H2U Openair setzt auf Bier aus Zürich statt aus Uster
Wechsel der Brauerei
Das Ustermer Musikfestival und die lokale Brauerei konnten sich nicht einigen. Ganz auf Bier aus der Region verzichten müssen die Open-Air-Besucher aber trotzdem nicht.
Es war eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Am H2U Openair in Uster, das so viel Wert auf Regionalität legt und diese auch nach aussen trägt, stammt das Bier aus der lokalen Brauerei. In den vergangenen Jahren floss entsprechend Usterbräu aus den Zapfhahnen auf dem Festivalgelände.
Damit ist nun aber Schluss: Bei der nächsten Ausgabe im August setzen die Festivalorganisatoren auf auswärtiges Bier. Die Brauerei Turbinenbräu aus Zürich wird neu das Openair beliefern, wie es auf der Website heisst.
Zurück von einer Afrikareise, während der er ebenfalls an einem neuen Album feilte, ist Sänger Dodo. Er steht am H2U ebenfalls am Samstag auf der Bühne.
Bereits am Freitag hat Bluessänger Philipp Fankhauser seinen grossen Auftritt. Der Berner gibt in diesem Jahr sein Comeback nach einer schweren Krankheit und einer Stammzellenspende, die ihm sein Leben rettete. Abgerundet wird der erste Festivalabend durch die britische Band Morcheeba, die im nächsten Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern kann. Das ganze Line-up des dreitägigen Festivals vom 16. bis 18. August ist auf h2u-openair.ch zu finden. (lel)
«Das Bedauern ist riesig», sagt OK-Präsident Rolf Heckendorn auf Anfrage. Er ist enttäuscht, dass sich das Festival und die Brauerei Uster nach der jahrelangen Zusammenarbeit nicht mehr finden konnten.

Die Partnerschaft mit der Brauerei Uster sei über Jahre hinweg gewachsen. «Die Zusammenarbeit war immer sehr wohlwollend», sagt Heckendorn. Er räumt aber auch ein, dass das Openair mit dem Bierverkauf Geld verdienen müsse. «Das war ein Spannungsfeld», sagt der OK-Präsident. Die Brauerei habe in den letzten Jahren Abstriche machen müssen.
Brauerei konnte Kosten nicht decken
Dies bestätigt auch die die stellvertretende Geschäftsführerin der Brauerei Uster, Daniela Brauchli Bucher: «Wir haben immer viel ins H2U Openair investiert, aber wir haben Kosten, die wir decken müssen», sagt sie, und führt neben den Aufwänden für das Personal auch die Infrastruktur an, die die Brauerei jeweils zur Verfügung gestellt hat. Dazu gehören etwa Kühlschränke, Kühlwagen oder Zapfhähnen.
Zusätzlich habe die Brauerei das Openair jeweils mit einem Sponsorenbeitrag unterstützt. Insgesamt habe sie so rund die Hälfte des Bierumsatzes gleich wieder reinvestiert. Gleichzeitig unterstreicht die Geschäftsführerin, dass das Verhältnis mit den Verantwortlichen des Musikfestivals weiterhin gut sei. «Aber ich habe auch eine Verantwortung gegenüber dem Unternehmen.»
Die Brauerei bleibe auch ohne die Partnerschaft mit dem grossen Openair in der Stadt Uster und der Region verankert, sagt Brauchli Bucher. So beliefert sie etwa weiterhin das Ustermer Oktoberfest oder das Reeds-Festival in Pfäffikon.
Infrastruktur und Kosten entscheidend
Für das H2U Openair war es gemäss Rolf Heckendorn nicht möglich, der Brauerei entgegenzukommen. Das Gesamtpaket habe nicht mehr gestimmt, sagt er. Insgesamt seien vier Kriterien für das Festival bei der Wahl der Partner entscheidend: die Lokalität, die Zwischenmenschlichkeit, die Qualität und die Kosten. Gerade beim letzten Punkt habe der Veranstalter kaum Spielraum. Das Festival setzt in erster Linie auf Einsätze von Freiwilligen, berechnet entsprechend knapp.
Mit der Brauerei Turbinenbräu hat das H2U Openair nun einen Partner gefunden, der mit dem Openair am Greifensee bereits ein weiteres Musikfestival in der Region mit Bier beliefert. Die Stadtzürcher Brauerei habe in der Endauswahl am meisten überzeugt.
Man habe auch kleinere Brauereien in der Region für eine Partnerschaft in Betracht gezogen, sagt Rolf Heckendorn «Das Problem ist aber oft die Infrastruktur.» Das Ustermer Openair setzt darauf, dass die Brauereien eine grosse Anzahl an Zapfhahnen und Kühlwagen zur Verfügung stellen können.
Und dann gibt es noch ein Kriterium, das Heckendorn ein ganz persönliches Anliegen ist und bei dem er zu keinen Kompromissen bereit ist: «Die Brauerei muss mit unserer Craft-Beer-Bar einverstanden sein.» An einem separaten Stand gibt es für Bierliebhaber jeweils verschiedene Spezialitäten unterschiedlicher Brauereien ab Zapfhahn. Eine Bedingung, der die Zürcher Brauerei offenbar zustimmte.
Ganz ohne Ustermer Bier müssen die Festivalbesucherinnen und -besucher auf dem Zeughausareal aber auch in diesem Jahr nicht auskommen. Das erst kürzlich ausgezeichnete alkoholfreie Bier der Brauerei Uster wird am Openair erhältlich sein. Und auch für die Zukunft sind beide Seiten offen für eine Zusammenarbeit.
