Findet Dormakaba den Schlüssel zu Kontinuität und Profit?
Viel Optimismus
Der Schliesstechnikkonzern Dormakaba mit Sitz in Wetzikon und Rümlang hinkt der Konkurrenz hinterher. Am Capital Markets Day zeigte er auf, wie er das ändern will.
Knapp zehn Jahre ist es her, seit sich die beiden Unternehmen Kaba in Rümlang und Dorma in Ennepetal (Nordrhein-Westfalen) zu Dormakaba zusammengeschlossen hatten.
Es entstand die Nummer drei im weltweiten Markt für Zutritts- und Sicherheitslösungen, hinter Assa Abloy (Schweden) und Allegion (Irland). Seither versucht Dormakaba, mit seinen Konkurrenten Schritt zu halten, stand sich dabei aber zu oft selbst im Weg.
Er wolle nicht über die Vergangenheit sprechen, sagte Dormakaba-CEO Till Reuter am Capital Markets Day am Mittwoch am Hauptsitz in Rümlang: «Ich möchte darüber reden, wie wir die Zukunft gestalten wollen.» Mehr als 60 Investoren, Analysten und Finanzjournalisten erhielten Einblicke in die Unternehmensstrategie, finanziellen Resultate und zukünftigen Perspektiven von Dormakaba.
Viel Zuversicht am Capital Markets Day
Dabei versprühte Reuter viel Zuversicht: Der Markt ist dank hoher Margen und einem verlässlichen Service-Geschäft attraktiv. Die Eintrittsbarrieren für Neueinsteiger sind hoch, und die Preissensibilität bei Abnehmern relativ gering, da die Zutrittslösungen nur einen sehr kleinen Teil der Gebäudekosten ausmachen. Trotzdem ist der Markt gross: «40 Milliarden jährlich und wachsend», rechnete Reuter vor.
Dormakaba ist gut aufgestellt. Das Unternehmen bietet breit gefächerte Zutrittslösungen für Hotels, Sportstadien, Spitäler, Bildungseinrichtungen, Büros, Industriebauten oder auch Flughäfen, wie den Gästen am Capital Markets Day später noch am Beispiel Zürich-Kloten gezeigt werden sollte.
Reuter war vor einem Jahr als Verwaltungsrat zu Dormakaba gestossen und hatte bereits nach drei Monaten und dem Abgang von CEO Jim-Heng Lee die operative Verantwortung übernommen. Der 56-jährige Deutsche will endlich etwas Ruhe in den Konzern bringen, dessen jüngste Vergangenheit von Sparprogrammen und häufigen Managementwechseln geprägt war.
Eines dieser Sparprogramme war noch von Reuters Vorgänger initiiert worden. Bis 2025/2026 will Dormakaba jährlich 170 Millionen Franken einsparen. Reuter hält an diesem Plan fest, zumal er ihn als damaliger Verwaltungsrat mitgetragen hatte: «Wir werden diesen Weg weitergehen. Jetzt ist wichtig, dass wir unser Tempo erhöhen.»
Drei Jahre gibt sich Reuter Zeit, Dormakaba aus der Krise zu führen. Wobei das Wort «Krise» nicht ganz korrekt ist. Der Konzern aus Rümlang und Wetzikon hat in den letzten Jahren immer Gewinne eingefahren, einfach weniger als die Konkurrenz. Das zeigt sich auch am Börsenkurs: Die Aktie von Dormakaba gehört im Jahr 2024 mit einem Plus von rund 50 Prozent zwar zu den Stars der Schweizer Börse – aber sie steht letztlich nur wieder etwa da, wo sie bei der Fusion vor zehn Jahren war.
Zu komplex, zu schwerfällig
Mehr als 15’000 Mitarbeitende beschäftigt Dormakaba weltweit und erwirtschaftet einen Umsatz von 2,8 Milliarden Franken. Die Fusion vor zehn Jahren ist nach wie vor nicht ganz verdaut. Zu viele Doppelspurigkeiten und eine zu hohe Komplexität kennzeichnen den Konzern.
