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Wie ein Gastro-Unternehmen in Pfäffikon zum Vorzeigebetrieb wurde

Bis Ende Jahr sollen 40 Prozent der Ukrainer mit Schutzstatus S in der Schweiz einen Job haben. Dass das funktioniert, zeigt Schneiders Quer in Pfäffikon.

Roland Schneider (Zweiter von links) mit einigen seiner ukrainischen Mitarbeitenden (von links): Alexi Protassov arbeitet in der Konditorei, Oksana Smojenkova in der Küche, Maria Pudovkina am Buffet und Vladislav Popov im Service.

Foto: Sandro Compagno

Wie ein Gastro-Unternehmen in Pfäffikon zum Vorzeigebetrieb wurde

Flüchtlinge aus der Ukraine

Zehn Geflüchtete aus der Ukraine arbeiten in «Schneiders Quer» in Pfäffikon in verschiedenen Positionen. Für Gründer Roland Schneider eine Herzensangelegenheit und eine «Win-win-Situation».

Rund 65'000 Ukrainerinnen und Ukrainer sind seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 in die Schweiz geflüchtet. Die Erwerbsquote dieser Menschen betrug Ende April 24 Prozent. Für Bundesrat Beat Jans (SP), den Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, ist das zu wenig. Er will, dass bis Ende Jahr 40 Prozent der aus der Ukraine geflüchteten Menschen einer geregelten Arbeit nachgehen. 

Einer, der das seit mehr als zwei Jahren tut, ist Vladislav Popov, der eigentlich nicht Ukrainer ist, sondern aus der Republik Moldawien stammt, genauer aus der abtrünnigen Provinz Transnistrien. Der schmale Landstreifen zwischen dem Fluss Dniestr und der Ukraine hat sich 1990 von Moldawien abgespalten und wird von Moskau unterstützt.

Vladislav Popov lebte bis zum Ausbruch des Kriegs in Mykolajiw im Süden der Ukraine und führte dort ein Steakhouse. Zwei Wochen nachdem Russland die Ukraine völkerrechtswidrig angegriffen hatte, packte er seine Sachen und flüchtete.

Auf eines ist der Mittdreissiger, der in «Schneiders Quer» im Service arbeitet, besonders stolz: «Ich bin am 14. März 2022 in die Schweiz gekommen. Am 1. April hatte ich bereits Arbeit. Ich war also nach exakt 18 Tagen nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen, sondern konnte selbst für meinen Lebensunterhalt sorgen.»

«Mein Herz schlägt in der Ukraine»

Für den Gastronomen ist eines jetzt schon klar: «Wenn der Krieg irgendwann vorbei ist, dann möchte ich zurück und mein Restaurant wiedereröffnen.»

Zurück nach Hause will auch Maria Pudovkina. Sie arbeitete als Hydrologie-Ingenieurin in Odessa, plante Dämme und Bewässerungssysteme. «Mein Herz schlägt in der Ukraine», sagt die junge Frau, während sie Roland Schneider einen Espresso serviert, und erzählt von der Pracht der Hafenstadt am Schwarzen Meer, von italienischen und französischen Architekten, die im 19. Jahrhundert bedeutende Kulturdenkmäler wie das Opernhaus geschaffen hatten. 2023 wurde das historische Zentrum von Odessa in die Welterbe-Liste der Unesco aufgenommen.

Maria und Vladislav sind zwei von insgesamt zehn Geflüchteten aus der Ukraine, die in «Schneiders Quer» Arbeit und Auskommen gefunden haben. Die Ukrainerinnen und Ukrainer arbeiten in der Konditorei, am Holzofen, wo Brote und Pizza gebacken werden, in der Küche, im Service oder im Verkauf. «Ich sage ihnen immer: Geht auf die Leute zu und redet mit ihnen. Die Sprache ist das Wichtigste in einem fremden Land», sagt Roland Schneider.

«Irgendwie quer in der Landschaft»

2003 hatte sich der heute 65-Jährige mit einer kleinen Bäckerei an der Seestrasse in Pfäffikon selbständig gemacht, 2008 kam der heutige Hauptsitz in der Pfäffiker Industriezone dazu. Eine Bäckerei/Konditorei, ein Restaurant, Räume für Bankette und ein Hotel – im Niemandsland, umgeben von Discountern, Recyclingstelle und Industrie. «Darum habe ich es ‹Schneiders Quer› genannt, weil es irgendwie quer in der Landschaft liegt.»

Ein Mann mit Brille und Baseballmütze lächelt in die Kamera.
2008 eröffnete Roland Schneider sein «Schneiders Quer» in der Pfäffiker Industriezone: Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 65 Mitarbeitende. Zehn davon stammen aus der Ukraine.

Schneider ist experimentierfreudig, denkt gerne über den Tellerrand hinaus. So kam er auch zu seiner ersten ukrainischen Mitarbeiterin mit Schutzstatus S. «Freunde von mir hatten 2022 in ihrem Haus in Uster ukrainische Flüchtlinge aufgenommen und mich gefragt, ob ich nicht eine Küchenhilfe brauchen könne.»

Schneider konnte, und so begann Oksana Smojenkova in Pfäffikon zu arbeiten. Roland Schneider: «Und da die Ukrainerinnen und Ukrainer in der Schweiz offensichtlich gut vernetzt sind, hat sich das schnell herumgesprochen.»

Eine Gruppe von Menschen an einem langen Tisch hört einer Frau zu.
An einem Anlass der Organisation Good Friends for Ukraine wurde in «Schneiders Quer» über die Herausforderungen und die Bedeutung der Arbeitsintegration von Geflüchteten informiert.

Natürlich gebe es Herausforderungen, sagt Schneider. «Das ist vor allem die Sprache. Wenn ein Mitarbeiter seine Vorgesetzte falsch versteht und dadurch Fehler begeht, dann führt das zu Reibereien.» Aber grundsätzlich sei er sehr zufrieden: «Ihre Mentalität ist der unsrigen sehr ähnlich, und ihre Arbeitseinstellung ist tadellos.»

Mit seinen Angestellten mit Schutzstatus S hat Schneider in einer Branche, die unter dem Fachkräftemangel leidet, motivierte, gut ausgebildete Mitarbeitende gefunden. Es sei eine «Win-win-Situation», sagt der Pfäffiker Unternehmer. Im Herbst kommt voraussichtlich noch eine ukrainische Lernende als Detailhandelsfachfrau dazu.

Nur: Was ist, wenn der Krieg in der Ukraine dereinst vorbei ist und seine Mitarbeitenden aus der Ukraine nach Hause wollen? Schneider lacht laut auf: «Es mag jetzt sehr eigenartig klingen: Aber dann hätte ich tatsächlich ein Problem …»

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