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Nati-Zopf und Fussball-Lyoner: So springen Gewerbler auf den EM-Zug

Händler und Kunden im Oberland leiden eher an Unterkühlung als EM-Fieber. Einige kommen aber trotzdem langsam auf Temperatur.

Fussbälle, wohin man blickt: die Filiale der Metzgerei Hotz in Uster.

Foto: Sandro Compagno

Nati-Zopf und Fussball-Lyoner: So springen Gewerbler auf den EM-Zug

Die EM ist Wurst

Was gibt es Schöneres, als im Freundeskreis Fussball zu schauen? Gerne mit Grilladen, feinem Brot und einem kühlen Bier.

Klar, Lidl als Hauptsponsor der Euro 2024 rührt mit der ganz grossen Kelle an. So durfte Lidl beispielsweise die 1100 Buben und Mädchen auswählen, die Hand in Hand mit den Mannschaften auf den Platz laufen.

Auch im Sortiment des Discounters steckt viel Fussball: So gibt es Fussball-Donuts, «Hopp Schwiiz»-Bier und vieles mehr, was eine ausgewogene Ernährung für 90 schweisstreibende Minuten vor dem TV-Apparat gewährleistet: Chips, Flips, Popcorn, Würste, Burger …

Die Fussball-Europameisterschaft 2024 gehört der Uefa, und deren Spielregeln sind klar. «Der Name Uefa, das Uefa-Logo und alle Marken von Uefa-Wettbewerben sind geschützte Marken und/oder von der Uefa urheberrechtlich geschützt. Sie dürfen nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden.» So steht es im Footer der Website des europäischen Fussballverbands.

«Die Wurst mit Kick»

Die Euro mag der Uefa gehören wie die WM der Fifa. Der Fussball aber gehört allen. Entsprechend haben sich auch regionale Gewerbler für den internationalen Höhepunkt des Fussballjahrs etwas einfallen lassen.

Schon der Blick in die Schaufenster der Metzgerei Hotz an der Zürichstrasse in Uster zeigt: Hier wird Fussball grossgeschrieben. «Wir bieten während der EM jede Woche spezielle Produkte im Zusammenhang mit dem Turnier an», sagt Caroline Schweizer von der Metzgerei, die Filialen in Uster, Fällanden und Winterthur betreibt.

Aktuell ist es beispielsweise der Fussball-Lyoner, der als «Wurst mit Kick» feilgeboten wird. Passend zum Wetter an den ersten Turniertagen keine Grillwurst, sondern etwas für die Apéro-Platte. Caroline Schweizer: «Wir haben auch verschiedene Geschenkartikel mit Fussballsujets dekoriert.» Insbesondere die als Mitbringsel konzipierten Geschenk-Boxen seien sehr beliebt.

Ein Stadion zum Essen

Wenige Kilometer weiter in Illnau betreibt Bäckermeister Martin Mayer eine seiner fünf Vuaillat-Filialen. Auch er setzt auf die EM. Beispielsweise mit einem originellen Snack-Stadion. In einer Grundstruktur aus Toastbrot stecken verschiedene salzige und süsse Leckereien, Gemüsesticks und ein Dip.

Für das erste Spiel der Schweizer Nati gab es einen Zopf-Fussball in den Farben Weiss und Rot. Das grosse Geld lasse sich damit nicht verdienen, sagt Martin Mayer: «Aber unsere Lehrlinge dürfen sich hier etwas austoben und haben viel Spass dabei.» Parallel wird das Ganze auf Social Media beworben.

«Wir spüren die EM», sagt René Schweizer, Inhaber der Konditorei Voland, «wir verkaufen deutlich mehr Grill-Artikel.» Und das, obwohl Voland keine EM-Specials produziert: Der Krustenkranz, der sich gut brechen lässt und sich so ideal für einen Grillabend eignet, sei sehr gefragt, so Schweizer. «Und auch vom Paillasse-Brot verkaufen wir mehr als sonst.» Das schlanke Paillasse eignet sich gut für Bruschetta.

Wurst, Brot und Bier

Fussball ist für viele Menschen eine Religion. Neben Wurst und Brot vervollständigt ein kühles Bier für viele Fans die ballesterische Dreifaltigkeit. Wetterbedingt sei der Bierumsatz bis anhin eher schleppend gewesen, sagt Daniela Brauchli, stellvertretende Geschäftsführerin der Brauerei Uster: «Aber in den letzten Tagen haben wir einen grossartigen Aufschwung erlebt.»

Grundsätzlich sei es schon so, dass der Bierkonsum während Fussball-Endrunden steige, sagt die Biersommelière aus Uster: «Wir sind an Public Viewings präsent, und auch sonst gibt es bierige Aktionen zur Fussball-EM.»

Das Wetter ist wichtiger als der Fussball

Der Illnauer Metzger Enrico Buffoni ist ein grosser Fussball-Fan und regelmässiger Gast im Zürcher Letzigrund-Stadion. Einen leichten Boost verleihe die EM seinem Geschäft, sagt Buffoni, aber: «Wenn das Wetter schlecht ist, dann nützt auch die EM nichts.» Er setzt trotz Fussballbegeisterung auf sein bewährtes Sortiment – ohne «EM-Würste» oder «Fussball-Spiessli».

Wie auch die Metzgerei Eichenberger in Wetzikon, Hinwil und Zürich Höngg. Sie hätten am Wochenende jeweils zwei spezielle Weekend-Würstli, sagt Geschäftsführerin Claudia Eichenberger. «Aber die stehen nicht im Zusammenhang mit der EM.»

Von einem EM-Boost rund um Grillwürste und -spiessli will sie nichts wissen: «Wir haben momentan sehr viele Firmenanlässe, an denen grilliert wird. Natürlich wird da oft auch ein Beamer aufgestellt, damit die Leute die Spiele schauen können.» Aber diese Anlässe gibt es jedes Jahr, nicht nur während Fussball-Endrunden.

Das Fazit gehört Enrico Buffoni. Ideal sei die Konstellation, wenn das Wetter gut ist und die Schweizer Nati spielt – so wie am Mittwochabend. Aber: «Gutes Wetter ohne EM ist für mein Geschäft besser als EM mit schlechtem Wetter.»

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