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Sorge vor einer Rezession macht in der Oberländer Wirtschaft die Runde

19 Unternehmen mit mehr als 5000 Arbeitsplätzen in der Region haben an unserer jährlichen Wirtschaftsumfrage mitgemacht. Die Aussichten haben sich eingetrübt.

Die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region blicken mit gemischten Gefühlen in die nahe Zukunft.

Foto: Pixabay

Sorge vor einer Rezession macht in der Oberländer Wirtschaft die Runde

Umfrage in der Region

2024 war für viele Unternehmen in der Region erfolgreich trotz anspruchsvollem Umfeld. Im Wirtschaftsbarometer 2025 taucht eine unangenehme Erinnerung wieder auf: die Rezession.

Das Zürcher Oberland blickt auf eine stolze industrielle Tradition zurück. Bis heute ist die Gegend zwischen Uster und Wald stark von der Industrie geprägt. Von Unternehmen, die ihre Produkte in alle Welt exportieren, trotz hoher Lohnkosten und steigendem Schweizer Franken.

Sie spüren jeden Cent, den der Euro oder der Dollar gegenüber dem Franken verlieren. Was uns in den Ferien im Ausland durchaus Freude bereitet, ist für die Exportwirtschaft eine Herausforderung. Einerseits werden Schweizer Produkte im Ausland teurer. Andererseits belastet der Schweizer Franken auch die Erfolgsrechnungen. Schöne Wachstumsraten in Lokalwährungen schrumpfen zu kleinen Ausschlägen, sobald man umrechnet.

Die Umfrage

Der Fragebogen bestand aus sechs Fragen zu den Themen Personalentwicklung, Einschätzung der Wirtschaftslage sowie Sorgen und Hoffnungen bezüglich 2025. Die Umfrage wurde zur schriftlichen Beantwortung an rund 30 Unternehmen aus der Region geschickt, 19 Unternehmen mit insgesamt mehr als 5000 Arbeitsplätzen im Zürcher Oberland und dem Glattal haben geantwortet. Manche Unternehmen sind in ihrer Branche Marktführer, andere sind die grössten Arbeitgeber in ihrer Gemeinde, wieder andere stehen für viele ähnliche Unternehmen in der Region und sind deshalb ein guter Indikator für die Zukunftsaussichten. (eka)

Und trotzdem: Die Umfrage, die diese Redaktion jährlich unter den wichtigsten, in verschiedenen Sektoren und Branchen tätigen Unternehmen der Region durchführt, zeigt ein ziemlich optimistisches Bild. Zwei Drittel der Unternehmerinnen und Unternehmer, die an der Umfrage teilgenommen haben, rechnen zwar nur mit einer durchschnittlichen Entwicklung der Schweizer Wirtschaft.

Gleichzeitig gehen aber mehr als die Hälfte davon aus, dass sich ihr Unternehmen im kommenden Jahr positiv entwickeln wird. Eine sehr gute Performance, wie sie vor einem Jahr noch von rund 14 Prozent erwartet wurde, findet sich dieses Mal nicht.

Das könnte mit einem ökonomischen Phänomen zusammenhängen, das seit einigen Monaten als Elefant im Raum steht: Die Angst vor einer Rezession ist zurück. Die Umfrage wollte von den Unternehmerinnen und Unternehmern unter anderem wissen, welches ihre grössten Sorgen für 2025 sind. Bei dieser Frage waren Mehrfachantworten erlaubt. Knapp jede vierte Antwort lautete Rezession (23 %).

Rezession: Von 5 auf 23 Prozent

Die Wirtschaft im EU-Raum, namentlich in Deutschland, lahmt. Gleichzeitig droht der neue US-Präsident Donald Trump unverhohlen mit einer Erhöhung der Importzölle. Protektionismus statt Freihandel lautet die Tendenz. All dies sorgt für Verunsicherung bei den Industrieunternehmen in der Region, die eine Rezession in Europa für möglich halten.

