Meier Tobler kämpft an mehreren Fronten
Enttäuschende Zahlen
Vertrauen ist schneller verspielt als aufgebaut. Der Gebäudetechnik-Spezialist Meier Tobler aus Schwerzenbach blickt auf ein schwieriges erstes Halbjahr zurück.
Die nackten Zahlen vorneweg: Meier Tobler wies für das erste Halbjahr 2024 einen Nettoumsatz von 238,7 Millionen Franken aus. Das ist ein Rückgang im Vergleich zur Vorjahresperiode von 13,6 Prozent (276,4 Millionen).
Das fehlende Umsatzvolumen führte zu einem deutlich tieferen Betriebsergebnis auf Stufe Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen). Dieses lag mit 17,1 Millionen Franken um 36,2 Prozent unter dem Vorjahreswert (26,9 Millionen).
Die Ebitda-Marge (also das Betriebsergebnis geteilt durch den Umsatz) reduzierte sich auf 7,2 Prozent (Vorjahr 9,7 Prozent). Unter dem Strich resultierte für das erste Halbjahr 2024 ein Konzerngewinn von 8 Millionen Franken – im ersten Semester 2023 waren es noch 16 Millionen gewesen.
Dies hat auch damit zu tun, dass Meier Tobler jährlich Goodwill-Abschreibungen aus der Akquisition der Tobler Haustechnik AG im Jahr 2017 vornimmt. Ohne diesen nicht liquiditätswirksamen Effekt resultiert ein Minus von 17 Prozent.
Aktienkurs fällt zeitweise um 15 Prozent
Die Analysten hatten offensichtlich mehr vom Gebäudetechnik-Spezialisten aus Schwerzenbach erwartet: Die Aktie rauschte nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen bis zu 15 Prozent in den Keller auf ein 52-Wochen-Tief von 27,75 Franken. Im Laufe des Tages erholte sie sich und notierte am Nachmittag wieder über 30 Franken (– 7 %).
Für dieses dicke Minus in allen wichtigen Kennzahlen gibt es Gründe. Einer davon steht in Oberbuchsiten im Kanton Solothurn. Hier nahm Meier Tobler vor einem Jahr ein neues, hoch automatisiertes Logistikzentrum in Betrieb, das lange nicht so funktionierte, wie es sollte. Von September bis Dezember 2023 hatte Meier Tobler mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen.
Vertrauen verloren, Kunden vergrault
«Die vollständige Rückgewinnung des verlorenen Kundenvertrauens erweist sich als anspruchsvoll, obwohl die Lieferprobleme behoben werden konnten und die Logistikleistung wieder auf einem guten Niveau ist», schreibt Meier Tobler in der Mitteilung zum Halbjahresergebnis. Kurzum: Kunden kann man innert Sekunden vergraulen, sie zurückzugewinnen, dauert länger.
Dieses verlorene Vertrauen wirkt sich auf die Umsätze im Handelsgeschäft aus, wo das Schwerzenbacher Unternehmen mit 47 Fachmärkten und dem E-Shop für Geschäftskunden eine führende Stellung im Markt einnimmt.
Ein weiterer Punkt für das enttäuschende Ergebnis kommt von aussen: Der Schweizer Baumarkt entwickelt sich nur verhalten; die Investitionen in den Wohnungsmarkt sind trotz steigender Wohnungsnot rückläufig. Immerhin sieht Meier Tobler im ersten Halbjahr eine Trendwende hinsichtlich Baubewilligungen.
Im Geschäft mit Wärmepumpen ist der Höhepunkt überschritten. Nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Frühjahr 2022 mit steigenden Gas- und Ölpreisen war dieses Segment bis Sommer 2023 zweistellig gewachsen. Mittlerweile hat sich die Nachfrage normalisiert. Stabil entwickelte sich das Servicegeschäft. Hier konnte Meier Tobler deutlich mehr Serviceverträge für Wärmepumpen verkaufen.
Aussichten fürs ganze Jahr vorsichtig positiv
Für das zweite Halbjahr rechnet Meier Tobler mit einer deutlich besseren Umsatzentwicklung als im ersten Semester, wie das Unternehmen weiter schreibt. Trotzdem werde das Ergebnis für das Gesamtjahr 2024 unter dem Vorjahr liegen. Die Dividende auf Vorjahresniveau (1,30 Franken pro Namenaktie) sei aber nicht gefährdet.
Nach den Schwierigkeiten mit dem Logistikzentrum in Oberbuchsiten ist Meier Tobler derzeit mit einer zweiten «Grossbaustelle» beschäftigt: Die IT-Infrastruktur der beiden Vorgängergesellschaften Walter Meier AG und Tobler Haustechnik AG wird vereinheitlicht. Am 1. Januar 2025 soll das neue SAP-System laufen. Ursprünglich war die Einführung schon für dieses Jahr geplant. CEO Roger Basler hatte aber bereits im Februar angekündigt, dass die neue IT-Lösung erst 2025 komme: «Die Risikoaversion bei mir ist gestiegen.»