Das will Reuter ändern, wie er am Beispiel von Türschliessern erklärte. Rund 300 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftet Dormakaba jährlich mit den zumeist oben links angebrachten Kästchen, die Türen automatisch schliessen.
Hier will Reuter die Produktvarianten um 20 Prozent reduzieren und die Anzahl der Komponenten gar um 50 Prozent. Damit sollen rund 20 Millionen Franken eingespart werden – auf 300 Millionen Umsatz eine beachtliche Summe.
Auch bei der Forschung und Entwicklung soll Dormakaba schlanker und effizienter werden. Noch immer werkeln im fusionierten Konzern teilweise verschiedene Abteilungen an ähnlichen Lösungen.
Produzieren, wo die Arbeitskosten tief sind, und in Wetzikon
Was bleibt, sind die drei Marktregionen Nordamerika, Europa und Asien/Pazifik, die Dormakaba separat bearbeitet. «Wir werden lokal für die lokalen Märkte produzieren und damit auch weniger Komponenten rund um den Globus schicken», sagte Reuter. Einen starken Fokus setzt er dabei auf Produktion in Billiglohnländern.
Für Nordamerika wird in Nogales in Mexiko produziert, unmittelbar an der Grenze zum US-Bundesstaat Arizona. In Europa wird die Produktion zum Teil in die bulgarische Hauptstadt Sofia verlegt, und für den asiatischen Raum heissen die Standorte Suzhou (China) und Melaka (Malaysia).
Erstaunlicherweise nicht tangiert ist die Produktion der guten, alten Zylinderschlösser in Wetzikon. Da die Produktion zyklisch verläuft, setzt Dormakaba in Wetzikon auf temporär einsetzbare Arbeitskräfte, beispielsweise pensionierte Mitarbeitende. Das flexible Schweizer Arbeitsrecht macht es möglich, dass die Produktionskosten so mit dem Billiglohnland Bulgarien mithalten können.
Einsparungen sind die eine Hälfte des Dormakaba-Ausblicks. Aber Reuter hat auch Wachstumspläne. Schon vor drei Monaten bei der Präsentation der Jahreszahlen hatte der CEO von der «Feuerkraft» für Übernahmen gesprochen.
Organisch will Dormakaba um 3 bis 5 Prozent wachsen. Insbesondere im US-Markt, wo überdurchschnittliche Margen locken, schaut man sich aber auch nach Übernahmekandidaten um. Das ist ein spannendes Thema, denn in den letzten Jahren war Dormakaba mit Firmenkäufen wenig glücklich unterwegs.
Bei der Rentabilität setzt sich der Konzern ehrgeizige Ziele: Für das Geschäftsjahr 2025/2026 peilt Reuter eine Marge von 16 bis 18 Prozent auf den bereinigten Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) an: «Das ist mehr, als wir jemals erreicht haben.»
Technologisch in der ersten Liga
Dass Dormakaba technologisch in der ersten Liga spielt, zeigte das Unternehmen im Showroom gleich hinter der Bühne des Capital Markets Day. So hat das Unternehmen beispielsweise eine Schiebetür mit einem intelligenten Sensor entwickelt; dieser erkennt, ob eine oder mehrere Personen die Tür durchschreiten und reguliert, wie lange die Schiebetür offen bleibt.
Da bei geöffneter Tür jedes Mal Luft nach draussen strömt – im Winter geheizte, im Sommer gekühlte –, sind hier Energieeinsparungen bis 30 Prozent möglich.



In einer anschliessenden Exkursion auf den nahe gelegenen Flughafen wurde den Finanzanalysten, Investoren und Medienschaffenden schliesslich noch die zahlreichen Zutrittslösungen in dieser hochkomplexen Immobilie gezeigt. Mechanische Schliesssysteme, elektronische Zutrittssysteme, Boarding-Gates, Schleusen für den Grenzübertritt, Schiebetüren, Brandschutztüren und natürlich auch Tausende ganz normaler Türen mit Komponenten von Dormakaba sind im Flughafen im Einsatz.
