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«Die Vielseitigkeit des Zürcher Oberlands fasziniert mich»

Wieso er die Agglo mit dem Oberland getauscht hat und wo er seine Schwerpunkte setzt: der Präsident der Standortförderung im Interview.

«Meine Frau und ich haben schnell gemerkt, dass sich hier gut leben lässt»: Andreas Bühler lebt seit 26 Jahren in Hinwil.

Foto: SZO

«Die Vielseitigkeit des Zürcher Oberlands fasziniert mich»

Andreas Bühler im Interview

Andreas Bühler ist der neue Präsident der Standortförderung Zürioberland. Der Gemeindepräsident von Hinwil im Gespräch über Schwerpunkte, Zielkonflikte und die «Schweizer Hauptstadt» … Zürich.

Herr Bühler, was reizt Sie am Präsidium der Standortförderung Zürioberland?

Andreas Bühler: Die Pflege und die Förderung der Region liegen mir am Herzen. Ich bin als Agglo-Kind im Raum Olten aufgewachsen und erst als Erwachsener in die Region gezogen. Mich fasziniert hier im Zürcher Oberland das Nebeneinander zwischen urbanen Anliegen und ländlichen Traditionen auf engstem Raum. Das macht die Aufgabe in der Standortförderung auch sehr spannend. Sie ist vergleichbar mit der Situation, die ich als Gemeindepräsident in Hinwil antreffe: Im urbanen Teil zwischen Wetzikon und Hinwil haben wir teilweise weltbekannte Unternehmen; auf der anderen Seite haben wir den Bachtel und die sehr ländliche Region rundherum.

Warum sind Sie als Agglo-Kind überhaupt nach Hinwil gezogen?

Meine Frau und ich wollten Wohneigentum kaufen. Hier konnten wir es uns noch leisten, und zudem ist Hinwil ein Ort, wo man ein Kind gefahrlos draussen spielen lassen kann. Wir haben schnell gemerkt, dass sich hier gut leben lässt.

Sie sind Mitbesitzer eines Architekturbüros in Zürich und haben ein 50-Prozent-Pensum als Gemeindepräsident. Wie viel Zeit wollen und können Sie für die Standortförderung Zürioberland einsetzen?

Selbstverständlich habe ich mir diese Frage auch gestellt. Ich bin in der Firma und auch hier auf der Gemeinde dank meinem Team sehr gut aufgestellt. Dasselbe bietet mir auch die Standortförderung Zürioberland an, die eine sehr kompetente Geschäftsstelle mit motivierten Mitarbeitenden hat. So kann ich mich auf die strategische Ebene konzentrieren. Aber es ist schon klar, dass ich mir keine zeitraubenden Hobbys leiste.

Ein Mann in weissem Hemd steht hinter einem Rednerpult.
Seit 2022 ist Andreas Bühler Gemeindepräsident von Hinwil. (Archiv)

Man kann Sie also als «hobbylos» bezeichnen?

So würde ich es nicht sagen. Ich koche leidenschaftlich gern. Und die Freizeit verbringen wir oft beim Wandern in der Region und in unserem Rustico im Tessin. So kann ich mich entspannen.

Die Standortförderung Zürioberland ist eine Art «Gemischtwarenladen»: Wirtschaft, Kultur, Tourismus. Wo wollen Sie Ihre Schwerpunkte setzen?

«Gemischtwarenladen» ist eine despektierliche Umschreibung für die grosse Vielfalt bei der Zusammensetzung unserer Mitglieder. Diese Vielfalt ist repräsentativ für das Zürcher Oberland. Wenn man die Situation in der Region analysiert, stellt man fest, dass alles zusammenhängt: die Wirtschaft mit der Kultur, die Kultur mit dem Tourismus und der Tourismus mit der Wirtschaft. Gesellschaftliche Fragen tangieren die Regionalpolitik. Das eine geht nicht ohne das andere. Wir wollen ein nachhaltiges Wachstum in den drei Dimensionen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft fördern. In den Anfangsmonaten liegt mein Fokus auf der Einarbeitung.

Kultur beschränkt sich nicht nur auf die grossen Häuser in Zürich.

Das klingt nach einem Balanceakt.

Das ist es ganz sicher. Es gibt auch Zielkonflikte, die wir nicht vollumfänglich lösen können. Ein wichtiger Punkt ist vernetztes und interdisziplinäres Denken. Wir können nicht nur an die Wirtschaft denken und das Kulturelle vergessen, sonst vergessen wir auch die Menschen. Mehr noch: Kultur beschränkt sich nicht nur auf die grossen Häuser in Zürich. So überrascht mich das reiche kulturelle Leben bei uns immer wieder. Hier werden Traditionen gepflegt, und gleichzeitig entsteht Neues.

