Heftige Regenfälle – mit Folgen für die regionale Landwirtschaft?
Bald wird es wieder nass
Vergangene Woche regnete es unaufhörlich – und bald dürfte es weitergehen. Beim aktuellen Wetter ertrinkt nicht nur die Sommerstimmung, sondern auch das eine oder andere Pflänzchen. Mit Folgen.
Das wechselhafte Frühlingswetter macht es nicht nur der Badi-Saison und den Sonnenanbetern schwer: Zuletzt hat es so stark geregnet, dass in der Region Flüsse überliefen, die Seen an ihre Grenzen kamen, Strassen gesperrt werden mussten und ganze Felder unter Wasser standen. Das bringt so manchem nicht nur nasse Füsse, sondern langfristige Einbussen: Die Landwirte hoffen auf trockene Tage, damit sich die Felder erholen können.
Doch schaut man auf die Wetterprognose, dürfte sich ihr Wunsch wohl kaum erfüllen. Ab morgen wird die Region wieder mit Regen konfrontiert – mit Folgen für die Landwirtschaft.
Wenn das eine leidet, gedeiht das andere
Die Sonne schien zwar für wenige Tage, doch ihre gelben Namensvetter tun es ihr leider nicht gleich, wie Stefan Isler aus Russikon erzählt. Er betreibt mehrere Blumenfelder und Verkaufsstände im Oberland. Auf einem seiner Sonnenblumenfelder stehe das Wasser immer noch – laufe dieses nicht in den nächsten zwei, drei Tagen ab, würden die Blumen wahrscheinlich ertrinken.
Während die einen leiden, profitieren die anderen: Weil die Felder bei ständigem Regen nicht befahren werden können, gedeihen Pilzkrankheiten im feuchten Klima wunderbar. Auch dem Unkraut gefallen die unberührten Felder, denn so kann es fröhlich wachsen und dem Gemüse oder den Blumen die Nährwerte streitig machen. «Ich hoffe auf ein paar sonnige Stunden, dann können wir spritzen», so Isler. «Doch aktuell können wir gar nicht ins Land hineinfahren, weil es noch zu feucht ist.»
Feucht-unfröhliche Ernte
Nicht nur der Russiker Blumenhändler ist gezwungen, die Nachwehen des Niederschlags abzuwarten: «Wenn es eine oder zwei Wochen so durchregnet, können wir nicht säen oder pflanzen», sagt Thomas Beerstecher, Inhaber von Beerstecher Gemüsekultur in Dübendorf.
Mit so vielen Niederschlägen wie in den vergangenen Wochen leidet nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität.
Thomas Beerstecher
Inhaber Beerstecher Gemüsekultur in Dübendorf
Das habe «hinten raus» Folgen – denn damit gebe es auch bei der Ernte ein «Loch» von ein, zwei Wochen. «Bei wöchentlich bis zu 400’000 Pflanzen, die gesetzt werden, macht das schon was aus.» Dadurch werde in drei bis acht Wochen das Angebot verknappen und je nach Gemüsesorte auch der Preis steigen – zumindest, wenn es bald wieder so stark regnen werde. «Mit so vielen Niederschlägen wie in den vergangenen Wochen leidet nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität.»

