Potenzielle Killermaschine oder nützliches Werkzeug?
Wirtschaftsforum Wetzikon
Neugier oder Angst? Die Frage stand im Zentrum am Anlass des Wirtschaftsforums Wetzikon zum Thema Künstliche Intelligenz. Sie wurde kontrovers diskutiert.
Dem Sprecher auf der Bühne ist die freudige Erregung anzusehen, als er im Stil von Apple-Gründer Steve Jobs eine neue Drohne präsentiert, die kleiner ist als eine Handfläche: «Sie ist gespickt mit Bewegungssensoren und reagiert schneller als jeder Mensch, sie verfügt über eine ausgefeilte Gesichtserkennung – und sie enthält 3 Gramm Sprengstoff.»
Das reiche, um einen Menschen zu töten, wie der Mann auf der Bühne an einer bedauernswerten Puppe vorzeigt. Doch das sei nicht alles: «Wir brauchen in Zukunft keine Atomwaffen mehr. Wir werfen 150’000 dieser Drohnen ab und können eine halbe Stadt töten – aber nur die Bösen!»
Mit diesem (noch?) fiktionalen Video setzte Christian Fehrlin den Ton für sein Referat zum Thema Künstliche Intelligenz am Wirtschaftsforum Wetzikon. Fehrlin ist CEO und Inhaber von Deep Impact in Winterthur und beschäftigt sich mit der Integration von KI in Unternehmensprozesse.

Anhand verschiedener Beispiele illustrierte Fehrlin, wie sich Technologie nicht linear, sondern exponentiell entwickelt. So wurde um rund 3500 vor Christus das erste Rad erfunden. Rund 3000 Jahre später bauten die Römer die ersten gepflasterten Strassen, um 1900 folgte der Verbrennungsmotor, und heute stehen wir an der Schwelle zum autonomen Fahren – unterstützt durch KI.
«Bauen Sie KI in Ihre tägliche Routine ein!»
Trotz dem düsteren Einstieg ermunterte Fehrlin die rund 50 Unternehmerinnen und Gewerbler im Saal des Restaurants Krone, sich auf KI einzulassen. Gerade Programme wie ChatGPT oder das Übersetzungsprogramm DeepL seien ausgesprochen nützliche Hilfsmittel. «Als Unternehmer müssen Sie sich mit dem Thema beschäftigen. Bauen Sie es in Ihre tägliche Routine ein, damit Sie den Anschluss nicht verlieren.»
Weit weniger kritisch als Fehrlin ging der zweite Referent an das Thema KI heran. Das liegt auch an seiner Funktion: Tom Walther ist Leiter Daten und Analytik bei der Mobiliar.

Die Versicherung hat seit einiger Zeit einen internen ChatGPT im Einsatz, den sogenannten Mobi-ChatGPT. Damit können Mitarbeitende KI bei der täglichen Arbeit in breitem Kontext einsetzen. Walther rückte zwei zentrale Aspekte der KI ins Zentrum seiner Ausführungen: erstens die Fähigkeit, in Daten Muster zu erkennen, und zweitens das Strukturieren und Aufbereiten von unstrukturierten Daten.
So nutzt die Mobiliar KI beispielsweise für Schadenmeldungen. Die Kunden können ihre Meldung online in ein Freitextfeld schreiben, die KI generiert daraus strukturierte Daten, die weiterverarbeitet werden.
Zur abschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Jürg Thalmann (Mediensprecher Mobiliar) stiess auch der Wetziker Unternehmer Peter Herger, der seit über 20 Jahren im Bereich der Digitalisierung der Geschäftsadministration tätig ist. Herger warnte vor den Gefahren von KI in den falschen Händen.
Er rechnete aber auch vor, dass uns KI in naher Zukunft 30 bis 50 Prozent unserer Arbeit abnehmen werde. Eine Zahl, die der optimistische Tom Walther gänzlich anders interpretierte als der pessimistische Fehrlin.

«KI nimmt uns die Arbeit ab, die niemand gerne macht. Das ist in Zeiten des Fachkräftemangels eine gute Nachricht und eine grosse Chance», so Walther.
KI werde in der Medizin durch bessere Diagnosen, aber auch in der Industrie durch neue Materialien und Technologien zu Quantensprüngen führen, meinte Fehrlin, verband diesen Fortschritt jedoch mit einem grossen Aber. Aus seiner Sicht wird KI Jobs in zahlreichen Berufsfeldern wie Buchhaltung und Administration, Software-Entwicklung oder Recht ersetzen – und auch Taxifahrer überflüssig machen. «Mir fehlt die Fantasie, mir vorzustellen, welche Jobs überleben sollten.»
Ein spannender Abend zu einem Thema, das uns noch alle beschäftigen wird. Und das ziemlich sicher schneller, als vielen von uns lieb sein dürfte.
