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Sie profitieren von Konsum und Wohnungsnot

Self-Storage-Räume boomen – auch im Oberland

Immer mehr Dinge, immer weniger Platz: Ein Segen für die wachsenden Self-Storage-Anbieter. Auch in der Region hat das einige Unternehmer auf den Plan gerufen.

Hier lagert, was daheim zu wenig Platz hat: Rund um die Uhr zugängliche Lagerboxen sind in der Region beliebt.

Foto: Simon Grässle

Self-Storage-Räume boomen – auch im Oberland

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Einlagern statt weitergeben oder entsorgen: Der Trend der Mini-Lagerräume ist längst im Zürcher Oberland angekommen. Für einige Firmen ein Nebenschauplatz, für andere das grosse Geschäft.

Rund 10’000 Gegenstände besitzt ein durchschnittlicher europäischer Haushalt – und in Zeiten von Rabattschlachten, Onlineshops und «China-Schrott» werden es laufend mehr. Gleichzeitig wird Wohnraum knapper und damit teurer.

Wohin also mit all den Sachen? Findige Unternehmer aus den USA haben längst eine Lösung entwickelt – das Selbstbedienungsmietlager, auch bekannt unter dem Namen Self-Storage-Box.

Das Prinzip ist einfach: Gegen eine monatliche Gebühr erhalten Kunden einen Lagerraum, ähnlich einem Kellerabteil, zu dem sie jederzeit mit einem Badge Zugriff haben. Viele kennen sie aus der bekannten Reality-Serie «Storage Wars», in welcher der Inhalt der Lagerräume von insolventen Kunden unter den Hammer kommt.

Was im Mutterland des Konsums funktioniert, stösst auch hierzulande auf grosse Nachfrage. So gibt es im Oberland gleich mehrere Unternehmen, die im Vermieten von Stauraum ein gutes Geschäft wittern.

Rund 180 bis 200 Self-Storage-Standorte gibt es laut einer Schätzung des Branchenverbands Swiss Self-Storage
Association (3SA) in der Schweiz. Die gesamte Lagerfläche beläuft sich auf eine Grösse von rund 25 Fussballfeldern und wächst jährlich um rund fünf Prozent. «Self-Storage bietet eine Dienstleistung, die hauptsächlich von der Verdichtung und der steigenden sozialen Mobilität profitiert», sagt Präsident Christian Schmutz. (nos)

Eines davon ist die Verpackungsfirma Wegmüller AG. Neben einem eigenen Standort in Attikon bei Wiesendangen unterhält sie unter dem Namen Mydepot ein Franchise-System. Die Firmen bezahlen den Innenausbau und eine wiederkehrende Gebühr. Dafür dürfen sie den Namen und das Schliesssystem nutzen und die Mieteinnahmen behalten.

Auf diese Zusammenarbeit setzt etwa Kuhn Rikon. In einem ehemaligen Spinnereigebäude in Rikon stehen 32 Lagerräume zur Verfügung. Und werden rege genutzt – bis auf einen einzigen Lagerraum sind derzeit alle vermietet.

self storage Business-Modell
Im alten Spinnereigebäude in Rikon ist neben zahlreichen anderen Nutzungen auch ein Self-Storage-Lager einquartiert.

Die Räume bestehen seit 2018. «Wir wussten, dass der Bedarf nach kleinen Mietflächen da ist», sagt Irene Christinger, bei Kuhn Rikon zuständig für die Liegenschaftsverwaltung. Man habe sich dann das Konzept von Mydepot vorstellen lassen.

Mit der Nachfrage ist Christinger zufrieden. «Es hätte auch anders kommen können, wenn man bedenkt, wie viele Anbieter es inzwischen gibt.» Würde der Bedarf in Rikon stark ansteigen, wäre der Platz für weitere Lagerboxen da.

Neben den Lagerräumen sind auch die anderen Räume im Gebäude auf niederschwellige Nutzungen ausgerichtet – bewusst, wie Christinger betont. «So können wir Vereinen und kleinen Unternehmen erschwingliche Mietflächen anbieten.»

