-Lokalpolitiker besetzte zudem mehrere Tiefgaragenparkplätze mit Luxusautos, was in der Genossenschaft schlecht ankam. Gleichzeitig führten die Vorfälle unter Mitgliedern zu Verunsicherung.

Enrico Magro übernahm das Präsidium der BG Frohheim. Der Vorstand beauftragte den Anwalt Cornel Borbély und die BDO Forensics, eine auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Firma, um den Verdachtsfällen nachzugehen. Im April 2024 setzte die Generalversammlung zudem eine interne Untersuchungskommission ein. Nun liegen die Resultate vor.

Firmenschild mit der Nummer 25 und der Aufschrift BGF.
Unter der früheren Leitung zügelte die BG Frohheim von Affoltern in die City. Das sorgte intern für Kritik.

Die Untersuchenden haben zwei mutmassliche Maschen aufgespürt: die erwähnten Kickbacks sowie unberechtigte Zahlungen über die Tochterfirma.

Als Teil ihrer Wachstumsstrategie erwarb die BG Frohheim in den letzten Jahren zahlreiche Häuser. Dabei arbeitete sie stets mit dem gleichen Makler zusammen. Diesem überwies sie beträchtliche Honorare. Der Verdacht besteht, dass ein Teil des Geldes an den früheren Geschäftsführer und den früheren Präsidenten zurückfloss. Diese mutmasslichen Kickbacks, die über Firmen der beiden Beschuldigten liefen, summierten sich auf 1,3 Millionen Franken. Gemäss bisherigen Erkenntnissen hat die Frohheim aber keine überhöhten Preise bezahlt für die Liegenschaften.

Zu Kickbacks könnte es auch bei gewissen Aufträgen für Handwerker gekommen sein. Dazu lägen teilweise Aussagen vor, sagt Enrico Magro. Zudem habe die BG Frohheim oft dieselben Firmen berücksichtigt, obwohl diese teilweise deutlich mehr verlangt hätten als die Konkurrenz.

Für die zweite Masche nutzten die Hauptverdächtigen die Tochterfirma SE Portfolio 1 AG. Die BG Frohheim hatte das Immobilienunternehmen mit rund 140 Wohnungen im Raum Winterthur 2012 übernommen und als Tochterfirma weitergeführt.

Der frühere Frohheim-Geschäftsführer amtete sowohl als Verwaltungsrat wie auch als Geschäftsführer der SE Portfolio 1 AG. Diese Aufgaben wurden ihm zusätzlich entschädigt. Dabei bezog er schon einen vollen Lohn als Frohheim-Geschäftsführer.

Die Abklärungen ergaben auch, dass die SE Portfolio 1 AG der Genossenschaft Frohheim Rechnungen für Arbeiten stellte, die teilweise durch Mitarbeitende der Genossenschaft selber erledigt wurden. Für weitere Rechnungen, welche die SE Portfolio bezahlte, fand die Untersuchungskommission keine nachvollziehbaren Gegenleistungen. So dürfte ein weiterer Schaden von rund 1,3 Millionen Franken entstanden sein, sagt Magro.

Zusätzlich wurden wiederholt teure Autos für den geschäftlichen Gebrauch angeschafft und nach kurzer Zeit wieder verkauft – unter hohem Wertverlust.

Der Vorstand zahlte sich zu viele Spesen

Für die Untersuchungskommission standen die Aufklärung der Vorkommnisse und die Schadensbegleichung im Vordergrund. Daher forderte der Vorstand die Verdächtigen zu Rückzahlungen auf. Eine gewisse Bereitschaft dazu habe bestanden, sagt Enrico Magro. «Aber aus unserer Sicht zu wenig.» In der Folge zeigte der Vorstand die Verdächtigen an, auch weil er von einer Dunkelziffer bisher nicht entdeckter Delikte ausgeht.

Die BG Frohheim wird eventuell auch weitere ehemalige Vorstandsmitglieder belangen. Gemäss den Abklärungen könnte der Vorstand sich selber während rund zehn Jahren bis Mitte 2023 unzulässige Entschädigungen von insgesamt 800’000 Franken ausbezahlt haben. Die interne Untersuchungskommission möchte dieses Geld zurückverlangen.

Alle wichtigen Positionen neu besetzt

Mittlerweile hat die Genossenschaft alle Leitungspositionen auf der Geschäftsstelle, den Verwaltungsrat der SE Porfolio 1 AG sowie den Vorstand neu besetzt. Auch die Revisionsgesellschaft wurde ausgetauscht. Zusätzlich führt die BG Frohheim eine Geschäftsprüfungskommission ein, die aus Bewohnenden besteht. Diese erhält Einblick in alle Zahlen.

Gemäss der Untersuchungskommission lief das System auch deshalb so lange unbemerkt, weil der frühere Geschäftsführer die Genossenschaft gut managte und die Zahlen im Griff hatte. «Was perfekt funktioniert, wird nicht hinterfragt», sagt Magro. Zudem müsse es Mitwisser gegeben haben, die geschwiegen hätten.

Trotz des «sehr grossen finanziellen Schadens» stehe die Genossenschaft weiterhin solide da, sagt Magro. Die jährlichen Mieteinnahmen aus den rund 1250 Wohnungen betragen etwa 20 Millionen Franken.

Die starken Mieterhöhungen von Dezember 2023 nahm der neue Vorstand übrigens zurück. In Uster schrumpfte der Aufschlag von 30 Prozent auf 7 Prozent. Möglich machte dies laut Enrico Magro eine tiefere Abschreibungsquote.

Die Ereignisse in der BG Frohheim weisen teilweise Ähnlichkeiten auf mit dem Betrugsverdacht bei der Baugenossenschaft Letten in Zürich. Dort dauerte es fast vier Jahre von der Anzeige bis zur ersten Anklage. Auch Enrico Magro rechnet damit, dass die Aufarbeitung bei der BG Frohheim noch Jahre beanspruchen dürfte.

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