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Erste Raiffeisen-Filiale mit Bäckerei eröffnet im Oberland

Eine Bank und Bäckerei in einem? Die neue Filiale der Raiffeisen in Effretikon stellt das Bild der konventionellen Bankfiliale auf den Kopf.

Die Kundschaft kann sich bald in der Bäckerei verpflegen und auch gleich von Mitarbeitern der Raiffeisenbank beraten lassen.

Foto: PD

Erste Raiffeisen-Filiale mit Bäckerei eröffnet im Oberland

Bank und Brot

Die Raiffeisenbank setzt ein neues Konzept um. An einem neuen Standort in Effretikon teilt sie sich ihre Räume bald mit einer Bäckerei. Wie die Unternehmen dadurch voneinander profitieren wollen.

Heute noch Bank, bald schon zur Hälfte Bäckerei. Die Raiffeisen-Filiale in Effretikon, die zur Raiffeisenbank Region Glatt gehört, probiert im Jahr 2025 etwas Neues aus. Die Bank will nicht nur umziehen, sie will sich die neuen Räumlichkeiten mit der Bäckerei Vuaillat teilen. Das ist bisher einmalig in der Region. Die Idee dahinter: Kunden, die sich ein Brötchen holen, können sich auch gleich zu Hypotheken oder der dritten Säule beraten lassen.

Seit zehn Jahren befindet sich Raiffeisens Geschäftsstelle in Effretikon an der Rikonerstrasse – ein paar hundert Meter vom Bahnhof entfernt. Doch der Standort passte nicht mehr: «Wir wollten noch näher zu den Leuten kommen», erklärt Roger Felder, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Region Glatt. Die Suche nach einem neuen Standort begann.

Direkt neben dem Bahnhof Effretikon starteten die Bauarbeiten des Projekts «Bellis». Dort entstehen zwei Gebäudekomplexe für Wohnungen und das Gewerbe. Als Felder davon erfuhr, wurde er hellhörig. «Wir kauften daraufhin Fläche und fragten uns, wie wir den Raum zum Leben bringen», führt Felder weiter aus. Die Bank machte sich auf die Suche nach möglichen Kooperationspartnern und wurde bei der Bäckerei Vuaillat fündig.

Die einzige Filiale im Oberland

Im Zürcher Oberland betreibt die Raiffeisenbank sieben Filialen. Mit der neusten in Effretikon wird es die erste der Region, die ein solches Konzept umsetzt, wie die Geschäftsstellen Zürcher Oberland und am Bichelsee auf Anfrage bestätigen. Es sei nicht geplant, diese Idee zu übernehmen. Die Geschäftsstellen der Raiffeisenbank agieren selbständig, weshalb an verschiedenen Orten unterschiedliche Strategien umgesetzt werden.

In Illnau gibt es bereits eine Vuaillat-Filiale; in Effretikon entsteht jetzt die sechste des Unternehmens. Vor zwei bis drei Jahren hat der ehemalige Bankleiter den Vuaillat-Geschäftsführer Martin Mayer zum ersten Mal auf die Kooperationsidee angesprochen. «Ich fand es damals schon ein sehr spannendes Konzept», so Mayer.

Die Bäckereibranche habe es aktuell ohnehin sehr schwer. Energie- und Rohstoffpreise seien gestiegen. Die Produktionskosten für die Backwaren sind hoch, die Gewinne klein. Für den Geschäftsführer der Bäckerei kam die Idee der Bank wie gerufen.

Der finanzielle Druck

Denn Vuaillat werde eine faire Miete zahlen. Normalerweise sei diese an einem so zentralen Standort höher, so Mayer. Dadurch, dass sich die Bäckerei die Räumlichkeiten mit der Bank teilt, halten sich die monatlichen Kosten in Grenzen.

Zugleich erhoffen sich die Partner, von der Laufkundschaft des anderen zu profitieren. «Das Bankgeschäft dreht sich eher um Zahlen und Verträge. Eine Bäckerei bietet eher ein emotionales Erlebnis. Das ist ein Mehrwert für beide Seiten», ist Mayer überzeugt.

Eine Skizze von der neuen Filiale einer Bank und einer Bäckerei.
Bank mal anders: Die Raiffeisenbank eröffnet im Jahr 2025 eine Filiale mit der Bäckerei Vuaillat.

Und trotzdem: Am Schluss muss sich das neue Konzept für die Bäckerei rechnen. «Ich bin da aber sehr zuversichtlich», so Mayer. Für die Bank spielt das Finanzielle eine kleinere Rolle. «Wir möchten einfach sichtbarer und zugänglicher im Raum Effretikon sein», ergänzt Felder.

Der Bankleiter ist sich bewusst, die Menschen müssen sich erst an das neue Konzept gewöhnen. Auch der Geschäftsführer von Vuaillat hofft auf eine Kooperation, die für eine Zeit besteht: «Wir haben eine langjährige Zusammenarbeit angedacht.»

Stetig weiterentwickeln

Beide Unternehmen haben bereits erste Erfahrungen mit Kooperationen gesammelt. Allerdings noch nie in dieser Kombination. So liess die Raiffeisenbank in der umgebauten Geschäftsstelle in Bassersdorf lokale Kunstschaffende ihre Werke ausstellen. Und seit März 2023 dürfen Vereine in der Filiale in Wallisellen die Sitzungszimmer kostenlos benutzen.

Auch Vuaillat arbeitet nun seit gut einem Jahr mit einer Gärtnerei in Russikon zusammen. Dort sind die beiden Unternehmen Nachbarn und profitieren gegenseitig von der Laufkundschaft.

Der Bau an der Bahnhofstrasse in Effretikon soll planmässig im Herbst dieses Jahrs fertiggestellt sein. Die Eröffnungsfeier von Raiffeisen und Vuaillat ist im ersten Quartal des Jahrs 2025 geplant. Dann wird die Bevölkerung dazu eingeladen, sich selbst ein Bild vom Konzept «Beck und Bank» zu machen.

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