Wie Huber+Suhner das Image des Kabelherstellers loswerden will
«Es kommt darauf an»
Kabel produzieren klingt wenig sexy. Am «Capital Markets Day» zeigte das Pfäffiker Unternehmen Huber+Suhner, was es wirklich draufhat.
«Das ist wohl der Schlüsselsatz des heutigen Tags», scherzte Urs Ryffel, CEO von Huber+Suhner, am Freitag gegen Ende des Kapitalmarkttags in Herisau. Ryffel hatte soeben eine Frage auf Englisch mit «It depends – es kommt darauf an» beantwortet.
Er tat das vor rund 40 Analysten, Vermögensverwaltern, Portfolio-Managern und Medienvertretern nicht etwa, weil er seinem Publikum etwas verheimlichen wollte, sondern weil es in einem diversifizierten Industriekonzern wie Huber+Suhner halt wirklich «darauf ankommt».
Wer an Huber+Suhner denkt, der denkt zunächst einmal an Kabel. In der Tat hatten die 1969 zur Huber+Suhner AG fusionierten R.+E. Huber in Pfäffikon und Suhner & Co. AG in Herisau Telegrafendrähte, Kabel und Kabelisolationen produziert.
Satelliten, Telefone, E-Fahrzeuge, Datencenter
Heute ist das Geschäftsfeld ungleich breiter gefächert. Vom fingernagelkleinen Verbindungsstecker für Satelliten über gekühlte Schnelllader für Elektrofahrzeuge bis hin zu ganzen Datencentern reicht die Palette.
Und da kommt es eben darauf an, von welchem Geschäftsfeld und welchem Produkt die Rede ist, wenn es um Marktanteile, Margen und Arbeitskosten geht.
Huber+Suhner nutzte den Tag, um den 40 Anwesenden einen vertieften Einblick in die drei Geschäftsfelder Industrie, Kommunikation und Transport zu ermöglichen. Urs Ryffel erklärte, wie es in den Kernmärkten läuft und wo Huber+Suhner Wachstumsinitiativen verfolgt.
«Zu 99 Prozent Dual Use»
Die stärkste Sparte, sowohl was den Umsatz als auch die Marge betrifft, ist die Industrie. Fast etwas verschämt wies Ryffel auf das Wachstum im Bereich «Raumfahrt und Verteidigung» hin. Die geopolitisch angespannte Lage führt zu steigenden Budgets für Rüstung und sorgt damit für volle Auftragsbücher bei Huber+Suhner.
«Die öffentliche Meinung zu dieser Sparte war lange Zeit negativ. Doch diese Wahrnehmung hat sich verändert», so Ryffel. «Ausserdem produzieren wir zu 99 Prozent sogenannte Dual-Use-Produkte.» Das sind Bauteile, die im zivilen und im militärischen Bereich eingesetzt werden können.
Gut kommuniziert, schlecht gefahren
Verbessert haben sich die Aussichten im Bereich Kommunikation. Weltweit werden immer mehr Daten in immer kürzerer Zeit transportiert – die Künstliche Intelligenz verstärkt diesen Megatrend markant. Mit seinem Know-how im Mobilfunk und mit fiberoptischen Verbindungen für Datencenter sieht sich Huber+Suhner hier in einer starken Position.
Etwas mehr Geduld braucht es im Segment Transport. Insbesondere die Elektromobilität – Huber+Suhner konzentriert sich hier auf Ladeinfrastrukturen für Nutzfahrzeuge – benötigt etwas mehr Anlauf, und auch die Fahrerassistenzsysteme (Stichwort: autonomes Fahren) haben sich unter den Erwartungen entwickelt.


Insgesamt bestätigte der Verbindungstechnikspezialist die kommunizierten Ziele für das Gesamtjahr. Huber+Suhner will ein leichtes organisches Wachstum erzielen. Mittelfristig strebt man die Umsatzmarke von einer Milliarde Franken an. 2023 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von gut 850 Millionen Franken.
Auch Übernahmen stehen im Raum, um die Umsatzmilliarde zu erzielen. «Wir haben die nötige Power, auch für grössere Akquisitionen», sagte Urs Ryffel. In welchem Segment diese getätigt werden sollen? Das kommt ganz darauf an.
CFO-Nachfolge geregelt
Huber+Suhner hat einen Nachfolger für den scheidenden Finanzchef Ivo Wechsler gefunden. Dieser hatte bereits im August 2023 seinen mittelfristigen Rückzug angekündigt. Nun übernimmt Richard Hämmerli den Posten per Anfang 2025.

Mit Hämmerli werde ein Finanzchef mit langjähriger Führungserfahrung aus Finanzfunktionen und anderen Verantwortungsbereichen wie Human Resources und IT verpflichtet, so Huber+Suhner. Er ist seit rund vier Jahren CFO beim Medtech-Unternehmen Belimed und dort zugleich seit Anfang Januar als CEO ad interim tätig.
Richard Hämmerli verfügt über einen MBA der Booth School of Business, Universität Chicago (USA), sowie einen Bachelor of Science in Informatik der Ostschweizer Fachhochschule Rapperswil.