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Stokys spannt mit Gehörlosendorf Turbenthal zusammen

Metall statt Plastik, Schweiz statt fernes Ausland: Die Spielzeugfirma Stokys aus Bauma will einiges anders machen als die mächtige Konkurrenz – und setzt dabei auf Gemeinnützigkeit.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Gehörlosendorfs Turbenthal stellen die Stokys-Sets in Handarbeit zusammen. Werkstattleiter Patrick Truninger (Mitte) packt gleich selbst mit an.

Foto: PD

Stokys spannt mit Gehörlosendorf Turbenthal zusammen

Kult-Spielzeugfirma im Tösstal

Spielzeuge aus Fernost fluten die globalen Märkte. Die Kultmarke Stokys aus Bauma kämpft im Kleinen dagegen an – und setzt dabei auf die Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Einrichtungen.

Ein langlebiges Spielzeug, in der Schweiz gefertigt, das obendrein auch noch einen sozialen Nutzen stiftet. Im Zeitalter globalisierter Produktionsketten und billiger Massenproduktion aus Fernost klingt das fast schon wie ein Märchen.

Und doch: Die Baumer Kult-Spielzeugfirma Stokys versucht, genau das möglich zu machen. Wenn auch in kleinerer Grössenordnung. Die über 80-jährige Marke, 2016 vom Unternehmer Beat Schaufelberger mithilfe von Crowdfunding gerettet, setzt dazu bei der Fertigung auf eine regionale Zusammenarbeit.

Stokys hat seinen Ursprung bei den Gebrüdern Stockmann, die die Firma 1941 im Kanton Luzern gründeten. Mitten im Zweiten Weltkrieg entwickelten sie eine Alternative zu den damals bekannten Meccano-Metallbaukästen aus Grossbritannien, die nicht mehr importiert werden konnten. Nach dem Höhepunkt des Erfolgs in den 1970er Jahren verkauften die Inhaber die Firma 1982. Seither gab es mehrere Besitzerwechsel.

Im Jahr 2007 zog die Produktionsstätte nach Bauma um. Inhaber Beat Schaufelberger zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung. Man wachse langsam, aber stetig, und das Geschäft sei selbsttragend – auch wenn sich Schaufelberger keinen üblichen Geschäftsführerlohn ausbezahlt.

Seit rund zwei Jahren stellen die Bewohnerinnen und Bewohner des Gehörlosendorfs Turbenthal einen merklichen Teil des Inhalts her, der später in den Stokys-Baukästen landet.

Sie kümmern sich in erster Linie darum, die Profile und Platten zu stanzen. Damit legen sie die Basis für das System, aus dem Tüftler jeden Alters dann Modellautos, Modellflieger oder etwa eine Windmühle zusammenschrauben können.

Flugzeug aus Stokys-Bausatz
Stokys-Sets dienten als Alternative zu den Meccano-Kästen, bevor sie selbst Kult wurden. (Archiv)

Der Jahresbedarf wird dabei jeweils in einer zusammenhängenden Produktionsphase hergestellt, die über mehrere Monate läuft. «Das hat den Vorteil, dass nicht jeder Tag hochproduktiv ablaufen muss», sagt Inhaber und Geschäftsführer Schaufelberger.

Nachdem er Stokys übernommen hatte, nahm die Zusammenarbeit ihren Anfang. «Wir liessen damals punktuell spezielle Einzelteile im Gehörlosendorf fertigen», sagt er. Als die Firma nach Möglichkeiten suchte, einen Teil der Produktion in Bauma auszulagern, engagierte man die Institution – vorerst testweise.

Daraus entstand eine erfolgreiche Kooperation, die kürzlich sogar ausgeweitet wurde. Seit diesem Jahr ist nicht mehr nur die mechanische Werkstatt involviert. Im Herbst haben Bewohnerinnen und Bewohner die Sets erstmals auch befüllt und zusammengesetzt, bevor sie in diesen Tagen von Bauma aus an die Kunden verschickt werden.

«Made in China» ist keine Option

Gemeinnützige Werkstätten wie die in Turbenthal eignen sich laut Schaufelberger vor allem wegen der geringen Auftragszahlen für die Produktion der Stokys-Teile – zwischen 1000 und 6000 Stück produziert das Gehörlosendorf pro Jahr und Einzelteil. «Für viele industrielle Anbieter wären diese Stückzahlen gar nicht interessant», sagt der Unternehmer.

Was die Kosten anbelangt, hat sich seine Firma beim Auslagern der Tätigkeiten eine Bedingung auferlegt: Die Produktion darf nicht teurer sein, als wenn sie voll und ganz von Stokys-Mitarbeitern in Bauma – Senioren, die sich aus Freude engagieren und sich so etwas dazuverdienen können – erledigt wird.

Klar ist aber auch: «Swiss Made» hat seinen Preis, der sich schliesslich auch im Endpreis für den Kunden niederschlägt. «In China könnten wir wohl für einen Zehntel des Preises produzieren», vermutet Schaufelberger. Das wolle man aber bewusst nicht. Nur ein paar wenige Teile werden in Deutschland hergestellt.

Mit dem Gehörlosendorf zusammenzuspannen, sei finanziell attraktiv. Dem Inhaber geht es aber nicht nur darum. «Entscheidender ist, dass damit ein längerfristiges Standbein für die Produktion gesichert ist.» Und natürlich: der soziale Faktor.

Neben der Werkstatt in Turbenthal vergibt Stokys auch Aufträge an das Ausbildungszentrum Appisberg in Männedorf. Jugendliche mit speziellem Förderbedarf sind hier für die Anfertigung der Elektroartikel verantwortlich.

«Stokys ist mehr als ein Produkt, vielmehr ein ganzes Universum, und zu dieser Philosophie passt die Kooperation mit gemeinnützigen Einrichtungen sehr gut», sagt Schaufelberger. Schon die früheren Eigentümer hätten im Stokys gemeinnützige Arbeitsplätze geschaffen.

Partnerschaft ausbauen

Auch bei der Stiftung Schloss Turbenthal, der Organisation hinter dem Gehörlosendorf, bewertet man die Zusammenarbeit positiv. «Das ist für uns als Stiftung und vor allem für die Klienten eine super Sache», sagt Salvatore Falzone, Leiter der Produktionsbetriebe. «Es macht die Bewohner stolz, wenn sie sehen, dass sie Teil vom Prozess sind und ihren Beitrag zu einem beständigen Produkt leisten.»

STOKYS Metallbaukaesten: Inhaber und Geschaeftsfuehrer Beat Schaufelberger
Für Inhaber Beat Schaufelberger ist Stokys mehr Herzensangelegenheit als blosses Investment. (Archiv)

Falzone, der als Kind selbst mit Stokys gespielt hat, sieht im Spielzeug auch einen Gegenentwurf zur digitalisierten Welt, der die Phantasie ankurbeln kann. Von der erfolgreichen Zusammenarbeit zeugt auch, dass im dorfeigenen Laden Stokys-Modelle ausgestellt und verkauft werden.

Und in Zukunft? Inhaber Schaufelberger sagt: «Ziel ist, dass wir den Anteil der in Turbenthal produzierten Teile schrittweise erhöhen.» Darüber hinaus gibt es Ideen, das Gehörlosendorf stärker in das Versandwesen einzubinden. Wie genau, steht aber noch in den Sternen. Und auch Falzone kann sich einen Ausbau der Produktion im Gehörlosendorf vorstellen: «Wir sehen grosses Potenzial in dem Produkt.»

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