Wo bleibt die Wirtschaft?

Wir wollen die Wirtschaft so weit fördern, dass es für die Menschen weiterhin attraktiv bleibt, hier zu wohnen und in einem diversifizierten Arbeitsmarkt tätig zu sein. Kurze Wege zwischen Wohnen, Arbeit und Freizeit sind anzustreben. Mit unserem Engagement innerhalb von Planungsprozessen, aber auch durch Vermittlung von Flächen legt die Standortförderung Zürioberland hierfür die Grundlagen. Dieses Ziel hat auch einen ökologischen Hintergrund in Bezug auf die Mobilität. Kurze Wege sind mir ein wichtiges Anliegen – in Hinwil, aber auch als Präsident der Standortförderung Zürioberland.

Uster ist ein wichtiger Player innerhalb der Standortförderung Zürioberland.

Das Zürcher Oberland ist sehr heterogen. Städte wie Uster haben andere Anliegen und Interessen als ländliche Regionen. Es gibt gerade in Uster auch Stimmen, die die Mitgliedschaft und damit die Finanzierung der Standortförderung Zürioberland hinterfragen. Wie wollen Sie diese verschiedenen Interessengruppen bei der Stange halten?

Die Stadt Uster liegt – wie übrigens viele Gemeinden – an der Schnittstelle zweier Regionen. Diese vermeintlichen Grenzen sind nicht trennscharf, und je nach Thema funktionieren die Räume anders. Deshalb spricht man in der Regionalentwicklung, aber auch im politischen Kontext vermehrt von funktionalen Räumen. Welche Rolle Uster in welchem Raum spielt, entscheidet die Stadt autonom. Klar ist: Uster ist ein wichtiger Player innerhalb der Standortförderung Zürioberland und kann hier die Entwicklung der Region mitprägen.

Sie sind Sozialdemokrat. Haben Sie auch eine politische Agenda?

Nein. Die Standortförderung Zürioberland ist politisch neutral. Der Verein setzt sich für eine attraktive, wettbewerbsfähige und lebenswerte Region ein. Mittlerweile zählt die Standortförderung Zürioberland über 400 Mitglieder aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft und ist damit sehr breit abgestützt. Indem wir eine Plattform für Diskussionen bieten, können wir uns im ganzheitlichen Sinne für die Region einsetzen. Das Zürcher Oberland erhält dadurch eine stärkere Stimme.

Wir haben Peter Bodenmann in die Region eingeladen, damit er sich selbst von den Vorzügen überzeugen kann.

Ihr Parteifreund Peter Bodenmann hat vor zwei Wochen für Aufregung gesorgt, als er das Zürcher Oberland zur «tourismusfreien Pampa» erklärte. Haben Sie sich mit ihm schon darüber unterhalten?

Nur weil man in derselben Partei ist, muss man noch nicht Freund sein … Ganz kurz: Ich denke, Herr Bodenmann kennt unsere Region einfach zu wenig. Wo finden Sie denn eine in vielerlei Hinsicht prosperierende Gegend, die nur 30 Minuten – ich sage das jetzt bewusst provokativ – von der «Hauptstadt der Schweiz» entfernt ist? Von Uster sind Sie in 15 Minuten in Zürich, von Wald in 40 Minuten. Die Fahrt zum Flughafen dauert gleich lang. Und gleichzeitig leben wir in einer landschaftlich reizenden Gegend mit einer hohen Lebensqualität. Das macht das Zürcher Oberland einzigartig. Übrigens haben wir Peter Bodenmann in die Region eingeladen, damit er sich selbst von den Vorzügen überzeugen kann.

Ganz grundsätzlich: Was gefällt Ihnen am Zürcher Oberland?

Mir gefällt, dass ich so schnell in der Natur bin. Meine Familie und ich geniessen das sehr, wir sind oft zu Fuss unterwegs. Dieses Privileg macht mir immer wieder bewusst, dass wir zu Natur und Landschaft Sorge tragen müssen. Wir müssen aufpassen, dass wir die Landschaft nicht zersiedeln, sondern ihre Eigenart erhalten.

Und was gefällt Ihnen nicht?

(Überlegt lange.) Bei allem Positiven darf man die Augen nicht verschliessen vor den Herausforderungen: Die Bevölkerung wächst und damit der Druck auf die Landschaft. Zudem muss die Region immer mehr Zentrumslasten für den ganzen Kanton übernehmen. Es wäre gefährlich, die Hände in den Schoss zu legen. Die drei Dimensionen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft müssen im Einklang sein.

Konkreter?

Der Verkehr auf Strasse und Schiene ist eine wahre Herausforderung für die Gemeinden und die ganze Region.

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