FBB nimmt zwei elektrische Sattelschlepper in Betrieb
Mehr Power als ein Bugatti
Die Elektromobilität ist in der Baubranche angekommen. Die FBB mit Sitz in Bauma transportiert ihre Baustoffe neu mit zwei E-Lastwagen.
Chauffeur Thomas sitzt hinter dem Steuer seines Scania BEV 45R. Es ist fast still in der Führerkabine, nur ein kaum hörbares Summen weist darauf hin, dass der Elektromotor des 42-Tönners bereits läuft.
«Kein Vergleich zu einem Diesel», sagt der Berufschauffeur und drückt aufs Gaspedal. Sofort setzt sich die Zugmaschine in Bewegung. «Du gibst leicht Gas, und schon macht es ‹wusch›! Ohne die Verzögerung, die man sich von Verbrennungsmotoren gewöhnt ist.»

Gemeinsam mit einem Kollegen wird Thomas in den nächsten Monaten die beiden Elektrotrucks im Arbeitsalltag im Zürcher Oberland testen. «Ich geniesse das Fahrzeug», sagt der Chauffeur mit einem Lächeln im Gesicht, während er das schwere Gefährt routiniert durch die engen Strassen von Hinwil steuert. Der Elektroantrieb des Scania entwickelt ein Drehmoment von 3500 Newtonmetern. Zum Vergleich: Das maximale Drehmoment eines Bugatti Veyron 16.4 Super Sport liegt bei 1500 Newtonmetern …
«Fahren, fahren, fahren»
«Die beiden E-Lastwagen sollen fahren, fahren, fahren», sagt Christian Gubler, VR-Präsident der FBB Unternehmen, und liefert den Grund nach: Der Scania BEV 45R kostet mehr als eine halbe Million Franken – etwa dreimal so viel wie ein dieselbetriebener Lkw.
Einsparungen gibt es bei der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA); diese wird auf batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) nicht erhoben. Knapp 95 Franken bezahlt ein Unternehmer auf 100 Kilometer für einen vergleichbaren Diesel-Lkw. Bis sich die Investition nicht nur in der CO2-Bilanz, sondern auch in der Erfolgsrechnung lohnt, ist es also noch ein weiter Weg, zumal die aktuelle Regelung vorerst nur bis 2030 gilt.
Sieben Standorte in der Region
Die FBB produziert an verschiedenen Standorten in der Deutschschweiz Baustoffe wie Mauersteine, Beton, Strassenbeläge und Kies. In der Region hat das Unternehmen Standorte in Bauma, Bäretswil, Wald, Hinwil, Gossau, Pfäffikon und Volketswil. «Wir wollen unsere Güter entlang der ganzen Wertschöpfungskette möglichst umweltfreundlich transportieren», erklärt Firmenchef Gubler.
Bereits 2005 hatte die FBB mit dem Bund eine freiwillige CO2-Zielvereinbarung unterzeichnet. 2050 will das Unternehmen klimaneutral sein. Auf dieses Konto zahlen auch die Gleisanschlüsse in den vier Werken in Hinwil, Bäretswil, Pfäffikon und Kloten ein.




Die Anschaffung der beiden BEV-Fahrzeuge ist für Christian Gubler und seinen Co-Werkstattchef Dominik Tanner die logische Konsequenz dieser Strategie. Tanner leitet die interne Werkstatt in Dillhaus, wo die rund 100 Lkws der FBB von einem Dutzend Mechanikern gewartet und repariert werden.
Die Ladestation, an welcher die beiden BEV gleichzeitig «tanken» können, steht an der Industriestrasse in Hinwil. Hersteller Scania verspricht Reichweiten von 300 bis 350 Kilometer. «Das ist abhängig von der Ladung, von der Topografie und natürlich auch vom Fahrstil des Chauffeurs», sagt Dominik Tanner.
Ziel ist, dass die beiden Lkws mit einer Batterieladung pro Arbeitstag auskommen und über Nacht wieder aufgeladen werden. Aktuell kommt der Strom bei der FBB aus der Steckdose, doch in den nächsten Jahren will das Unternehmen nach und nach sämtliche Dachflächen im Werk Hinwil mit Solarpanels bestücken.
Einen Zeitplan für den Testbetrieb gibt es nicht. Christian Gubler: «Wir fahren jetzt erst mal, und wenn wir zufrieden sind, dann kaufen wir weitere E-Fahrzeuge.»
Zurück zu Chauffeur Thomas in seinem Führerstand. Er hat sich seine Meinung schon gemacht: «So einen grossartigen Lastwagen bin ich als Berufschauffeur noch nie gefahren.»
