Für Biowein aus Pfäffikon kämpft er mit dem Frost und gegen den Mehltau
Schwieriges Jahr für Weinbau
Seit vier Jahren produziert Peter Märki am Sulzberg in Pfäffikon biologische Weine. Der Jahrgang 2024 und die anfälligen Trauben kosten ihn viel Mühe.
Peter Märki geht durch seinen kleinen Weinberg in Pfäffikon und zeigt auf ein paar kümmerliche Rebstöcke. «Sehen Sie, das ist der Acolon. Ein Totalausfall.» Auch der Cabernet Dorsa hat gelitten, einzig der robuste Garanoir ist dieses Jahr gut gediehen. Peter Märki nennt seine biologisch produzierten Weine «Craft Wine». Kunst, Handwerk, Genuss und Individualität im Rebberg und Keller, so lautet sein Ziel.
Neben dem Sulzberg hat er einen Rebberg in Stäfa gepachtet und besitzt zwei weitere im Kanton Aargau. Rund 5000 Flaschen produziert Märki in einem guten Jahr: «Das reicht nicht als Vollerwerb.»




Ein Leben als Halbprofi
Seinen kleinen, aber feinen Weinbetrieb «Wein am See» bezeichnet er daher als «semiprofessionell». Die andere Hälfte seines Einkommens generiert Märki als Agronomie-Ingenieur. Er führt Beratungen und Zertifizierungen durch.
80 Prozent der Produktion verkauft er an Privatkundschaft, der Rest geht vor allem in die lokale Gastronomie, und seit einigen Wochen führt auch die Landi in Pfäffikon seine Weine. Für die privaten Kundinnen und Kunden öffnet er regelmässig seinen Weinkeller und lädt zu Degustationen. Nächster Tag des offenen Weinkellers am Sulzberg ist der 30. November.
4000 Quadratmeter klein ist der Rebberg auf 570 Metern über Meer oberhalb von Pfäffikon. Auf 3200 Quadratmetern baut Märki seine hochwertigen und sortenreinen Rotweine an: Garanoir (450 Rebstöcke), Cabernet Dorsa (400 Rebstöcke) und Acolon (400 Rebstöcke). Auf den übrigen 800 Quadratmetern produziert sein Nachbar Peter Meier Sauvignon Blanc (800 Rebstöcke).
Das Jahr 2024 war mehr als herausfordernd am Sulzberg: «Zuerst kam der Frust mit dem Frost, danach kämpften wir mit dem Falschen Mehltau», erzählt Märki. Der Echte und der Falsche Mehltau sind Pilzerkrankungen. Erreger und Krankheitsbilder unterscheiden sich. Gemeinsam haben beide Pilze, dass sie zu grossen Ausfällen im Weinberg führen können.


Bio, aber ohne Zertifizierung
Wer konventionell produziert, der hat einigermassen gute Chancen gegen die Pilzerkrankung. Es gibt eine ganze Palette an chemischen Keulen. Peter Märki jedoch produziert biologisch. Auf die Knospe von Bio Suisse verzichtet er – zu aufwendig ist die Zertifizierung für seinen kleinen Betrieb –, aber die Spielregeln hält er ein. Dazu gehört vor allem das Verbot, synthetische Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Märki blieb in diesem schwierigen Jahr nur der Einsatz von Kupfer gegen den Falschen Mehltau.
Pinot Noir, Chasselas und Merlot
Die drei Rotweine, die am Sulzberg gedeihen, sind allesamt traditionelle Züchtungen. Sie stehen für den Weinbau in der ganzen Schweiz, der von diesen althergebrachten, für Pilzerkrankungen anfälligen Reben dominiert wird. Die weinwirtschaftliche Statistik des Bundesamts für Landwirtschaft führt der Pinot Noir mit 3702 Hektaren an. Dahinter folgen Chasselas (3502 ha) und Merlot (1221 ha).
Zum Vergleich: Auf lediglich rund 450 Hektaren oder 3,2 Prozent der gesamten Rebfläche in der Schweiz wachsen pilzresistente Trauben. «Hier am Sulzberg müsste man den Acolon eigentlich ausreissen und durch eine resistente Sorte ersetzen. Schon 2021 hatten wir einen Totalausfall», sagt Peter Märki.
