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Beerstecher plant 20-Millionen-Investition in Hinwil

Der grösste Gemüsebauer der Region hat grosse Pläne. Wie Thomas Beerstecher seine Produktion in Hinwil ausbauen will.

Thomas Beerstecher ist der grösste Gemüseproduzent in der Region. (Archiv)

Foto: Christian Merz

Beerstecher plant 20-Millionen-Investition in Hinwil

Neues Gewächshaus

Der Gemüseproduzent Thomas Beerstecher verfolgt in Hinwil ambitionierte Ziele: Die Gewächshausfläche soll mehr als verdreifacht werden.

Wer in einer Migros oder einem Coop im Zürcher Oberland Gemüse mit dem Label «Aus der Region» oder «Mini Region» kauft, der legt mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit Tomaten, Peperoni, Gurken oder Salate von Thomas Beerstecher in sein Körbli.

Die Beerstecher AG produziert zwischen Dübendorf und Hinwil auf 150 Hektaren Freilandfläche und auf 50'000 Quadratmetern in Gewächshäusern (entspricht 5 Hektaren) verschiedene Gemüse und Salate.

Nun plant der grösste Gemüseproduzent in der Region einen weiteren Ausbauschritt: In Hinwil will Beerstecher neben dem bestehenden Gewächshaus mit einer Fläche von 33'000 Quadratmetern ein weiteres, mehr als doppelt so grosses Gewächshaus erstellen.

Gewächshaus mit 72’000 Quadratmetern

Auf 72'000 Quadratmetern sollen (im Idealfall) ab 2027 Tomaten, Peperoni und Gurken für den lokalen Bedarf reifen: bewässert mit Regenwasser, das auf den Dächern gesammelt wird, und CO2-neutral beheizt zu einem Grossteil mit Abwärme aus der Kezo.

Luftaufnahme eines Felds bei Hinwil. Im Hintergrund ein grosses Gewächshaus.
Hier im Gebiet Stocken soll das neue Gewächshaus gebaut werden: Im Hintergrund ist die bestehende Anlage der Beerstecher AG zu sehen.

«Die Nachfrage nach regional und klimaneutral produzierten Lebensmitteln steigt», sagt Thomas Beerstecher. Gerade die beiden Grossverteiler Coop und Migros setzen stark auf Regionalität und Nachhaltigkeit – und wollen den Worten auch Taten folgen lassen.

Zudem wachse die Bevölkerung im Kanton genauso wie der Anteil jener, die kein oder weniger Fleisch essen würden, so Beerstecher, der das 1914 In Zürich-Albisrieden gegründete Familienunternehmen in der vierten Generation führt: «Das alles treibt die Nachfrage.»

20 Millionen Franken will der Unternehmer in das neue Gewächshaus und in die energetische Sanierung der bestehenden Hallen in Hinwil investieren. Der Standort im Gebiet Stocken eignet sich aus verschiedenen Gründen: Die Erschliessung über die Wildbachstrasse ist gegeben, von der nahen Kezo kann die Abwärme bezogen werden, und die Topografie ist ideal, nämlich fast topfeben.

Ein Gewächshaus von aussen.
Das bestehende Gewächshaus stammt aus dem Jahr 2015. Es wird im Zuge des Projekts energetisch saniert.

«1000 Lastwagen pro Jahr, die nicht aus Spanien kommen»

Mehr Gemüse bedeutet zwangsläufig auch mehr Verkehr. «Heute verlässt pro Tag ein Lkw unseren Betrieb via Wildbachstrasse», erklärt Thomas Beerstecher. «Mit dem neuen Gewächshaus werden es zwei oder drei Lastwagen pro Tag sein.» Und dann spannt er den Bogen etwas weiter: «Wir sprechen von 1000 Lkw pro Jahr, die nicht aus Spanien kommen, sondern aus der Region.»

Denn rund 32 Prozent der Gemüseimporte in die Schweiz stammen aus dem Süden Spaniens. Noch gilt die Region Almería als Gemüsegarten Europas. Doch dieser Garten ist in Gefahr: Immer längere Dürreperioden lassen Flüsse vertrocknen, die Grundwasserquellen erschöpfen sich.

Die jährliche Niederschlagsmenge in Almería beträgt 221 Millimeter. In Hinwil fallen im Schnitt 1800 Millimeter. «Gemüse, das viel Wasser braucht, müssen wir dort anbauen, wo es Wasser hat», argumentiert Thomas Beerstecher.

Voraussichtlich im Juni 2025 vor die Gemeindeversammlung

Der Neubau erfordert die Revision des bestehenden Gestaltungsplans, der von verschiedenen kantonalen Ämtern genehmigt werden muss. Involviert sind das Amt für Abfall, Energie, Wasser und Luft (Awel), das Amt für Raumentwicklung (Are) und das Amt für Landwirtschaft und Natur (ALN). Sie alle haben dem Familienunternehmen bereits bestätigt, dass der angepasste Gestaltungsplan «genehmigungsfähig» ist.

Seit Freitag liegen die Pläne für die Grossinvestition bei der Gemeinde Hinwil auf. Im Juni 2025 wird das Vorhaben voraussichtlich vor die Gemeindeversammlung kommen. Thomas Beerstecher hofft, im Frühjahr 2026 mit den Bauarbeiten beginnen zu können und das neue Gewächshaus im Januar 2027 in Betrieb zu nehmen.

«Ob wir das gesamte Gewächshaus auf einmal bauen oder in Etappen, das steht noch nicht fest», so der Firmenchef. «Das hängt von den Verhandlungen mit den Kunden ab.»

Mehrere Informationsanlässe

Derzeit bietet Beerstecher mehrere Informationsveranstaltungen in der Gemeinde an, um die Hinwilerinnen und Hinwiler über seine Ausbaupläne zu orientieren. Letzte Woche kamen rund 50 Interessierte an eine Informationsveranstaltung im Saal des Gasthofs Hirschen. Gerade seitens der Anwohner gab es auch kritische Fragen zu Lärm, Verkehr oder der durch die sieben Meter hohe Halle bedrohten Aussicht.

Einfluss hat der Neubau auch auf die Modellfluggruppe Hinwil. Der Verein wird sein Klubhaus und seine beiden Start- und Landebahnen an den Rand des Perimeters verschieben müssen, hat sich aber an einer ausserordentlichen GV mit 62 zu einer Stimme klar hinter das Projekt gestellt.

Thomas Beerstecher plant in den nächsten Wochen mehrere Informationsveranstaltungen im bestehenden Gewächshaus: Diese finden am 17. und 18. September sowie am 2. und 3. Oktober jeweils um 18 Uhr direkt im Gewächshaus statt. Interessierte können sich ab Ende Woche via Website beerstecher.ch anmelden.

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