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Sie wollen in Wald einen preisgekrönten Holzpavillon zu neuem Leben erwecken

Ein Holzhaus, das nicht mehr gebraucht wird, zu rezyklieren, ist eine sinnvolle Sache. Doch ist es auch wirtschaftlich?

János Stefan Buchwardt (links) und Dennis Neu mit einer alten Landkarte von Wald. Ihr Pavillon wird auf einem Grundstück im Quartier Schlipf/Platten aufgebaut.

Foto: Sandro Compagno

Sie wollen in Wald einen preisgekrönten Holzpavillon zu neuem Leben erwecken

Ökonomie oder Ideologie?

Wir rezyklieren Glas, Aluminium, PET-Flaschen und Batterien. Aber ein ganzes Haus? János Stefan Buchwardt und Dennis Neu wagen in Wald den Versuch.

«Wer nicht sucht, der findet, was ihn glücklich macht.» Das Bonmot stammt von János Stefan Buchwardt und steht sinnbildlich für eine Geschichte um einen preisgekrönten Bau aus Fichtenholz, der in Wald eine neue Heimat erhalten soll.

Bis 2022 stand das lang gezogene Gebäude in Eschlikon TG. Dann musste es einer Überbauung weichen, wurde abgebaut und liegt jetzt in einer Art Dornröschenschlaf demontiert in einer Lagerhalle.

Ein länglicher Pavillon aus hellem Fichtenholz.
Als Atelier erdacht, ab diesem Sommer als Wohnhaus genutzt. 2016 bis 2022 stand der preisgekrönte Holzbau in Eschlikon TG. (Archiv)

Und hier kommen János Stefan Buchwardt (62) und Dennis Neu (40) sowie ein grosses Stück Zufall ins Spiel. Während einer angeregten Diskussion über Hauspreise in der Region sei er auf Homegate auf den Holzpavillon gestossen, erzählt Dennis Neu: «Er war für einen fünfstelligen Betrag ausgeschrieben, und ich dachte zunächst: ‹Was für ein dreister Fake.›»

Aber es war keine arglistige Täuschung. Es war lediglich ein zerlegtes Holzgebäude ohne Standort. Das Haus aus Fichtenholz war von den Architekten Stich & Oswald mit Büros in Zürich und Basel geplant und von einem Holzbauunternehmen aus Reuthe im Bregenzerwald erstellt worden. 2017 wurde es mit dem Vorarlberger Holzbaupreis ausgezeichnet.

Der rund 30 Meter lange und 6 Meter breite Pavillon wurde 2016 als Atelier für eine Künstlerin aufgebaut. Er enthält zwei dank raumhoher Fensterfront lichtdurchflutete Räume, getrennt durch eine Art Loggia in der Mitte des Gebäudes.

Rettung vor der Abrissbirne

«Wir haben spontan entschieden, die Bauteile zu erwerben und zu schauen, was wir damit anfangen», sagt Dennis Neu, selbst Architekt. Und Buchwardt, hauptberuflich Souffleur am Zürcher Schauspielhaus, ergänzt: «Gute Architektur und gute Handwerkskunst dürfen nicht der Abrissbirne zum Opfer fallen.»

Dass die beiden von Freunden und Bekannten schon mal als «verrückt» bezeichnet wurden, nahmen sie gerne in Kauf. Das preisgekrönte Gebäude war mit dem Kauf gerettet – nur, wohin damit? Dennis Neu setzte sich hinter einen Plan der Gemeinde Wald und suchte nach passenden Grundstücken innerhalb der bestehenden Bauzonen. Letztlich kam er auf 15 potenzielle Standorte. Er entwarf Postkarten mit dem Foto des Gebäudes, einer kurzen Erklärung und der Bitte um Mithilfe auf der Suche nach einem Stück Land und steckte diese in die Briefkästen der Grundstückseigentümer.

Walder Ortsbild steht unter Schutz

Die Frage nach dem Standort war nicht ganz unerheblich. Wald ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als Objekt von nationaler Bedeutung eingestuft. Hier darf nicht jeder bauen, was und wie er will, insbesondere nicht in der Kernzone.

Das Paar arbeitet in Zürich und schätzt die Lebensqualität im beschaulichen Wald. «Wir wollten liebend gern hierbleiben», erklärt Buchwardt. «Wenn es nicht geklappt hätte, dann hätten wir das Haus woanders aufgebaut, vielleicht als Ferienwohnung im Tessin.»

Doch es sollte klappen. Buchwardt und Neu fanden ein Grundstück im Quartier Schlipf/Platten. Dessen Besitzerin war und ist angetan vom spannenden Projekt. «Ich hätte dort auch ein Mehrfamilienhaus bauen können, aber das wollte ich nicht», sagt die ältere Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Zwei Männer stehen auf einem Grundstück in der Gemeinde Wald im Zürcher Oberland.
«Verwunschenes» Fleckchen Erde: Hier wollen Dennis Neu (links) und János Stefan Buchwardt ihren Pavillon aufbauen.

