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Erst stehlen sie dem Bauern aus Nänikon Eier – jetzt auch Geld

Seit mehreren Wochen beschäftigen einen Näniker Bauern die Diebstähle auf seinem Hof. Nun zieht er seine Konsequenzen daraus.

Bis zu vier Eier werden pro Tag auf dem Bauernhof in Nänikon gestohlen.

Foto: Jan Gubser

Erst stehlen sie dem Bauern aus Nänikon Eier – jetzt auch Geld

Opfer von Dieben

Über Nacht verschwanden Eier aus dem offenen Kühlschrank eines Bauernhofs in Nänikon. Und nun brachen Unbekannte auch noch die Kasse auf.

So viel Pech kann man kaum haben. Als Markus Hager an einem Morgen Anfang Juli die wenigen Schritte von seinem Haus in Nänikon zur Scheune geht, kann er es kaum glauben. Schon wieder wurde der 65-jährige Bauer bestohlen. Dieses Mal musste das Geld aus der Kasse des Hofladens dran glauben. Sie ist an der Aussenwand des Stalls montiert.

Die Diebe benutzten für ihre Tat einen Hammer, den sie zuvor aus dem Stall des Bauern gestohlen hatten. Hager schätzt, dass sich 100 bis 200 Franken in der Kasse befanden. Eine Anzeige hat Hager bei der Polizei aufgegeben. Diese hat den Hammer und die Kasse zur Spurensicherung mitgenommen. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur.

Eine aufgebrochene Kasse hängt an der Wand, unten liegt ein Hammer.
Aus der Kasse stahlen Diebe geschätzt zwischen 100 und 200 Franken.

Vor dem Geld waren die Eier weg

Dieser Diebstahl ist die Spitze des Eisbergs. Bereits vor Wochen hatten Unbekannte grosse Mengen an Eiern aus dem Kühlschrank des Hofladens gestohlen. «Mir ist in den letzten zwei bis drei Monaten aufgefallen, dass mehr Eier als sonst geklaut wurden», erzählt Hager.

Gleich an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden verschwanden über 300 Eier, wie das Gemeindeblatt «Nachrichten aus Greifensee» berichtete. Erst wusste Hager nicht, was mit seinen Lebensmitteln geschehen war.

Markus Hager auf seinem Bauernhof in Nänikon.
Markus Hager versteht es nicht, weshalb man seine Lebensmittel zerstört hat.

Nach der Berichterstattung in der lokalen Zeitung meldeten dann gleich mehrere Nachbarn dem Bauern, die Eier seien an Türen und Fenster sowie auf Terrassen der umliegenden Gebäude geworfen worden. Einige kaputte Eier und leere Eierschachteln lagen auch bei den umliegenden Schulhäusern.

«Ich finde es eine Schweinerei, dass es Leute gibt, die Lebensmittel zerstören», sagt der 65-Jährige. Er steckt viel Zeit in seinen Hof, den er mit seiner Frau führt. Gemeinsam kümmern sie sich um ihre Hühner und Pferde. Ein Grossteil der Arbeit fliesst zudem in den Ackerbau.

Den Selbstbedienungshofladen betreiben sie seit einigen Jahren. Früher gab es Eier und Milch aus dem frei stehenden Kühlschrank zu kaufen. Heute beschränkt sich das Angebot auf Eier. Pro Tag verkaufen sie 30 bis 40 Stück. Davon werden ein bis vier Eier gestohlen.

Nach den vielen Eierdiebstählen reagierte der Bauer und legte die Eier nur noch von 8 bis 21 Uhr in den Kühlschrank. «Es ist schon ein zusätzlicher Aufwand, weil ich immer daran denken muss, die Eier herauszunehmen und wieder hineinzulegen.»

Eier stehen in einem Kühlschrank auf einem Bauernhof in Nänikon.
Über die Nacht stahlen Unbekannte Hunderte Eier aus dem Kühlschrank.

Jetzt, nachdem auch noch Geld gestohlen wurde, hat er langsam genug: «Ich überlege mir wirklich, ob ich mit dem Eierverkauf aufhören möchte.» Zuvor spielte Hager mit dem Gedanken, eine Überwachungskamera zu installieren. Diese müsste er aber genug hoch montieren, damit sie nicht gleich zerstört würde.

Aus finanzieller Sicht haben die Diebstähle einen Einfluss auf die Preise. «Schliesslich bezahlen es einfach die ehrlichen Leute, die pro Ei mehr bezahlen müssen», so Hager. Alternativen wie Automaten kommen für ihn nicht infrage. Diese kosten gerne mal 5000 bis 10’000 Franken.

Anderer Hof, ähnliche Probleme

Bei den meisten Bauern in der Region halten sich die Diebstähle in Grenzen. Oft liegen die Höfe etwas abgeschieden; die grosse Laufkundschaft bleibt aus. Die Familie des Bauernhofs Bodengut in Hinwil geniesst eine direkte Sicht vom Küchenfenster auf den Hofladen. Beobachtet sie, wie jemand etwas stehlen will, kann die Familie die Leute mehrheitlich direkt darauf ansprechen.

Beim Hofladen des Talacherhofs in Illnau stehlen die Leute besonders häufig über Mittag oder am späteren Abend. Im Schnitt werden trotz Videoüberwachung zwischen fünf und zehn Prozent nicht bezahlt. «Manche Leute nehmen das Smartphone hervor und tun nur so, als ob sie eine Überweisung per Twint tätigen», erklärt Patrick Vollenweider von der Bauernfamilie, die den Talacherhof bewirtschaftet.

Früher kam es gar vor, dass Bargeld gestohlen wurde: «Es war schon bitter, wenn jemand gleich die ganze Kasse mitnahm.» Heute liegt in der Kasse nur noch wenig Wechselgeld. Die Scheine müssen zudem durch einen Schlitz in einen geschlossenen Kasten geworfen werden.

Inzwischen sind die Diebstähle beim Talacherhof etwas zurückgegangen. «Während der Corona-Pandemie wurde am meisten mitgenommen», so Vollenweider. Der Bauernhof verzeichnete in dieser Zeit gesamthaft aber auch mehr Kundinnen und Kunden.

Das sagt die Stadtpolizei Uster

Mit Ausnahme des Vorfalls bei Markus Hager registrierte die Stadtpolizei Uster in diesem Jahr noch keine Diebstähle bei Bauernhofläden. Diese gingen in der Tendenz ohnehin etwas zurück. Allerdings kam es letztes und dieses Jahr zu sieben Vorfällen in Selbstbedienungsblumenläden in der Region Niederuster. Es wurden jedoch alle Diebstähle aufgeklärt.

Die Stadtpolizei Uster empfiehlt den Bauern, auf Bargeld zu verzichten. Bezahlungen sollen im Idealfall digital über Twint angeboten werden. Des Weiteren kann eine Kamera zur Überwachung montiert werden. Diese soll aber nur bei der Erfassung von Bewegungen aufnehmen. Zudem darf sie nur den privaten Bereich filmen. Schilder mit dem Hinweis «Diebstahl lohnt sich nicht; es erfolgt eine Anzeige» oder «Achtung videoüberwacht» seien sinnvoll. Alternativ können Bauernhöfe auch auf Automaten umrüsten. (jgu)

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