Pflegende im GZO Spital dürfen weiterhin kürzer arbeiten
Verlängerung um ein Jahr
Das Spital Wetzikon verlängert die 37-Stunden-Woche für Pflegerinnen und Pfleger. Allerdings bleibt das Arbeitszeitmodell befristet.
Die Pflegerinnen und Pfleger im Spital Wetzikon müssen auch weiterhin nur 37,8 Stunden pro Woche arbeiten. Im Juni 2022 hatte das Spital das Arbeitszeitmodell für das Pflegepersonal im Dreischichtbetrieb als Pilotprojekt eingeführt. Die Angestellten arbeiten durch das Modell rund zehn Prozent weniger – bei gleichbleibendem Lohn.
Noch im Februar stand die Weiterführung auf der Kippe. Zwar zog das Spital nach dem Pilotbetrieb insgesamt eine positive Bilanz. Doch wegen der aktuellen Tarifstrukturen sei das Modell langfristig schwierig umsetzbar, hiess es damals.
Die Spitalleitung wollte vorerst nur bis Ende 2024 an der 37,8-Stunden-Woche festhalten und bedingte sich eine Bedenkzeit für einen definitiven Entscheid bis im Sommer aus. Nun ist klar, dass das Arbeitszeitmodell sicher bis Ende 2025 weitergeführt wird.
Positive Auswirkungen auf Personalsituation
Ausschlaggebend für den Entscheid waren mehrere Faktoren. Dazu gehören eine Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit, eine tiefere Fluktuation sowie eine grössere Verbundenheit des Personals.
Die Erkenntnisse sind aus einer begleitenden Studie zum Pilotprojekt hervorgegangen. Das Spital hatte sie bereits im Februar in seiner Bilanz positiv hervorgehoben. «Das derzeitige Arbeitszeitmodell trägt mit mehr Erholungszeit zu einer Entlastung im belastenden Pflegeberuf und weniger Einsätzen von Temporärpersonal bei», schreibt das Spital heute.
Zudem seien die genannten Faktoren in einer provisorischen Nachlassstundung, in der sich das Spital aktuell befinde, von zentraler Bedeutung. Aber auch ganz generell würden sie zur Attraktivität des Pflegeberufs beitragen.
Das zeigt sich auch in der aktuellen Personalsituation. Nachdem die Unsicherheit durch den Gang in die Nachlassstundung offenbar mehrere Abgänge in der Pflege zur Folge gehabt hatte, hat inzwischen eine Stabilisierung eingesetzt. Aktuell gebe es nur wenige Kündigungen, die Fluktuation bewege sich «im normalen Rahmen».
Schwierige Finanzierung
Dennoch stellt sich die Frage nach der Finanzierung des Modells. Es war ebenjener Faktor, mit dem im Februar die befristete Laufzeit begründet worden war. Seither hat sich die finanzielle Lage nicht verbessert. Ganz im Gegenteil, das Spital ist in eine Krise abgerutscht.
>> Lesen Sie hier, was in der Wetziker Spitalkrise bisher passiert ist.
Offen ist nach wie vor die Rückzahlung der 170-Millionen-Anleihe. Daraus resultierte der Gang in die Nachlassstundung. Ende April machte das GZO zudem einen Verlust in Höhe von 11,6 Millionen Franken aus dem vergangenen Betriebsjahr publik.
Das Spital hält auf Nachfrage fest, dass sich diesbezüglich an der Ausgangslage nichts geändert habe. Es verweist auf die stabilen, nicht kostendeckenden Tarife und gleichzeitig steigende Spitalkosten. Für das aktuelle und das kommende Jahr ist das Arbeitszeitmodell aber im Budget berücksichtigt.
Letztlich müsse man die Kosten genau abwägen. «Wichtig ist, dass wir nicht dort sparen, wo am Ende Engpässe entstehen und uns Pflegefachkräfte fehlen», so das GZO. Ausserdem habe das Spital gerade durch den Einsatz von weniger Temporärpersonal die Kosten «massiv senken» können.
Einfluss der Pflegeinitiative
Dennoch gilt die 37,8-Stunden-Woche nach wie vor nur befristet. Grund dafür ist die ausstehende Umsetzung der zweiten Etappe der Pflegeinitiative. Ende 2021 hatte die Schweizer Stimmbevölkerung die Initiative angenommen, die eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal forderte.
Das GZO Spital will in der Umsetzungsphase neben dem aktuellen noch weitere Arbeitszeitmodelle prüfen. Es hält allerdings auch fest: «Alle Verbesserungen der Arbeitsbedingungen ziehen finanzielle Konsequenzen nach sich.» Am Ende liege es auch an der Politik, im Rahmen der Pflegeinitiative tragbare Lösungen zu erarbeiten.