Für diese Milch braucht es keinen Trennungsschmerz
Dank muttergebundener Kälberhaltung
In der Milchwirtschaft werden Mütter und Kälber traditionell bei der Geburt getrennt. Dieses Vorgehen ist heute nicht mehr alternativlos.
Es ist ein herzzerreissender Moment und doch Alltag in der Milchwirtschaft: Sobald eine Milchkuh ein Kalb zur Welt bringt, wird ihr dieses innert Tagen oder sogar Stunden weggenommen. Es wird separat aufgezogen und in der Regel nach einigen Wochen in einen Mastbetrieb überstellt. Die Mutter bleibt mit ihrem emotionalen Schmerz zurück.
Umgekehrt wird das Kalb nie die Nähe und Fürsorge seiner Mutter spüren. Mehr noch: Auch von der Muttermilch wird es nie zehren können. Diese ist gänzlich dem Menschen vorbehalten, denn dessen Hunger ist beträchtlich.
300 Kilogramm an Milch und Milchprodukten konsumierten die Schweizerinnen und Schweizer 2021 pro Kopf. Eine Menge, die nur produziert werden kann, wenn die Milchkühe an ihre Leistungsgrenzen gebracht werden, jedes Jahr einmal kalbern – und das Trennungstrauma wieder und wieder durchleben müssen.
Das Familienglück kostet
Mit der muttergebundenen Kälberhaltung, gerne auch Mutter-Kalb-Haltung (Muka) genannt, gibt es indessen eine Alternative. Dabei dürfen die Kälber bis zu sechs Monate bei der Mutter bleiben. Diese wird zwar immer noch gemolken, säugt aber auch ihr eigenes Jungtier.
Rein technisch bleibt die Milch dieselbe, doch glauben manche, dass der tiefere Stresslevel der Tiere einen Einfluss auf die Qualität hat. Vor allem aber profitiert das Kalb, das sich so unter natürlichen Bedingungen entwickeln kann und durch die nahrhafte Muttermilch resistenter wird.
Obschon diese tierfreundliche Haltung inzwischen seit vier Jahren legal ist, gibt es in der Schweiz bislang nur 23 Betriebe, die sie umsetzen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Weil die Kälber mittrinken, verringert sich die Milchproduktion um 30 Prozent. Dementsprechend teurer ist das Produkt.
Es braucht also auch ein Stück Idealismus der Abnehmerinnen und Abnehmer. Einen Idealismus, wie ihn der Hinteregger Gelatiere Noah Bühler an den Tag legt.

Er bezieht seine Muka-Milch beim Ro-Sa-Biohof in Gommiswald, dem von ihm nächst gelegenen Produzenten. Bühler ist damit in der Glace-Branche ein Pionier.
Doch viele Schweizerinnen und Schweizer teilen seine Gefühle. In einer Umfrage im Rahmen eines Artikels auf den TA-Media-Plattformen äussern 95 Prozent der Teilnehmenden ihre Bereitschaft, bis zu 30 Prozent oder mehr für diese Milch zu bezahlen. Mehr noch: Im selben Beitrag geben die Grossisten Coop und Lidl Schweiz an, dass bereits Abklärungen zur Einführung von Muka-Produkten im Gange sind.