Die Mini-Lagerräume sind für die Pfannenherstellerin ein Mittelweg zwischen gutem Geschäft, überschaubaren Investitionen und dem Vermeiden eines Leerstands, der wiederum Kosten verursachen würde. «Ausserdem wäre es schade, ein solch historisches Gebäude nicht zu nutzen.»

Aus der Not ein Geschäft gemacht

Die Idee, mit Mydepot ein Erfolgskonzept aus den USA zu importieren, war aus einer Not heraus entstanden. «Wir hatten damals zu wenige Aufträge und beschlossen, ein ungenutztes Gebäude neben unserem Firmensitz in ein solches Lager umzubauen», erzählt Marc Wegmüller, Verwaltungsratspräsident der Wegmüller AG.

Bald konnte sich die Firma vor Anfragen nicht mehr retten. «Der Auftakt war wahnsinnig.» Die Nachfrage sank erst, als die ersten Mitbewerber in die Stammlande der Wegmüller AG vordrangen. Hoch ist sie aber nach wie vor – im Schnitt beträgt die Auslastung über 90 Prozent.

«Wir sind regelmässig auf der Suche nach neuen Standorten, aber sie gestaltet sich schwierig», sagt Wegmüller. Denn der Umbau in einen Self-Storage-Standort ist laut ihm vor allem bei Liegenschaften sinnvoll, die für Nutzer aus Gewerbe und Industrie oder für Wohnraum zu wenig attraktiv sind.

Das Lagerbox-Geschäft ist für die Wegmüller AG aber ohnehin ein Nebenschauplatz. «Wir sind mit unserem Kerngeschäft gut ausgelastet und verfolgen mit Mydepot daher keine Wachstumsstrategie.»

Anders sieht das bei den Mitbewerbern aus: Besonders schnell wächst der Anbieter Place B aus Zürich, der auch Lagerboxen in Volketswil, Uster und seit einigen Monaten in Illnau betreibt. Erstere hätten eine permanent hohe Auslastung, und der Standort in Illnau sei gut angelaufen, sagt CEO Tobias Kaufmann. «Die Region bleibt für uns auch in Zukunft interessant.» In den nächsten Jahren will die Firma die Anzahl Standorte schweizweit verdoppeln.

Und auch regionale Unternehmen wie die Storage3 GmbH im Rütner Joweid-Areal oder die W. Wiedmer AG in Fällanden und Schwerzenbach sind sehr gut ausgelastet, wie eine Anfrage bestätigt. Letztere Firma hat erst vor Kurzem zusätzliche Lagerboxen montieren lassen. Bei beiden Anbietern heisst es: Ein weiterer Ausbau ist aktuell zwar nicht geplant, in Zukunft aber denkbar.

Und wer nutzt die Self-Storage-Boxen? Der Grossteil der Kunden in Rikon stammt laut Wegmüller aus der unmittelbaren Region. «Die meisten kommen in einer Umbruchsituation zu uns – wenn sie schnell Platz brauchen.» So etwa bei einer Trennung, einer längeren Reise oder einer Wohnungskündigung.

Unter den Kunden finden sich aber auch Sammler. «Unsere treuste Mieterin ist eine Büchersammlerin. Der Vertrag läuft, seit es uns gibt», erzählt Wegmüller. Überhaupt höre und sehe man viel Aussergewöhnliches. «Ich scherze ab und zu, dass ich darüber mal ein Buch schreiben werde.»

Bleibt noch der Realitätscheck: Taugen auch die Hinterlassenschaften von Schweizer Self-Storage-Kunden für eine spektakuläre Dokusoap à la «Storage Wars»? «Ich fürchte nicht», sagt der Mydepot-Chef. Wer trotz Mahnung nicht bezahlt, dessen Raum wird geräumt. «Meistens verbergen sich darin aber kaum Schätze. Vielfach hat nicht einmal das Brocki Interesse.»

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