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In Russikon kann man neu (fast) rund um die Uhr einkaufen

Verkaufspersonal und Registrierkassen waren gestern. In Russikon baut Metzger Silvio Keller den Laden der Zukunft.

Noch sind die Kühlvitrinen in Russikon leer: Silvio (links) und Max Keller eröffnen den neuen Selbstbedienungsladen am 30. November.

Foto: Sandro Compagno

In Russikon kann man neu (fast) rund um die Uhr einkaufen

«365 Tage Feinkost Keller»

«Henry’s Metzg» verschwindet aus Russikon, dafür erhält das Dorf einen Self-Scanning-Shop. Eine Neuheit in der Region.

Nach mehr als 20 Jahren schliesst Silvio Keller, Inhaber der gleichnamigen Metzgerei in Weisslingen, die Filiale «Henry’s Metzg» in Russikon. Das mag nach dem traurigen Ende eines Traditionsbetriebs klingen, ist aber nur die halbe Wahrheit. Aus der Metzgerei entsteht ein Self-Scanning-Shop.

Frischprodukte von 6.30 bis 23 Uhr

In den letzten Wochen wurde der Laden an der Dorfstrasse umgebaut. Am 30. November ist Eröffnung. Ab dann wird das neue Geschäft an 365 Tagen im Jahr von 6.30 bis 23.00 Uhr offenstehen.

In den Vitrinen wartet ein umfassendes Lebensmittelangebot auf die Kundschaft: natürlich Fleisch- und Wurstspezialitäten der Metzgerei Keller, aber auch Milchprodukte, Eier, Brot, Früchte und Gemüse sowie Getränke. «Wir beziehen die Lebensmittel nach Möglichkeit von lokalen Produzenten», sagt Silvio Keller.

So stammen Milch, Käse und Joghurt von der Käserei Camenzind aus Fehraltorf, das Brot von der Bäckerei Vuaillat gleich um die Ecke, die Freilandeier von Eiertom aus Rikon und die Glace vom Schürhof in Madetswil, um nur einige Beispiele zu nennen. «Natürlich ist das ein grosser Aufwand», gibt Silvio Keller zu, «aber wir sind schliesslich auch ein regionales Geschäft. Das gehört sich so.»

Eine Vitrine ist für Bestellungen reserviert. «Wenn jemand Gäste hat und beispielsweise ein ganzes Rindsfilet braucht, dann kann er es bei uns bestellen und wir legen es in eine spezielle Vitrine», erklärt Max Keller. Der Seniorchef, der das Familienunternehmen 2017 an den Sohn übergeben hat, ist als Vermieter der Liegenschaft in Russikon in das Projekt eingebunden.

Pendlerinnen und Pendler als Zielgruppe

Die Gemeinde Russikon hat lediglich 4500 Einwohner. Neben einem Spar Mini existiert im Ort noch eine Filiale der Bäckerei Vuaillat. Silvio und Max Keller sehen realistische Chancen, mit ihrem neuen Shop eine Marktlücke zu treffen. Nicht nur für Russikerinnen und Russiker, sondern auch für Auswärtige.

«Die Lage ist gut. Viele Pendler kommen auf dem Weg zur Arbeit in Fehraltorf oder Pfäffikon hier durch», sagt Max Keller. Parkplätze direkt vor dem Haus sorgen dafür, dass der Zwischenhalt zum Einkaufen kurz bleibt.

Für Silvio Keller ist die Eröffnung des Selbstbedienungsladens ein Schritt ins Ungewisse – aber nicht zwingend eine wirtschaftliche Notwendigkeit. «Wir haben hier nicht draufgelegt. Die Umsätze waren in den letzten Jahren stabil», erklärt der Inhaber. Die grosszügige Verkaufsfläche und folglich auch die lange Fleischtheke zogen aber einen grossen Personalaufwand nach sich. «Wir hatten bis zu drei Leute im Verkauf. Bei steigenden Personalkosten ein teures Unterfangen.»

Vater Max und Sohn Silvio Keller in ihrem neuen Self-Scanning-Shop in Russikon.
Max und Silvio Keller vor dem Verkaufsterminal: Der neue Laden in Russikon wird an 365 Tagen im Jahr geöffnet sein.

Zutritt via QR-Code

Fortan werden keine Verkäuferinnen und kein Verkäufer mehr im Laden stehen, sondern nur noch Kunden. Zutritt erhalten sie, indem sie beim Eingang einen QR-Code scannen und damit die Türe öffnen.

Das dient auch der Diebstahlsicherung. Der QR-Code wechselt alle 30 Sekunden und die Kundinnen identifizieren sich so mit ihrer Handynummer. Auf die Daten des QR-Geräts hat Silvio Keller als Betreiber keinen Zugriff. Sie werden im Verdachtsfall von der Polizei ausgewertet.

Der Laden selbst wird mittels Videokameras überwacht. Die Aufnahmen werden nach drei Monaten gelöscht. Und dafür, dass sich die Russiker Dorfjugend nicht unerlaubt mit Bier und Wein eindecken kann, sorgt ein ID-Scanner an der entsprechenden Vitrine.

Vater Max und Sohn Silvio Keller in ihrem neuen Self-Scanning-Shop in Russikon.
Neben dem Ladenlokal haben die Kellers auch die Produktionsräume in Russikon neu gestaltet und eingerichtet.

Umgebaut wurde in den letzten Wochen nicht nur die Verkaufsfläche, erneuert wurden auch die Produktionsanlagen hinter den Kulissen – vom Maschinenpark bis zu den Kühlräumen. Denn die Fleischspezialitäten der Metzgerei Keller werden in Russikon hergestellt. Das Hauptgeschäft im «Wisliger Märt» ist ausschliesslich Verkaufsstelle.

Das wird so bleiben: Metzger Henry Näf, der die Filiale seit 1991 geführt hatte, bleibt den Kellers treu und weiterhin in Russikon in der Produktion tätig.

Inspiration im Knonauer Amt

Der Self-Scanning-Shop in Russikon ist der erste seiner Art im Zürcher Oberland. Andernorts im Kanton existiert dieses Geschäftsmodell bereits: In Wettswil, Bonstetten und Birmensdorf arbeitet die Metzgerei Steiner in einer beinahe identischen Ausgangslage wie die Kellers. Der Familienbetrieb führt eine bediente Filiale im Volg von Wettswil und unterhält in Bonstetten und Birmensdorf Self-Scanning-Filialen. «Die Erfahrungen dort sind gut», bestätigt Silvio Keller.

Einen mittleren sechsstelligen Betrag hat das Familienunternehmen in den neuen Laden investiert. Und welchen Umsatz sieht der Business Plan vor? Silvio Keller lacht laut: «Business Plan? Wir machen einfach mal!»

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