Zementhonig belastet Imker – das sagt ein Bienenprofi aus dem Tösstal
Anspruchsvolles Honigjahr
Und plötzlich ist das flüssige Gold praktisch unbrauchbar: Zementhonig stellt die Imkerinnen und Imker vor Probleme und bedroht ihre Ernten. Ein Imkerei-Händler aus Wila hat Rezepte – doch die kosten Zeit, Mühe und Geld.
Imkerinnen und Imker sehen sich dieses Jahr mit einem altbekannten Phänomen konfrontiert: dem Melezitosehonig, auch bekannt als Zementhonig. So nennt man Waldhonig, der zu mehr als einem Fünftel aus der Zuckerart Melezitose besteht.
Das Problem: Zementhonig wird innert kürzester Zeit so hart, dass sich die Waben kaum mehr schleudern lassen und dadurch die klassische Methode, Honig zu gewinnen, praktisch unmöglich macht.
Einer, der sich mit dem flüssigen Gold und seinen Tücken auskennt, ist Markus Roth. In zweiter Generation führt er das in Wila beheimatete Imkereifachgeschäft Bienen Roth GmbH und betreibt selbst eine Bio-Imkerei.
Herr Roth, verschiedene Medien berichten, dass dieses Jahr besonders viel Zementhonig in den Waben landet. Wie ausgeprägt ist das Problem tatsächlich?
Dieses Jahr ist es extrem. Zementhonig ist ja kein neues Phänomen, bisher kam es aber nur sehr selten vor. Ich kenne einige Imker, die schon seit 30 Jahren tätig sind und plötzlich zum ersten Mal mit diesem Problem konfrontiert sind. Andere hingegen, ich denke da an einen Imker im Hinterthurgau, den ich kenne, hatten das schon mehrmals. Aber nie so ausgeprägt wie dieses Jahr.
Im Tösstal gibt es Imker, bei denen Zementhonig 60 bis 70 Prozent der Ernte ausmacht. Handelt es sich um ein regionales Problem?
Nicht direkt. Dieses Jahr hört man aus der ganzen Schweiz und auch aus dem Ausland viele Stimmen von Imkern, die damit zu kämpfen haben. Die Melezitose wird von einer Laus produziert, die typischerweise auf Fichten zu finden ist. Entsprechend gibt es dort, wo viele Fichten stehen, auch mehr Zementhonig. Und auch das Wetter spielt eine Rolle. Aber weshalb es in diesem Jahr so oft vorkommt und wieso genau hier, ist nicht klar.
Zementhonig ist aber nicht nur für die Imker ein Problem, sondern auch für die Bienen. Warum?
Bienen können diesen Honig schlechter verdauen und benötigen viel Energie und Flüssigkeit, um ihn überhaupt aufnehmen zu können. Dieses Wasser fehlt ihnen im Winter. Daher weiss man, dass Bienen, die sich davon ernähren, weniger lang leben. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass das ganze Volk stirbt.
Sie produzieren selbst Honig. Waren Sie auch betroffen?
Einer unserer Bienenstände in der Nähe von Schalchen war komplett mit Melezitosehonig gefüllt. Ansonsten blieben wir grösstenteils verschont. Ein Hinweis dafür war, dass das Gewicht des Honigs dort innert kurzer Zeit viel stärker zugenommen hat als sonst üblich, weil Melezitose eine sehr ergiebige Nahrungsquelle ist. Wir haben dann verschiedene Methoden ausprobiert, um den Honig trotzdem zu verwenden.

Welche Optionen gibt es da?
Leider sind alle Möglichkeiten mit grossem Aufwand verbunden. Eine Möglichkeit ist, dass man die Waben aus dem Holzrahmen ausschneidet und als Ganzes ausschmilzt. Allerdings dauert das rund vier Stunden, und man braucht dafür ein Schmelzgerät. Ein solches besitzt aber kaum ein Hobby-Imker, und bei unseren Lieferanten kam es wegen der grossen Nachfrage zu Lieferengpässen.
Gibt es Alternativen?
Die einzige Alternative, die sich für Kleinimker anbietet, ist, die Waben zu befeuchten und wieder ins Volk zu geben, damit die Bienen den Honig «umarbeiten» können. Sie tun das, indem sie dem Honig Feuchtigkeit entziehen und bestimmte Enzyme beisetzen. So wird er weicher und lässt sich noch einmal schleudern. Das kann man gegen Ende der Erntezeit machen, dann muss man allerdings den richtigen Zeitpunkt erwischen. Ansonsten kann man die Waben auch einlagern und den Bienen im Frühling als Futter reichen.
Wie steht es um die Qualität des Honigs, kann man diesen problemlos essen?
Wenn man nur wenig Zementhonig hat, kann man diesen unter den normalen Honig mischen. Besteht er fast nur aus Melezitose, ist das anders. Wenn man die Wabe einschmilzt, kann sich die Haltbarkeit verkürzen, und er darf nicht mehr als normaler Honig vertrieben werden. Darum verkaufen die meisten Imker diesen vergünstigt als Backhonig, wo er schnell verbraucht wird. Geschmacklich gibt es aber kaum Unterschiede.
Imkervereine bestätigen Eindruck
Eine Umfrage bei Imkervereinen in der Region bestätigt den Eindruck: Dieses Jahr ist der Zementhonig besonders verbreitet, auch wenn genaue Daten fehlen. Allerdings gebe es starke regionale Schwankungen, sagt Efraim Lieberherr, Präsident des Imkervereins Bezirk Hinwil. «Die Erfahrung zeigt, dass Imker in Gebieten mit vorwiegend Nadelwäldern, etwa Richtung Bachtel, tendenziell stärker betroffen sind.» Die genauen Gründe, weshalb dieses Jahr besonders viele Imker betroffen sind, sind schwer auszumachen – neben der Vegetation spielt vermutlich auch das Wetter eine Rolle. Auch Lieberherr betont, dass es sich um ein Phänomen handelt, das in diesem Ausmass sehr selten vorkommt. Er rechnet nicht damit, dass die Problematik in Zukunft öfter vorkommt.