Hier die Besitzerin eines Grundstücks ohne Haus, die wirtschaftliche Interessen nicht in den Vordergrund stellt. Dort zwei Hausbesitzer ohne Land, die Wohnen neu denken wollen. Im Gespräch wurde schnell klar: Man ist auf derselben Wellenlänge.

Buchwardt und Neu konnten das «verwunschene» Fleckchen Erde gleich neben dem Friedhof im Baurecht erwerben. Bis vor 100 Jahren war dort ein künstlich angelegter Weiher, der zum Baden genutzt wurde, vor allem aber einer Wagnerei zum Antrieb der Maschinen diente.

Die Baubewilligung für das Gebäude lag innert dreier Monate vor. Da es in der geschützten Kernzone zu stehen kommt, war nicht nur die Gemeinde Wald, sondern auch der Kanton Zürich in das Verfahren involviert. «Der eingeschossige Pavillonbau nimmt sich in der Höhe zurück und ordnet sich gut in die Umgebung ein», schreibt der Kanton in seiner Verfügung.

Im Quartier, wo Buchwardt und Neu ihre Bleibe errichten wollen, war traditionell Gärtnereiland. Das Holzgebäude mit dem Satteldach aus Wellblech erinnert künftig an die Gewächshäuser, in denen früher teils auch Blumen für den Grabschmuck des angrenzenden Friedhofs herangezogen wurden.

Im Frühjahr soll der eingeschossige Pavillon aufgebaut werden. Geheizt wird mittels Wärmepumpe, die bestehenden Garagen auf der Südseite des Grundstücks werden mit einer Photovoltaikanlage überdacht. Dazu müssen die beiden eine Küche in ihr neues Heim einbauen, im ursprünglichen Ateliergebäude war lediglich eine Nasszelle integriert. Ausserdem ist das Gelände noch nicht erschlossen: Leitungen für Elektrizität, Wasser und Abwasser müssen verlegt werden, ehe aus den eingelagerten Bauteilen wieder ein Haus entsteht.

Womit wir bei der Ökonomie angelangt wären. Ist das kostengünstige Haus immer noch ein «Schnäppchen», wenn das Paar im Sommer einzieht? «Nein», sagt Architekt Neu. «Wenn wir alles durchrechnen, ist es nicht günstiger als ein Neubau in gleicher Grösse.» Aber es geht den beiden um mehr.

«Die Dinge anders denken»

Es sei keine «Blaupause» für die aktuellen Wohnungsprobleme, sagt Buchwardt: «Es ist vielmehr ein Experiment, Dinge anders zu denken und manches, was uns heute als üblich und normal erscheint, neu auszuloten.» Dabei spielt auch die Ideologie, sprich die Nachhaltigkeit, eine grosse Rolle: Fichtenholz als nachwachsendes Baumaterial, eine langlebige Konstruktion, Zerlegbarkeit, Wiederverwertbarkeit, Kreislaufwirtschaft. «Aber – der Kritik müssen wir uns stellen – unser Umgang mit der wertvollen Ressource Land ist mit einem Einfamilienhaus für zwei Personen nicht ökonomisch», gibt Neu zu bedenken.

Immerhin könne das Haus wieder zerlegt werden: «Und seine Fundamente werden nur in den Boden geschraubt. Auch sie lassen sich entfernen, und dann ist die Wiese wieder so wie heute.» Bäume müssen für den Neubau keine gefällt werden.

Am 25. September 2022 hat sich das Zürcher Stimmvolk mit grossem Mehr für die Aufnahme eines «Kreislauf-Artikels» in die Kantonsverfassung ausgesprochen.

Der Artikel sieht einen schonenden Umgang mit Rohstoffen, Materialien und Gütern vor. Dazu sollen insbesondere Stoffkreisläufe geschlossen und die Nutzungsdauer von Produkten verlängert werden. Dies soll über die Vermeidung von Abfällen (Reduce), die Wiederverwendung (Reuse) und die stoffliche Verwertung (Recycling) geschehen.

Die Verfassungsänderung war ein Gegenvorschlag zur «Kreislauf-Initiative» der Jungen Grünen. Im neuen Verfassungsartikel wird berücksichtigt, dass der weitaus grösste Abfallanteil nicht durch private Haushalte verursacht wird, sondern in der Wirtschaft anfällt – etwa beim Bauabfall. (zo)

46,5 Quadratmeter beträgt die durchschnittliche Wohnfläche einer Person in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik. Buchwardt und Neu wollen in Wald von ihrer geräumigen 5-Zimmer-Wohnung an der Bahnhofstrasse in den 70 Quadratmeter kleinen Pavillon umziehen. Die Quintessenz des Projekts formuliert János Stefan Buchwardt so: «Wir werden unser Leben dem Haus anpassen müssen und nicht – wie heute gängig – umgekehrt.»

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