Kollbrunns «Lost Place» erwacht zum Leben – vorübergehend
Industriebrache im Tösstal
Ein Winterthurer Architekt plant ein neues Quartier im Kollbrunner Metzgerareal. Bis die Pläne konkreter werden, setzt er auf Zwischennutzungen.
«Lost Places» – verlassene Grundstücke mit teils verfallenen Gebäuden – erfreuen sich wegen ihrer schaurigen Atmosphäre grosser Beliebtheit.
Mit dem Areal der ehemaligen Sägerei Metzger in Kollbrunn hat die Gemeinde Zell ihren ganz eigenen «Lost Place». Dazu passt, dass das grösstenteils brachliegende Gelände gar schon Schauplatz eines regionalen Krimis war.
In Zukunft werden hier mehrere hundert Menschen wohnen: Die Immobilienfirma des Winterthurer Architekten Giovanni Cerfeda plant seit Längerem, das Areal zu überbauen. Mit der neuen Bau- und Zonenordnung darf hier künftig fünfstöckig gebaut werden. Doch bis die Bagger auffahren, dürfte es noch dauern.
Eine Zwischennutzung bringt nun etwas Leben in das trostlos wirkende Stück Land, wie aus einem Baugesuch hervorgeht. Die SGG AG aus Saland, die unter anderem mit Land- und Kommunalmaschinen handelt, schlägt voraussichtlich für drei Jahre seine Zelte auf dem Gelände auf.

«Unser Geschäftsführer war auf der Suche nach einer Übergangslösung, weil das Hauptgebäude in Saland Anfang Jahr verkauft wird», sagt Belinda Kurhajec, die für die Kundenberatung zuständig ist. Die Firma errichtet auf dem Metzgerareal eine Zelthalle und Bürocontainer, um dort Sportgeräte und Maschinen zu lagern.
Die Eigentümerin Cerfeda Immobilien AG bestätigt, dass hin und wieder Anfragen zur temporären Nutzung des Geländes eintreffen. «Wir vermieten die Flächen jeweils auf Zusehen hin», sagt Giovanni Cerfeda. Das sei besser, als wenn das Areal gänzlich leer stehe, schliesslich sei auch schon eingebrochen worden. «Wir gehen allerdings nicht aktiv auf potenzielle Nutzer zu.»
Warten auf neue Bauordnung
Neben der SGG AG betreibt die Kyburger Holzbaufirma Widmer AG ihre Produktion auf dem Areal. Auch sie kann ihren Standort behalten, bis die Pläne des Architekturbüros in trockenen Tüchern sind.
Noch wartet die geplante Überbauung in der Schublade des Architekten. «Wir warten, bis die neue Bauordnung rechtskräftig ist», sagt Cerfeda. Nachdem bekannt worden war, dass das Areal aufgezont wird, stellte das Büro die Planung vorerst ein. «120 Wohnungen sind mindestens geplant.»
Die revidierte Bau- und Zonenordnung, die das Stimmvolk im September 2023 gutgeheissen hat, liegt derzeit zur Genehmigung beim kantonalen Amt für Raumentwicklung (ARE), wie die Gemeinde auf Anfrage bestätigt. Ein definitiver Entscheid des Kantons steht noch aus. Wann dieser fällt, sei deshalb schwer zu sagen, heisst es vonseiten der Gemeindeverwaltung.