Die matschigen Felder machen nicht nur der Produktvielfalt und -qualität einen Strich durch die Rechnung, sondern stellen vor allem auch die Mitarbeitenden der Beerstecher Gemüsekultur auf die Probe. Denn wo sonst das Förderband genutzt werden könne, müsse nun übers Feld gestapft und per Hand geerntet werden. Ausserdem sei das Gemüse wegen des ganzen Matschs dreckiger und müsse mehrfach gewaschen werden. «Das sind Arbeiten, an die man als Endkäufer oft nicht denkt – aber im Hintergrund entstehen erhebliche Mehraufwände», so Beerstecher.
Kein Rekordjahr für Erdbeeren
Kritisch steht es auch um die regionalen Erdbeeren. So musste beispielsweise Familie Vetsch aus Rikon rund einen Viertel ihrer Erdbeeren abschreiben, denn diese sind im vielen Nass buchstäblich ertrunken. «Das ist schon sehr ernüchternd», sagt Sonja Vetsch. Mit geballter Unterstützung habe man nach dem Starkregen die Felder gesäubert, also von unbrauchbaren Erdbeeren befreit.
«Innerhalb dieser sonnigen Tage mussten wir alles durchpflücken und hatten etliche Zusatzstunden.» Das bedeute höhere Löhne bei weniger Ertrag. «Das wird vermutlich kein Rekordjahr», sagt Sonja Vetsch. Dennoch schaue man nach vorne und mache das Beste daraus.
Der Regen spült den Ertrag weg
Mit Einbussen müssen nicht nur die hiesigen Erdbeerbauern rechnen, denn der Regen hat für so manchen Landwirt Folgen. So sieht es zumindest ein Landwirt aus Grüningen, der nicht namentlich genannt werden möchte. Bei ständigem Regen könne man nicht mähen, wodurch das Futter «alt» werde. «Dann geben die Kühe weniger Milch, mit weniger Fett- und Eiweissgehalt.» Und das wiederum lasse seine Einnahmen sinken. Der Regen spült dem Bauern also wortwörtlich das Geld aus dem Sack – oder zumindest nicht hinein.
Andi Meier, Obst- und Ackerbauer aus Greifensee, ist da zuversichtlicher. «Der Mais wird schon gut kommen.» Bisher sei man wegen des guten Wetters zwei Wochen «voraus» gewesen. «Mit dem Regen sind wir nun auf Wachstumsstand der letzten Jahre», so Meier. Ist er dem Weltuntergangswetter zwar glimpflich entkommen, schaut Meier dennoch kritisch in die Zukunft – denn viel Regen könnten die Felder nicht mehr aufnehmen. «Der Boden ist jetzt gesättigt. Kommt es nächste Woche wieder stark regnen, könnte Stehwasser entstehen, und dann würden die Kulturen sehr wahrscheinlich leiden», erklärt Meier.
Auch Andi Wiederkehr, Landwirt aus Schwerzenbach, hofft auf wenige Niederschläge. «Bisher sind wir mit einem blauen Auge davongekommen», erklärt er. Er habe aber Kulturen direkt neben der Glatt – und sollte es wieder so heftig kommen, werde diese irgendwann überlaufen. «Dann würden die Flächen total ausfallen: Die Zuckerrüben, die Sonnenblumen und der Mais würden unter Wasser stehen. Damit könnten wir einiges abschreiben.»
Viel Regen ist Fluch und Segen
Im Tösstal nimmt man es derweil gelassen. «Grundsätzlich ist Regen nichts Schlechtes für die Landwirtschaft, im Gegenteil», sagt Carin Schütz, Landwirtin in Zell. Tendenziell kümmere sie eine längere Regenzeit im Frühling weniger als eine lang anhaltende Phase ohne Niederschläge. Dennoch seien die ständigen Wetterumschwünge mühsam. «Wir müssen immer auf zwei, drei trockene Tage warten, um wieder einen Schub Arbeit leisten zu können», ergänzt ihr Mann Köbi Schütz.

Die beiden betreiben einen Hof mit 60 Milchkühen, die während der ununterbrochenen Regengüsse im Stall verweilen mussten – denn auf der Weide hätten sie nicht nur alles vermatscht, sondern unter Umständen auch Krankheiten an den Hufen entwickeln können. «Es ist natürlich schön, sie jetzt wieder hinauslassen zu können.»
Ihre Felder, die sie für die Kuhfütterung betreiben, hatten unter dem Wasser aber nicht gross gelitten. Natürlich steige das Risiko für Pilzkrankheiten und Unkraut, wenn es so «durchschifft» – denn die Felder könnten während des Regens nicht behandelt werden.

«Die Auswirkungen davon werden wir aber erst später erkennen», so Köbi Schütz. Da gehe es den Bauern im Berner Oberland oder in Deutschland aber vermutlich deutlich schlechter. Deshalb will sich der Landwirt nicht beschweren. «Wir müssen halt mit dem Wetter arbeiten – mehr als andere Berufe.»
Aber ein sommerliches Hoch werde sicher noch kommen, da sei er zuversichtlich. «Jetzt müssen sie halt endlich den Böögg im Appenzell verbrennen, damit die Sonne mal ein Weilchen scheint!»
