Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Wirtschaft

Für diese Milch braucht es keinen Trennungsschmerz

Tierfreundliche Milchwirtschaft hat Potenzial, findet der Egger Gelatiere Noah Bühler. Inzwischen sind auch Grossisten wie Coop und Lidl dieser Meinung.

Tierfreundliche Mutter-Kalb-Haltung in Gommiswald: Aus dieser Milch stellt die Egger Firma Gelatissimo ihr Glace her.

Foto: PD

Für diese Milch braucht es keinen Trennungsschmerz

Dank muttergebundener Kälberhaltung

In der Milchwirtschaft werden Mütter und Kälber traditionell bei der Geburt getrennt. Dieses Vorgehen ist heute nicht mehr alternativlos.

Es ist ein herzzerreissender Moment und doch Alltag in der Milchwirtschaft: Sobald eine Milchkuh ein Kalb zur Welt bringt, wird ihr dieses innert Tagen oder sogar Stunden weggenommen. Es wird separat aufgezogen und in der Regel nach einigen Wochen in einen Mastbetrieb überstellt. Die Mutter bleibt mit ihrem emotionalen Schmerz zurück.

Umgekehrt wird das Kalb nie die Nähe und Fürsorge seiner Mutter spüren. Mehr noch: Auch von der Muttermilch wird es nie zehren können. Diese ist gänzlich dem Menschen vorbehalten, denn dessen Hunger ist beträchtlich.

300 Kilogramm an Milch und Milchprodukten konsumierten die Schweizerinnen und Schweizer 2021 pro Kopf. Eine Menge, die nur produziert werden kann, wenn die Milchkühe an ihre Leistungsgrenzen gebracht werden, jedes Jahr einmal kalbern – und das Trennungstrauma wieder und wieder durchleben müssen.

Das Familienglück kostet

Mit der muttergebundenen Kälberhaltung, gerne auch Mutter-Kalb-Haltung (Muka) genannt, gibt es indessen eine Alternative. Dabei dürfen die Kälber bis zu sechs Monate bei der Mutter bleiben. Diese wird zwar immer noch gemolken, säugt aber auch ihr eigenes Jungtier.

Rein technisch bleibt die Milch dieselbe, doch glauben manche, dass der tiefere Stresslevel der Tiere einen Einfluss auf die Qualität hat. Vor allem aber profitiert das Kalb, das sich so unter natürlichen Bedingungen entwickeln kann und durch die nahrhafte Muttermilch resistenter wird.

Obschon diese tierfreundliche Haltung inzwischen seit vier Jahren legal ist, gibt es in der Schweiz bislang nur 23 Betriebe, die sie umsetzen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Weil die Kälber mittrinken, verringert sich die Milchproduktion um 30 Prozent. Dementsprechend teurer ist das Produkt.

Es braucht also auch ein Stück Idealismus der Abnehmerinnen und Abnehmer. Einen Idealismus, wie ihn der Hinteregger Gelatiere Noah Bühler an den Tag legt.

Noah Bühler von Gelatissimo in Egg steht bei seiner Glacémaschine.
Ein Pionier in der Glace-Branche: Noah Bühler aus Egg.

Er bezieht seine Muka-Milch beim Ro-Sa-Biohof in Gommiswald, dem von ihm nächst gelegenen Produzenten. Bühler ist damit in der Glace-Branche ein Pionier.

Doch viele Schweizerinnen und Schweizer teilen seine Gefühle. In einer Umfrage im Rahmen eines Artikels auf den TA-Media-Plattformen äussern 95 Prozent der Teilnehmenden ihre Bereitschaft, bis zu 30 Prozent oder mehr für diese Milch zu bezahlen. Mehr noch: Im selben Beitrag geben die Grossisten Coop und Lidl Schweiz an, dass bereits Abklärungen zur Einführung von Muka-Produkten im Gange sind.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns