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Claro Laden in Uster lebt weiter

Seit 50 Jahren verkauft der Laden fair produzierte Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs. Um ein Haar wäre der kleine Laden verschwunden.

«Für unseren fair produzierten und gehandelten Kaffee kommen die Leute bewusst zu uns»: Marianne Burgherr leitet den Claro Weltladen in Uster.

Foto: Sandro Compagno

Claro Laden in Uster lebt weiter

Schliessung abgewendet

Der Claro Weltladen in Uster stand kurz vor der Schliessung. Nun gibt es doch eine Zukunft – unter neuer Leitung und mit angepasstem Konzept.

Seit 1974 kann man in Uster fair gehandelte Lebensmittel, Artikel des täglichen Gebrauchs und Handwerk kaufen. Damals noch als «Drittweltladen» gegründet, ist der Claro Weltladen an der Amtsstrasse 3 der älteste seiner Art in der Schweiz. Doch 50 Jahre nach der Gründung stand der kleine Laden vor dem Aus.

Im Sommer 2023 hatten die Vereinsmitglieder beschlossen, den Laden dieses Jahr für immer zu schliessen. Dafür gab es mehrere Gründe: Einerseits fehlte eine Nachfolgelösung für den Vorstand, und es war herausfordernd, neue Mitglieder für das Ladenteam zu finden.

Konkurrenz durch die Grossverteiler

Auf der anderen Seite waren die Umsätze in den letzten Jahren rückläufig. Denn auch im Geschäft mit fair gehandelten und nachhaltig produzierten Waren ist die Konkurrenz durch die Grossverteiler spürbar: Max Havelaar ist in der Schweiz das stärkste Label bei Grossverteilern und Discountern in dieser Nische.

2023 erzielte Max Havelaar einen Jahresumsatz von 970 Millionen Franken. Man habe trotz sinkender Kaufkraft und wirtschaftlicher Unsicherheit den Umsatz um 6 Prozent steigern können, teilte die Stiftung vor einigen Tagen mit. Und: «Mehr als drei Viertel aller Fair-Trade-Produkte kaufen Schweizerinnen und Schweizer bei Coop, Migros, Aldi Suisse und Lidl Schweiz.» Das ist für die rund 100 Claro Läden in der Schweiz eine Herausforderung.

Es ist aber auch eine Chance: Denn Max Havelaar ist lediglich ein Label und verkauft selbst keine Produkte, sondern finanziert sich durch Lizenzgebühren. Dies im Gegensatz zu den Claro Läden, die Produkte von eigenen Projekten mit kleinen Produzenten vertreiben und dabei auf Spezialitäten statt Massenware setzen.

Neun Monate nach dem Beschluss, den Verein aufzulösen und den Laden zu schliessen, kommt nun die Kehrtwende. Der Laden wird weitergeführt – mit neuem Konzept und neuem Vorstand.

Das Vereinspräsidium übernimmt Marie-Claire Pellerin, CEO der Claro Fair Trade AG, des wichtigsten Handelspartners der rund 100 Claro Läden in der Schweiz. Dazu kommen die Betriebsökonomin Susanne Stoller als Kassierin und Marianne Burgherr als Ladenleiterin und Aktuarin. Die Sozialpädagogin bringt viel Erfahrung in der Arbeit in sozialen Institutionen wie auch als Mitarbeiterin des Claro Ladens in Wetzikon mit.

Die erste Amtshandlung des neuen Führungstrios: Die bereits erfolgte Kündigung des Mietvertrags an der Amtsstrasse 3 konnte rückgängig gemacht werden.

Ehrenamt statt Taschengeld

Längerfristig soll ein neues Konzept das Überleben des Ladens sichern. Die Kernpunkte: Marianne Burgherr behält die Finanzen im Auge und erarbeitet gemeinsam mit dem Ladenteam neue Strukturen. Das Sortiment wird neben Fair-Trade-Spezialitäten mit Produkten aus sozialen Institutionen erweitert und regelmässig erneuert.

Vier Frauen stehen vor dem Claro Weltladen in Uster.
Das neue Ladenteam des Claro Weltladens in Uster (von links): Esther Graf, Marianne Burgherr, Barbara Mazzolini und Prisca Aklin.

Sehr beliebt seien Lebensmittel des Claro Ladens in Uster, sagt Marianne Burgherr. «Für unsere Produkte wie Balsamico-Essig, Kaffee, Tee, Schokolade, Gewürze, Reis, Teigwaren kommen die Leute bewusst zu uns.»

Dazu will sie im Bereich Kunsthandwerk Accessoires, Kleider, Geschirr, Spielsachen und Handwerk aus dem globalen Süden anbieten, die durch Produkte aus sozialen Institutionen der Schweiz wie Kerzen, Karten, Notizbücher, Spiele, Necessaires usw. ergänzt werden.

Die Mitarbeitenden im Laden, die für ihren Einsatz bislang eine bescheidene finanzielle Entschädigung erhielten, arbeiten neu ehrenamtlich. Das sei nicht überall positiv aufgenommen worden, gibt Marianne Burgherr zu: «Aber die Alternative wäre die Schliessung gewesen.»

Jeder Claro Laden entscheidet selbst, ob und wie er seine Mitarbeiterinnen und Helfer entschädigt. In Wetzikon beispielsweise wird bereits ehrenamtlich gearbeitet, in Pfäffikon erhalten die Mitarbeitenden ein Taschengeld.

In den Sommerferien wird das Geschäft sanft umgestaltet, deshalb werden bis Mitte Juli einzelne Artikel ausverkauft. Am 20. August wird der Claro Weltladen in Uster neu eröffnet, und am 7. September wird mit einem Eröffnungsfest gefeiert.

Was bleibt, ist die Herausforderung, Mitarbeitende für den Laden und die Betreuung der Social-Media-Kanäle zu gewinnen. Interessierte können sich direkt im Laden oder per E-Mail mburgherr.claro@gmx.net melden.

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