Der Konjunktiv verrät es: Er wird dies nicht mehr tun. Märki ist jetzt 61-jährig. Bis eine neu gepflanzte Rebe die ersten bescheidenen Erträge abwirft, dauert es drei Jahre: «Das wird dann ein Thema für meinen Nachfolger sein.»

Auch in Stäfa und im Weinberg in Oeschgen im Fricktal produziert Märki herkömmliche Sorten, nämlich Pinot Noir. Einzig in Mandach AG hat er vor 25 Jahren eine sogenannte PiWi-Sorte gepflanzt: die Regent-Traube. Die Abkürzung PiWi steht für Pilzwiderstandsfähigkeit.
Was sind PiWi-Weine?
Als PiWi-Reben bezeichnet man pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Diese Rebsorten werden speziell gezüchtet und sind resistent gegen Pilzkrankheiten wie den Echten und den Falschen Mehltau.
Die Züchtung von PiWi-Sorten begann Ende des 19. Jahrhunderts, erlebt aber erst seit einigen Jahren eine Blüte.
Der Auslöser war eine Katastrophe, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts binnen weniger Jahre über den europäischen Weinbau hereinbrach. Rebsorten, die Auswanderer einst mit in die USA genommen hatten, wurden von Botanikern und auch Missionaren zurück nach Europa gebracht. Was damals niemand ahnte: Sie hatten Rebläuse und Krankheiten mit im Gepäck, die es in Europa vorher nicht gab. Innerhalb kürzester Zeit vernichteten die Parasiten sowie der Echte und der Falsche Mehltau die meisten Weinbergflächen.
Gegen die Reblaus fand man die Lösung, indem man die europäischen Edelsorten auf die resistenten Stämme amerikanischer Wildreben pfropfte. Gegen den Mehltau halfen nur Pestizide (chemisch-synthetische oder biologische). Das belastet aber die Umwelt und letztlich auch den Wein.
PiWi-Sorten sind hybride Rebsorten, die aus der Kreuzung der europäischen Spezies Vitis Vinifera mit amerikanischen oder asiatischen Spezies entstehen. Ziel ist es, eine Rebe zu züchten, die hohe Resistenz gegen Pilz- und Parasitenkrankheiten aufweist und zugleich ansprechende Weine hervorbringt. Dadurch soll der Gebrauch von chemischen Produkten oder Pflanzenschutzmitteln im Weinberg auf ein Minimum reduziert werden, ohne auf die Qualität des Endprodukts zu verzichten.
Die Regent-Traube zeigt Märki, was im biologischen Weinbau mit modernen Sorten möglich ist. «Ich habe die Reben im ganzen Jahr lediglich dreimal gespritzt», erzählt er. Anders im Sulzberg: 15-mal musste er die Reben von Juni bis September behandeln, rechnet er vor. Das Problem: «Wenn es nur schon 20 Millimeter regnet, waschen die Regentropfen den ganzen Pflanzenschutz wieder von den Blättern.» Eine Sisyphusarbeit in einem verregneten Frühjahr wie 2024.
Bei aller Mühe: Auf rund 50 Prozent schätzt Märki den Ausfall in Pfäffikon im Vergleich zum Spitzenjahr 2023.
Er ist damit nicht allein. «Jamais vu!», sagt Frank Siffert, Präsident des Vereins Schweizer Naturwein (VSNW) und Winzer in Bonvillars VD über dem Neuenburgersee: «Ein Jahr wie 2024 habe ich noch nie gesehen.» Auf 20 bis 25 Prozent schätzt Siffert die Ausfälle schweizweit im Vergleich zu den letzten beiden Jahren, und zwar im konventionellen wie im biologischen Weinbau.
Über die Qualität des 2024er-Jahrgangs lasse sich noch nicht viel sagen, so Siffert: «Sie wird von den letzten Tagen abhängen, von einem möglichen Befall durch die Suzuki-Fliege, Grauschimmelfäule oder anderen Überraschungen der Natur!»