Die Zeichen bei Dormakaba stehen auf Aufbruch. Jetzt muss der Konzern endlich seine PS auf den Boden bringen.
«Wetzikon ist für uns sehr wichtig»
Till Reuter ist seit Januar 2024 CEO von Dormakaba. Am Capital Markets Day nahm er sich Zeit für ein Hintergrundgespräch mit Schweizer Medienschaffenden.
Herr Reuter, Sie sprechen von «Best-Cost-Countrys» und dass Sie die Produktion in diese Tieflohnländer verlagern. Was bedeutet das für die Schweiz und insbesondere den Standort Wetzikon?
Till Reuter: Wir stellen die Werke in der Schweiz nicht infrage. Diese Standorte zeichnen sich hier durch eine hohe Kompetenz der Mitarbeitenden und durch die Nähe zu unseren Kunden aus. Gerade Wetzikon ist sehr wichtig für Dormakaba. Wir sind jetzt dabei, dort wieder zu investieren.
Wo wollen Sie investieren?
Es geht um die Modernisierung der Infrastruktur in der Produktion, wie zum Beispiel bei der Galvanik, und um die Entwicklung neuer Produkte wie «Skyra», einer Lösung für kritische Infrastrukturen. Auch in den letzten Jahren und Jahrzehnten haben wir immer wieder Investitionen getätigt. So stellen wir sicher, dass das Werk Wetzikon auf die sich ändernden Marktanforderungen optimal ausgerichtet ist und die Chancen von neuen Technologien genutzt werden. Unser Werk in Wetzikon gehört zu den modernsten und effizientesten Fertigungsanlagen innerhalb des Produktionsverbunds von Dormakaba. Diesen Weg werden wir konsequent weitergehen.
In Wetzikon produziert Dormakaba Zylinderschlösser. Ich nehme nicht an, dass Sie mit diesem Produkt einen Boom erwarten.
Die in Wetzikon produzierten mechanischen Zutrittssysteme sind nach wie vor ein wichtiges Produkt innerhalb unseres Portfolios. Zudem werden in Wetzikon auch elektronische Zutrittskomponenten gefertigt. Diese Produkte werden auch exportiert. Dafür nutzen wir die hohe Kompetenz und Erfahrung, die wir am Standort im Umgang mit der Fertigung solcher elektronischen Komponenten haben.
Inwiefern profitiert Dormakaba mit Standorten in Rümlang und Wetzikon von der Nähe zu den Hochschulen in Zürich?
Dormakaba profitiert direkt von den Hochschulen in der Region Zürich, sowohl von der Innovationskraft der Hochschulen als auch von der Ausbildung der dringend benötigten Fachkräfte in den Entwicklungs- und Produktionsbereichen.
Sie sind daran, bei Dormakaba Altlasten aufzuräumen und wollen gleichzeitig wachsen. Wie kann das gehen?
Es gibt kein «Silver Bullet» oder Patentrezept. Darum habe ich auch die Zeitspanne von drei Jahren genannt. Es ist ein Spagat, den wir nur schaffen, wenn die Prozesse sauber sind. In Deutschland beispielsweise sind wir dabei, Personal abzubauen, und sind im letzten Geschäftsjahr 2023/2024, unterstützt durch ein starkes Projektgeschäft, dennoch um 10 Prozent gewachsen.
Sie sind der vierte CEO von Dormakaba in wenigen Jahren. Dazu kamen drei CFO und zwei verschiedene Beraterfirmen. Was wollen Sie anders machen?
Ich habe klar den Anspruch, diese Funktion längerfristig auszuüben. Ich hätte das Amt nicht für ein oder zwei Jahre übernommen. Man kann keine Kultur weiterentwickeln, wenn alle Jahre neue Leute in die Führungsetage kommen und gleichzeitig noch Beraterfirmen sagen, wohin die Reise gehen sollte.

