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Rückläufiger Markt in Afrika

Die WR Weberei Russikon steht vor dem Aus

55 Mitarbeitende stehen wohl bald auf der Strasse. Die traditionsreiche Weberei Russikon muss offenbar schliessen.

Hier wurden bis anhin Damaste für Afrika hergestellt. Wie es von der WR Weberei Russikon AG heisst, geht dieses Kapitel voraussichtlich nun zu Ende.

Foto: Simon Grässle

Die WR Weberei Russikon steht vor dem Aus

Rückläufiger Markt in Afrika

In der WR Weberei Russikon AG herrscht derzeit Endzeitstimmung. Der Markt für ihre Stoffe in Afrika ist stark eingebrochen. 55 Mitarbeitende verlieren voraussichtlich ihren Arbeitsplatz.

Ein rückläufiger Absatzmarkt in Afrika, der wohl zur Entlassung von 55 Mitarbeitenden in Russikon führt: Das ist die Neuigkeit, die am Dienstagnachmittag seitens der österreichischen Firmengruppe Getzner Textil AG die Runde machte. Zu dieser gehört auch die WR Weberei Russikon AG.

Die Weberei stellte in der Schweiz bis anhin qualitativ hochstehendes Jacquard-Gewebe her. Diese Rohware ist ausschliesslich für den afrikanischen Markt bestimmt.

Die Nachfrage nach den Stoffen aus Damast ist in den letzten Monaten allerdings stark rückläufig, wie die Firma mitteilt. Deshalb überprüft die Getzner Textil AG ihre Produktionsplanung und wird voraussichtlich ihre Weberei in Russikon schliessen. Die Geschichte der letzten industriellen Baumwollweberei des Kantons wird damit nach 135 Jahren enden.

Hohe Kosten, zu starker Franken

Dies klang vor kurzer Zeit alles noch ganz anders. Noch im vergangenen Oktober hiess es, man wolle unbedingt am Standort im Oberland festhalten.

Wieso nun der Kurswechsel? «Die Absatzmengen sind im zweiten Halbjahr 2024 stark zurückgegangen», erklärt Martin Frick. Er ist Verwaltungsratspräsident der Weberei in Russikon und Vorstand Finanzen der Getzner Textil AG. «Seit November und Dezember ist der Einbruch markant.»

Das hat für Frick viele Gründe: «Die Inflationsraten in den westafrikanischen Ländern sind sehr hoch.» Hinzu kommen politische und wirtschaftliche Unsicherheiten. «Die Leute legen ihr Geld dann lieber zur Seite und kaufen weniger Stoffe.» Und im Moment geht das Textilunternehmen nicht davon aus, dass sich die Lage schnell wieder bessert. «Die Rückkehr auf das alte Niveau ist kurz- oder mittelfristig nicht realistisch.»

Die Getzner Textil AG produziert Damaste nicht nur in Russikon, sondern auch in Gera im deutschen Thüringen. Weitere Werkschliessungen sind laut Frick aber nicht geplant. «Aber auch in Gera sind Anpassungen nicht ausgeschlossen.»

Für die Weberei in Russikon sieht die Getzner Textil AG keine Zukunft. Denn im Vergleich zu ihren internationalen Mitbewerbern hat die Schweizer Weberei, die ausschliesslich Damaste herstellt, eine viel höhere Kostenstruktur im Energie- und Personalbereich. Wegen des starken Schweizer Frankens ist das Unternehmen laut der Mitteilung zusätzlich benachteiligt.

Westafrikanische Menschen in farbenfrohen Damastkleidern. Die Stoffe werden unter anderem in der WR Weberei Russikon hergestellt.
In Russikon ist wohl Schluss mit bunter Farbenfreude. Für 55 Mitarbeitende ist das bevorstehende Aus der Weberei bittere Realität.

Trotz guter und effizienter Produktion ist die Oberländer Weberei im internationalen Textilmarkt damit nicht mehr wettbewerbsfähig.

Konsultationsverfahren eröffnet

Die Mitarbeitenden sind am Dienstag persönlich über die beabsichtigte Schliessung informiert worden. Gleichzeitig ist das gesetzliche Konsultationsverfahren eröffnet worden, das der Arbeitnehmervertretung und den Mitarbeitenden eine Mitwirkung vor dem endgültigen Entscheid ermöglichen wird.

Die Eigentümerin der Weberei hat bereits in Aussicht gestellt, dass für den Fall der Betriebsschliessung ein Sozialplan erarbeitet werden soll.

Ein Symbol geht verloren

Am späten Dienstagnachmittag hatte auch Gemeindepräsident Philip Hirsiger (parteilos) bereits Kenntnis von der bevorstehenden Betriebsschliessung. «Als geborener Russiker weiss ich, dass die Weberei quasi zum Ortsbild unserer Gemeinde gehört, deshalb ist es so bedauernswert.»

Er ist zwar vor der offiziellen Publikation der Hiobsbotschaft vorab vom Verwaltungsrat informiert worden. Trotzdem kann er noch nicht abschätzen, welche Folgen das Ende des Standorts für die Gemeinde nach sich ziehen wird.

Die WR Weberei Russikon AG ist eine Tochtergesellschaft der Getzner Textil AG in Bludenz (Österreich). Mit 55 Mitarbeitenden stellt die Weberei in Russikon pro Jahr rund 3,4 Millionen Laufmeter Jacquard-Damaste her. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Stoffart, die ausschliesslich für Kleider des afrikanischen Markts hergestellt wird. Die traditionsreiche Weberei besteht seit 1890. Seit 1996 ist sie im Mehrheitsbesitz der österreichischen Getzner Textil AG, und seit 2007 ist diese die alleinige Eigentümerin der WR Weberei Russikon AG. (lda)

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