Zurück nach Pfäffikon: Peter Märkis Vorgänger und Verpächter Martin Gemperle legte am Sulzberg vor einigen Jahren einen kleinen Rebpfad an. 55 verschiedene Sorten wachsen hier. Fein säuberlich angeschrieben, stehen die Rebstöcke im Abstand von rund einem Meter. Selbst der Laie kann die traditionellen Rebsorten von den neuen, pilzresistenten Sorten unterscheiden.
Hier steht ein Stock Grüner Veltliner, komplett leer nach dem Frost und dem Mehltau. Nur einen Meter weiter trägt die PiWi-Sorte Bianca grosse, gesunde Trauben. Der Chardonnay gibt ein trauriges Bild ab, einige Meter weiter steht der pilzresistente Muscat Bleu schwer behangen da.
Dort, wo er Rebstöcke ersetzen musste, hat Peter Märki den ebenfalls resistenten Souvignier Gris gepflanzt. «Vielleicht kann ich in drei Jahren die ersten Flaschen keltern», sagt der Weinbauer aus Leidenschaft.
Bleibt die Frage, warum erst ein verschwindend kleiner Teil der Rebflächen in der Schweiz mit solchen PiWi-Sorten bepflanzt sind, obwohl bis zu 30’000 Franken Fördergelder des Bunds pro Hektare winken.
Für den 61-jährigen Peter Märki ist die Antwort klar: «Das wird dann ein Thema für meinen Nachfolger sein.»
Eine generelle Antwort kommt von Frank Siffert: «Man muss verstehen, dass die Winzer der Nachfrage der Verbraucher folgen müssen. Derzeit wünschen sich die Kunden immer noch die traditionellen Rebsorten wegen ihres Prestiges.» Siffert baut zwar die PiWi-Sorte Divico an, aber auch Pinot Noir, Gamay, Chardonnay und Chasselas.
Für den Bioweinbauern aus Bonvillars ist klar: «Es sind vor allem die Konsumentinnen und Konsumenten, die über den Weinbau der Zukunft entscheiden.»
So erging es den anderen Winzern in der Region
Ein Jahr mit wenig Ertrag erlebt auch das Winzerpaar Edy Pfammatter und Bea Meier in Greifensee. Am Dienstag haben sie in ihrem Weinberg «Chrottebüel» oberhalb des Greifensees den Riesling-Sylvaner geerntet. Die Jahrgänge 2022 und 2023 dieses konventionell angebauten fruchtigen Weissweins wurden am «Grand Prix du Vin Suisse» mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Die Qualität sei auch 2024 wieder gut bis sehr gut, sagt Edy Pfammatter, aber der Ertrag ist bescheiden. «Die Reben haben stark unter dem Falschen Mehltau gelitten. Wir müssen froh sein, dass überhaupt noch etwas übrig geblieben ist.» Lediglich rund 25 Prozent des üblichen Ertrags warfen die Rebstöcke dieses Jahr ab.
Etwas besser präsentiert sich das Bild am Südhang des Stauberbergs in Uster. Rund 30 Prozent geringer als in den letzten Jahren dürfte die Ernte ausfallen, schätzt Winzerin Eveline Heusser. Der viele Regen im Frühjahr habe die Blüte beeinträchtigt. «Aber alles in allem hatten wir es im Griff.»
Auch Eveline Heusser freut sich über eine Auszeichnung des 23er-Jahrgangs: Ihr Ustermer Schlosswein, ein Riesling-Sylvaner, wurde von der Expovina-Jury mit Gold prämiert.
«Wir sind angesichts der Umstände zufrieden», sagt Lukas Pflugshaupt, der in Grüningen drei Hektaren bewirtschaftet. Im Gegensatz zu seinen regionalen Kolleginnen und Kollegen setzt Pflugshaupt stark auf PiWi-Reben: Cabernet Blanc, Souvignier Gris, Seyval Blanc oder Solaris gedeihen in Grüningen.
«Den Cabernet Blanc hat es verrieselt», erklärt Pflugshaupt. Das nasse und kühle Wetter hemmte im Frühling die Blüte dieser PiWi-Traube, auf rund 30 Prozent schätzt er die Ausbeute im aktuellen Jahr. Auch der Solaris sei in den letzten beiden Jahren besser gediehen. «Aber die übrigen Reben haben das schwierige Jahr sehr gut überstanden.»
