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Ott AG in Uster will kein Bauunternehmen mehr sein

Ein Unternehmer hat keine Lust mehr auf seine Branche. Die Geschichte hinter dem Ende des Baugeschäfts Ott in Uster.

Dieses Wohnhaus im Zellweger-Areal ist eines der Bauprojekte, auf die Andres Ott stolz zurückblickt.

Foto: Sandro Compagno

Ott AG in Uster will kein Bauunternehmen mehr sein

«Es macht keine Freude mehr»

Die Baufirma Ott prägte in mehr als 100 Jahren das Stadtbild von Uster. Jetzt beendet das traditionsreiche Unternehmen seine Bautätigkeit. Chef Andres Ott kann und will so nicht mehr weitermachen.

Andres Ott breitet einen Stadtplan von Uster vor sich aus: «Sehen Sie, überall an den bunt markierten Stellen haben wir gebaut.» Der Stadtplan ist übersät mit Markierungen in roter, oranger und blauer Leuchtfarbe. Kleine Felder, wo die Ott AG Einfamilienhäuser gebaut oder umgebaut hat, grössere Flächen, wo Mehrfamilienhäuser oder Gewerbebauten entstanden sind.

Ein Mann in einem blauen Pullover hat vor sich eine Karte der Stadt Uster.
«Hier haben wir überall gebaut»: Andres Ott vor einer Karte der Stadt Uster.

Seit 1921 existiert das Unternehmen, seit 70 Jahren ist es im Besitz der Familie Ott. Walter Ott hatte die Baufirma 1954 der Witwe des Gründers abgekauft, Peter Ott führte es ab 1964. 1998 stieg dessen Sohn Andres als Bauführer ins Unternehmen ein und übernahm 2005 die Leitung.

Noch im letzten Sommer hatte Andres Ott auf verschiedenen Baustellen 28 Mitarbeiter im Einsatz, dazu 13 Temporärangestellte sowie Akkordfirmen für Maurer-, Schalungs- und Eisenlegerarbeiter. Im vergangenen Oktober informierte er die Belegschaft, dass er 2024 das Baugeschäft aufgeben werde.

Was war geschehen? «Die hohe Belastung, immer neue, zusätzliche Regeln und die geringe Aussicht auf Erfolg nahmen mir die Kraft, so weiterzumachen», gibt Andres Ott ohne Umschweife zu. «Hauptgrund war, dass wir am Markt nicht mehr die Preise durchsetzen konnten, die es gebraucht hätte, um längerfristig kostendeckend zu arbeiten.»

Konkurrenzdruck und Teuerung

Einerseits drückt der Konkurrenzdruck die Preise, andererseits nagt die Bauteuerung an den knappen Margen. Er habe in den letzten Jahren immer wieder Geld aus seinem Privatvermögen in die Firma gepumpt, um die Liquidität zu sichern, so Andres Ott. «Auf die Dauer macht das weder Sinn noch Spass. Die Firma wurde zur Belastung.»

Belastend war auch das Arbeitspensum, das der 50-jährige vierfache Familienvater in den letzten Jahren leistete. So fiel im Sommer 2023 ein Bauführer aufgrund eines Unfalls aus. Ott sprang ein. Neben dem Tagesgeschäft mit Planung, Administration, Lohnbuchhaltung, dem betriebseigenen Werkhof und den eigenen Bauführungsaufgaben betreute er nun zusätzlich noch die anderen Baustellen.

Es sei nun mal sehr schwierig, gute Bauführer zu finden, sagt der Firmenchef: «Der Job ist anspruchsvoll. Man steht zwischen den Firmeninteressen und dem Bauherrn, quasi zwischen Hammer und Amboss. Es ist ein steter Kampf und sehr ermüdend.»

Wie auch die häufigen Streitereien mit der Bauleitung, wenn Kostensteigerungen nicht weitergegeben werden können oder in den Plänen plötzlich Arbeiten auftauchen, die nicht offeriert worden waren. Für Andres Ott war der Zeitpunkt gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen.

«Niemand in der Familie hat Freude am Entscheid»

Es sei kein einfacher Schritt gewesen, sagt der Unternehmer, auch nicht für seinen Vater Peter, den mittlerweile 85-jährigen früheren Patron: «Wir haben das in der Familie ausdiskutiert und sind uns einig. Aber Freude hat niemand.» Erst vor wenigen Tagen hat er sein derzeitiges Büro an der Brauereistrasse in Uster ab Januar 2025 vermietet: «Es hat mir schon einen Stich versetzt.»

Aktuell besteht die Belegschaft der Ustermer Traditionsfirma noch aus drei Personen: Ott selbst, einem Bauführer und einer Sachbearbeiterin. Die Ott AG wird weiter bestehen und nach Abschluss der angefangenen Bauprojekte auch die vertraglichen Garantiearbeiten leisten.

Denn ein Bauunternehmer haftet dafür, dass sein Werk keine Mängel aufweist. Die Garantiefrist läuft ab dem Tag der Bauabnahme für die Dauer von zwei Jahren. Und aktuell ist die Firma noch mit der Fertigstellung verschiedener Bauprojekte beschäftigt.

Vom Bauunternehmer zum Immobilienentwickler …

Auch danach wird es weitergehen. Die Ott AG wird weiter Bauprojekte realisieren, aber nicht mehr als Baufirma, sondern als Immobilienentwicklerin. Peter Ott hatte in der Vergangenheit einige strategisch wichtige Grundstücke in der Region gekauft, die nun in verschiedenen Gesellschaften mit Familienbeteiligung weiterentwickelt werden. «Mit all diesen Projekten wird mir als Baufachmann die Arbeit noch lange nicht ausgehen.»

Bleibt die Frage, was mit den 28 festangestellten Mitarbeitenden der Ott AG seit Oktober 2023 passiert ist: Sie haben in Zeiten des Fachkräftemangels rasch wieder Anstellungen in verschiedenen Bauunternehmen in der Region gefunden.

Damit solche Anschlusslösungen nicht an vertraglichen Kündigungsfristen scheitern, hat Ott bei Bedarf einen Aufhebungsvertrag aufgesetzt: Mit einem solchen Vertrag können Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein Arbeitsverhältnis auch ohne Kündigung beenden.

… und Lokalpolitiker

Trotz dem im Gespräch hörbaren Bedauern über das Ende seines Bauunternehmens freut sich Andres Ott auf seine Zukunft als Unternehmer und auf die anstehenden Projekte. Und auf noch etwas blickt er mit Vorfreude: Im August rückt er für den zurückgetretenen Christoph Keller für die SVP in den Gemeinderat von Uster nach.

So endet mit dem Ende der aktiven Bautätigkeit der Ott AG eine Familientradition nach 103 Jahren. Mit dem Einzug in den Gemeinderat setzt Andres Ott hingegen eine andere familiäre Gepflogenheit fort: Sein Vater Peter war 1979 für die FDP in den Gemeinderat gewählt worden und vier Jahre später in den Stadtrat.

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