«Die Landwirtschaft hat eine enorme Rationalisierung erlebt»
Interview mit Ferdi Hodel
Jeder zweite Landwirt in der Schweiz wird in den nächsten 10 bis 15 Jahren pensioniert. Der Zürcher Bauernverband (ZBV) sieht genügend potenzielle Nachfolger.
Herr Hodel, die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe nimmt im Kanton und in der Region drastisch ab. Warum ist das so?
Ferdi Hodel, Geschäftsführer Zürcher Bauernverband (ZBV): Wir stellen in der Tat fest, dass die Betriebe immer grösser werden. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits müssen die Betriebe wachsen, um von der Landwirtschaft leben zu können. Auf der anderen Seite fehlt teilweise der Nachwuchs. In Gebieten, in denen Ackerbau betrieben wird, lässt sich ein Betrieb auch im Nebenerwerb bewirtschaften. Aber in Gebieten, in denen Grünland von den Tieren veredelt wird, ist das schwieriger. Tiere sind arbeitsintensiv.
In den nächsten 10 bis 15 Jahren wird die Hälfte der Landwirte in der Schweiz pensioniert.
Das ist so und hängt ganz einfach mit unserer Demografie zusammen. Die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre nähern sich dem Pensionsalter und sehen sich mit der Übergabe des Betriebs an die nächste Generation konfrontiert.
Mit anderen Worten, es werden noch mehr Bauernhöfe verschwinden?
Die Zahlen der landwirtschaftlichen Schulen zeigen glücklicherweise ein anderes Bild. Wir stellen fest, dass für eine grosse Zahl der Betriebe eine geeignete Nachfolge in den Startlöchern steht. Aber natürlich wird es nicht allen gelingen. Diese Landwirte werden ihr Land an die umliegenden Nachbarn verkaufen oder verpachten.
Und so das Wachstum der überlebenden Betriebe weiter antreiben. Viele moderne Landwirte bewirtschaften heute mehr Land mit weniger Mitarbeitenden. Lässt sich diese Produktivitätssteigerung weiter ausbauen?
In den letzten 40 bis 50 Jahren hat die Schweizer Landwirtschaft eine enorme Rationalisierung und Mechanisierung erlebt. Auch die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten. Wir sind diesbezüglich aktuell in einer Testphase und versuchen, die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten zunehmend in unsere Prozesse zu integrieren. Es ist denkbar, dass sehr arbeitsintensive Bereiche künftig durch Roboter entlastet werden können. Vor 50 Jahren gab es noch viele Bauern, die von Hand gemolken haben. Wird heute ein neuer Kuhstall geplant, ist der Melkroboter ein beinahe unabdingbarer Bestandteil. Aber Ihre Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Ob sich die Produktivität weiter steigern lässt, hängt vom jeweiligen Betrieb und von der Situation ab.
Wie meinen Sie das?
Viele Landwirte sind so aufgestellt, dass sie ihren Betrieb mit Unterstützung der Familie, aber ohne zusätzliche Arbeitskräfte bewirtschaften. Kommt nun mehr Fläche dazu, sehen sie sich unter Umständen gezwungen, Mitarbeitende einzustellen, und schon geht die Rechnung nicht mehr auf. Wenn man für eine zusätzliche Hektare oder eine zusätzliche Grossvieheinheit plötzlich zusätzliche Arbeitskräfte braucht, dann beginnt sich die Einkommenssituation zu verschlechtern.
