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Wie glaubwürdig ist die Gläubigergruppe des GZO Spitals?

Eine Gläubigergruppe stellt Forderungen an die GZO AG. Ein konstruktiver Vorschlag oder viel Lärm um nichts?

«Herzlich willkommen» ist die Gläubigergruppe um Investor Gregor Greber im GZO Spital Wetzikon eher nicht.

Foto: Marie Fredericq

Wie glaubwürdig ist die Gläubigergruppe des GZO Spitals?

Spital in der Krise

Das GZO Spital Wetzikon kämpft um sein Überleben. Nun ist eine Gläubigergruppe auf den Plan getreten. Ihr Vorgehen wirft Fragen auf.

Es ist die jüngste Turbulenz im Kampf des GZO Spitals in Wetzikon um sein Überleben: Vor zehn Tagen ist die sogenannte GZO Creditor Group um den Zürcher Financier Gregor Greber auf den Plan und an die Öffentlichkeit getreten. Die Gruppe vertritt nach eigenen Angaben 6,56 Prozent der ausstehenden Obligationenanleihe der GZO AG; das sind 11,2 von 170 Millionen Franken.

Einen ersten (Teil-)Erfolg konnte die Gruppe bereits verbuchen: Am Montag, 22. Juli, hatte das GZO Spital Wetzikon informiert, dass es innert 20 Tagen zu einer Gläubigerversammlung laden wird.

Artikel 1165 des Obligationenrechts besagt, dass eine Gläubigerversammlung durch den Schuldner einzuberufen ist, «wenn Anleihensgläubiger, denen zusammen der zwanzigste Teil des im Umlauf befindlichen Kapitals zusteht», dies verlangen. Die Greber-Gruppe erfüllt diese Bedingung.


>> Lesen Sie hier, was bisher in der Wetziker Spitalkrise passiert ist.


An der Sanierung der GZO AG, die sich seit dem 2. Mai in provisorischer Nachlassstundung befindet, sind grundsätzlich drei Parteien beteiligt: Da sind einerseits die Sachwalter; sie überwachen den Schuldner und prüfen, wie eine vollständige Sanierung und eine Weiterführung des Unternehmens oder zumindest von Teilen davon gelingen können. Ihr Ziel ist es, das Unternehmen zu retten.

Dazu haben sie einen recht grossen Entscheidungsspielraum, aber sie benötigen die Rückendeckung der Justiz. «Das heisst, sie werden alle ihre Entscheidungen vor dem Hintergrund fällen, dass sie auch nach einer richterlichen Beurteilung im Nachlassverfahren Bestand haben», erklärt der Wirtschaftsjurist Fabio Babey von der Zürcher Kanzlei IXAR Legal AG.

Da sind auf der anderen Seite die Gläubiger des GZO Spitals, unter anderen die GZO Creditor Group. Auch die Gläubiger haben ein vitales Interesse am Weiterbestehen des Spitals. Nur so haben sie die Chance, ihr Geld, oder wenigstens einen Teil davon, wiederzusehen.

Und da sind als dritte Partei die Spitalleitung und damit auch das aus zwölf Gemeinden bestehende Aktionariat. Auch sie wollen, dass das Spital überlebt.

Drei Parteien, dasselbe Interesse

Drei Parteien also, die alle dasselbe Interesse haben und die deshalb alle miteinander kommunizieren … sollten.

Die Sachwalter stehen in engem Kontakt mit Spitaldirektor Hansjörg Herren und Verwaltungsratspräsident Jörg Kündig. Mittlerweile gab es auch Gespräche der Spitalleitung mit Gregor Greber, dem eigentlichen Frontmann der Gläubigergruppe. Er will als Beobachter ohne Stimmrecht auch im Verwaltungsrat Einsitz nehmen.

Vorrangiges Ziel der Gruppe ist die Verlängerung der am 12. Juni fällig gewordenen Obligationenanleihe von 170 Millionen Franken um drei Jahre bis 2027, abgesichert durch die Verpfändung von GZO-Immobilien und mit periodisch steigenden Zinsen.

