«Wir wollen die dauerhafte Belebung auf ein höheres Niveau bringen»
The Valley Lindau
95 Prozent der Flächen sind vermietet, man ist bestens im Businessplan – und doch gibt es für die Entwickler des Standorts The Valley in Kemptthal noch Luft nach oben.
Seit mittlerweile fünf Jahren wird im Valley Kemptthal gearbeitet, entwickelt und geforscht. Der zehnjährige Businessplan der MA Kemptthal Besitz AG kam aber schon 2018 ins Laufen, als sie den grössten Teil des ehemaligen Maggi-Fabrikareals von Givaudan erwarb.
Bis 2028 soll das Areal mit rund 45’000 Quadratmetern Gewerbefläche voll vermietet sein und 1500 Personen Arbeitsplätze bieten. Im Interview spricht Standortleiter Mikula Gehrig über bisherige Herausforderungen und künftige Visionen für das Areal.
Im Juni 2019 wurde das Valley der Öffentlichkeit übergeben. Wie viele Firmen sind aktuell in der ehemaligen Maggi-Fabrik eingemietet?
Mikula Gehrig: Der Stand momentan liegt bei rund 150 Unternehmen mit insgesamt rund 1100 Arbeitsplätzen. Für die Anzahl Mieter haben wir uns kein konkretes Ziel gesetzt. Wichtiger sind für uns ein nachhaltiger Mietermix und eine stabil vermietete Fläche. Da sind wir sehr gut im Plan, gerade einmal 5 Prozent stehen aktuell noch leer.
Ein Grossteil der Mieter ist im Lebensmittelbereich beheimatet, gleichzeitig haben Sie von Beginn an auf eine Durchmischung gesetzt. Gab es schon Anfragen, die Sie trotzdem abgelehnt haben?
Ein paar wenige, darunter eine Anfrage aus dem Rotlichtmilieu, was für uns per se tabu ist. Aber auch ein Tierkrematorium auf dem Gelände mussten wir ablehnen. Zwar hätte das faktisch wohl wenig gestört, wäre aber psychologisch schwierig gewesen. Einem Schmiedebetrieb mussten wir aus Lärmgründen absagen. Die alten Fabrikmauern sind schallschutztechnisch eine zu grosse Herausforderung. Auch einen Kunststoffproduzenten mussten wir abweisen, da dessen Abfallprodukte einer speziellen Entsorgung bedurft hätten. Da im Herbst unsere interne Abwasserreinigung eingestellt wird, wäre das nicht möglich gewesen.

Wo fliesst denn das Abwasser aus dem Valley künftig hin?
In die öffentliche Ara. Wir passen nach und nach die Hinterlassenschaften der ehemaligen Maggi-Fabrik an die modernen Umstände an. Vom Abwasser über das Frischwasser bis hin zur Heizung funktionierte das Maggi-Areal wie ein eigener kleiner Ort, unabhängig von den öffentlichen Betreibern. Im letzten Jahr wurde nun die alte Heizung ausser Betrieb genommen und durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzt – für ein solches Gebiet eine Riesenübung. Aber durch diese Anpassungen können Betriebskosten enorm gespart werden. Bei so alten Gebäuden macht dies viel aus. Zudem werden aktuell Photovoltaikanlagen montiert.
Im letzten Jahr stimmte die Lindauer Gemeindeversammlung dem privaten Gestaltungsplan Kemptthal zu, der die Rahmenbedingungen für die Entwicklung im Valley festsetzt. Was ist seither geschehen?
Der Plan liegt aktuell noch beim Kanton zur Prüfung. Die grosse Frage ist, ob ein Hotelbetrieb auf dem Areal zulässig ist. Wir haben viele internationale Firmen auf dem Gelände, die immer wieder auf Übernachtungsmöglichkeiten angewiesen sind. Dass in Winterthur die Betten zu knapp sind, ist kein Geheimnis. Und durch die vielen Arbeitsplätze ist auch der Pendlerverkehr ins Valley belastet. Ein Hotel würde diese Situation entspannen. Dass der Kanton jetzt zögert, löst bei uns Unverständnis aus.
Ist das Valley auch für Touristen interessant?
Auf jeden Fall, das grosse Interesse an Führungen durch die historischen Gebäude hat uns sogar überrascht. Es gab so viele Anfragen, dass wir jemanden extra dafür hätten einstellen müssen. Nun arbeiten wir mit House of Winterthur zusammen, und die Führungen können unter anderem direkt über Tourismus Winterthur gebucht werden. Allein im letzten Jahr waren es über 90 geführte Rundgänge über das Gelände.
Man darf nicht vergessen: Jede Veranstaltung ist ein Störfaktor für den Normalbetrieb.
Mikula Gehrig
Anfang Jahr hat die Valley Hall ihre Türen geöffnet, es sollen noch vermehrt Veranstaltungen stattfinden. Wie viele Besucher kommen unabhängig vom Arbeitsplatz zum Verweilen hierher?
Wenn es darum geht, Leute in ihrer Freizeit ins Valley zu ziehen, gibt es bestimmt noch Luft nach oben. Veranstaltungen werden zwar gut besucht, und in der zweiten Wochenhälfte sind es abends zahlreiche Personen, die bei den diversen Gastrobetrieben einkehren. Es gibt auch einige internationale Firmen hier, bei denen aufgrund der Zeitverschiebung in der Nacht gearbeitet wird. Doch wir wollen die dauerhafte Belebung auf ein höheres Niveau bringen.
Wie soll das gelingen?
Die Anzahl der Veranstaltungen muss steigen, und zwar mit einem breiten kulturellen Angebot. Ich denke da etwa an Theater kombiniert mit einem Restaurant wie etwa das Casinotheater in Winterthur. Zwar können wir mit der Valley Hall auch durch die Ausweitung auf die Aussenbereiche Platz für einige tausend Personen bieten. Aber man darf dabei nicht vergessen: Jede Veranstaltung ist ein Störfaktor für den Normalbetrieb. Wir befinden uns nach wie vor in einem Prozess.
Was sind die nächsten Schritte auf dem Areal?
Nach der Sanierung der bestehenden Gebäude haben letztes Jahr die Bauarbeiten für unseren ersten Neubau begonnen. Das siebenstöckige Gewerbe- und Bürohaus mit rund 5000 Quadratmetern wird im nächsten Frühling fertig und ist bereits beinahe voll vermietet. Drei weitere Projekte befinden sich in der Planung: Im ehemaligen Kohlebunker soll ein Restaurant entstehen, im Kesselhaus eine weitere Eventhalle, und dazu kommt noch ein neues Parkhaus. Der zehnjährige Businessplan ist noch auf die Bestandesbauten ausgelegt. Und da läuft es definitiv über den Erwartungen.
2002 kauft der Aromen- und Riechstoffhersteller Givaudan das ehemalige Maggi-Areal. 2013 schreibt Givaudan das rund 100'000 Quadratmeter grosse Areal zum Verkauf aus. Die Immobilienentwicklerin Mettler2Invest AG erhält den Zuschlag und übernimmt damit die Planung, Entwicklung und Vermietung dieses modernen Mikrokosmos, der unter dem Namen The Valley vermarktet wird. Zusammen mit der deutschen Motorworld Group gründet die Mettler2Invest AG die MA Kemptthal Besitz AG, die den Grossteil des Areals Mitte 2018 übernimmt. (lcm)