Zum Vergleich: Vor Jahresfrist machte die Sorge vor einer Rezession erst fünf Prozent der Antworten aus. «Die Multipolarität wird zunehmen, was sich auf die Lieferketten auswirken könnte», sagt Mark Trösch vom Baustoffunternehmen Holcim Schweiz, das in der Region mehr als 120 Arbeitsplätze hat.

Fachkräftemangel bleibt Nummer 1

Der letztjährige Spitzenreiter im Sorgenbarometer konnte seine Position halten, wenn auch relativ knapp. 29 Prozent der Antworten nannten den Fachkräftemangel als grösste Sorge. Vor Jahresfrist waren es noch 63 Prozent.

Dahinter steckt Logik. In einer Rezession bauen Firmen Arbeitsplätze ab. Wer als Unternehmer eine Flaute fürchtet, dessen Sorge gilt nicht der Frage, wie und wo er qualifiziertes Personal findet, sondern wie er Entlassungen verhindern kann.

Leicht zugenommen haben angesichts des Kriegs in der Ukraine und der unsicheren Lage im Nahen Osten auch die Sorge, dass geopolitische Grossereignisse die wirtschaftliche Entwicklung belasten können: von 10,5 auf 13 Prozent.

Kaum mehr Personal als 2024

Nur wenige der befragten Unternehmen blicken positiv auf ihre Personalkapazitäten für 2025. Dazu gehört beispielsweise das Hinwiler Industrieunternehmen Belimo, das Antriebe, Ventile und Sensoren für die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik produziert. «Die Verbesserung der Energieeffizienz des weltweiten Gebäudebestands sowie die erhöhten Anforderungen an die Raumluftqualität in Gebäuden bleiben auch 2025 ein Wachstumstreiber für uns», sagt Kommunikationschef Andreas Meile.

Schon in den vergangenen zwölf Monaten hat Belimo seinen Personalbestand in Hinwil von 890 auf 933 Vollzeitstellen ausgebaut. Wachsen werden auch die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO), wie Direktor Joe Schmid ankündigt: «Der Ausbau des Fahrplans erfordert rund sechs zusätzliche Stellen beim Fahrpersonal.»

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Die Aussichten für 2025 sind verhalten. Mitte Dezember senkte die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum der Schweiz leicht auf 1,5 Prozent (Prognose von September: 1,6 %). Als massgebliche Wachstumsstütze dürfte sich dabei die Binnennachfrage erweisen.

Von der globalen Konjunktur ist also im kommenden Jahr wenig zu erwarten. Entsprechend sind es zwei Faktoren, auf welche die Unternehmen in der Region bauen: die Qualität der Produkte und Dienstleistungen sowie das Know-how der Mitarbeitenden (53 %) sowie die robuste Schweizer Wirtschaft (28 %). Diese Werte haben sich in den letzten drei Jahren nur marginal verschoben.

Schwierige Zeiten für Europa

Silvan Lämmle von Laemmle Chemicals in Madetswil erwartet schwierige Zeiten für Europa, insbesondere für die Automobilindustrie: «Die europäischen Hersteller sitzen auf den E-Fahrzeugen, und die Verbrenner wurden nicht weiterentwickelt. Es wurden Milliarden in neue Technologien investiert, die sich noch lange nicht refinanzieren werden.»

Der Industrielle Felix Reichardt, der 2023 die Schweizer Kultmarke Stewi übernommen und von Winterthur nach Saland verlegt hat, geht davon aus, dass 2025 ein Übergangsjahr sein wird: «Wir gehen von einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage ab Mitte 2025 aus.» Allerdings werde die Entwicklung von Stewi davon nur bedingt beeinflusst. Für die KMU-Tochter der Reichardt Group viel wichtiger sei etwas anderes: «Hauptsächlich hoffen wir auf ein freundliches und sonniges Frühjahr und einen schönen Sommer. Wir benötigen Stewi-Wetter!»

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