Gemäss dem Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) seien eine Verlängerung der Obligationenanleihe und auch die Anpassung des Zinssatzes durchaus möglich, sagt Wirtschaftsjurist Babey. Und: «Natürlich ist es sinnvoll, zunächst einmal das Gespräch mit den Sachwaltern zu suchen und sich auszutauschen.»

«Wir stehen Gesprächen offen gegenüber»

Auf Nachfrage bei den Sachwaltern Brigitte Umbach-Spahn und Stephan Kesselbach von der Anwaltskanzlei Wenger Plattner, lassen diese per E-Mail ausrichten: «Die betreffende Gruppe von Anleihensobligationären hat sich bislang nicht bei den Sachwaltern gemeldet. Die Sachwalter stehen Gesprächen mit Gläubigern, die den direkten Kontakt suchen, offen gegenüber.»

«Die Hauptaufgabe des Sachwalters ist die Überwachung des Schuldners. Alle Informationen, Konzepte und Pläne sowie Vorschläge müssen jedoch von der GZO kommen», teilt die Gläubigergruppe via eine Kommunikationsagentur mit. Die Sachwalter hätten «eine wichtige, aber in erster Linie formale Position». Die Gruppe werde diese kontaktieren, sobald formale Aspekte wichtig würden.

Man sei über die «Initiative einer kleinen Gruppe von Anleihensobligationären informiert worden», lassen Umbach-Spahn und Kesselbach ausrichten. Die Prüfung der Vorschläge sei vorderhand Aufgabe der GZO AG.

Diese hatte sich schon kurz nach Bekanntwerden ablehnend geäussert. Und auch das Statement der Sachwalter lässt wenig Spielraum für Interpretationen zu: «Ziel muss es sein, die Interessen aller Gläubiger – und nicht nur diejenigen einer Gläubigergruppe – bestmöglich zu wahren.»

Die Sachwalter sprechen hier auch auf die Forderung der Greber-Gruppe an, «58’000 Quadratmeter erstklassiger Immobilienflächen in Wetzikon» zu verpfänden, «die den Anleihensgläubigern zusätzliche Sicherheiten bieten würden».

Die Einräumung von Sicherheiten gegenüber einzelnen Gläubigern würde nach Ansicht der Sachwalter das Gebot der Gläubigergleichbehandlung verletzen, wenn nicht sichergestellt ist, dass die Forderungen aller bestehenden Gläubiger vollständig befriedigt werden. Das Argument der Gleichbehandlung war auch von der Spitalleitung ins Feld geführt worden.

Wie weiter also? Um ihre Forderungen an der Gläubigerversammlung durchzusetzen, benötigt die Gruppe um Gregor Greber eine Mehrheit von zwei Dritteln des Nennwerts der Obligationenanleihe. Diese zwei Drittel gilt es, von den eigenen Ideen zu überzeugen.

Doch damit ist es nicht getan, denn Anpassungen am Anleihensvertrag zur Schaffung von zusätzlichen Gläubigerrechten – im Fall GZO der höhere Zins oder die Besicherung durch Verpfändung – können nur mit Zustimmung der GZO überhaupt umgesetzt werden.

«Nebulös ist die Arbeit der GZO AG»

Mit anderen Worten: Mit dem Vorpreschen scheint die Gruppe um Gregor Greber in erster Linie Druck auf das GZO Spital und auf die Sachwalter ausüben zu wollen. Eine Nebelpetarde also, deren Rauch sich bald verziehen wird?

Im Gegenteil, meint der Sprecher der GZO Creditor Group: «Nebulös ist leider die Arbeit der GZO AG und ihrer Berater. Statt offen zu kommunizieren und Vertrauen zu schaffen, versteckt man sich vor einer konstruktiven Lösungsfindung.» Eine Beendigung der provisorischen Nachlassstundung sei im Interesse aller Beteiligten: «Aber auch dann muss die Arbeit an einer Sanierungslösung mit der GZO weitergehen.»

Die Nachlassstundung sei für das Spital «der schlechtere Weg, mit mehr Unwägbarkeiten. Über dem operativen Tagesgeschäft schwebt ständig das Damoklesschwert der Liquidation.» Es hätten sich bei der Gruppe auch bereits verunsicherte Spitalangestellte gemeldet, «die sich um ihre Lohnzahlungen sorgen und die Initiative der Creditor Group begrüssen».

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