Dieser Töffli-Enthusiast will mit seiner Leidenschaft Saland aufmischen
Schweizweit bekannter Mofa-Mech
Er betreibt einen Youtube-Kanal, motzt Mofas auf und sammelt Objekte aus den 1950er Jahren. Jetzt ist Maurus Sigg von Kollbrunn nach Saland gezogen – und hat dort Grosses vor.
Schauplatz dieser Geschichte: ein unscheinbarer Industriekomplex eingangs Saland. Der Plot: Ein lässig wirkender, auf Retro getrimmter Typ mit Koteletten und 1950er-Jahre-Haartolle restauriert Mofas und Vespas. Der Protagonist: Maurus Sigg.
Seine Kunden: Töffli-Liebhaber aus der ganzen Schweiz, rekrutiert über den hauseigenen Youtube-Kanal – doch dazu später mehr.
In Saland hat sich der Töffli-Mech vor Kurzem mit seiner Werkstatt eingenistet. Seine Firma Siggnature Bikes ist auf Restaurationen alter Mofas und Sonderanfertigungen spezialisiert.

Was vor rund 14 Jahren als Hobby und ohne Mitarbeitende in der privaten Werkstatt begann, ist heute ein Kleinbetrieb mit sieben Angestellten.
Dass daraus schnell mehr wurde, ist auch der Kooperation mit der Thurgauer Töffli-Zubehörfirma Mofakult zu verdanken, die Anteile an der Firma hält. «Von ihr beziehen wir so gut wie alle Einzelteile», sagt Sigg.
Er war nie nur ein «Schruuber»
Ursprünglich wollte der gelernte Polymechaniker mit seiner Werkstatt in den geplanten Neubau der Mofakult AG auf dem Kuhn-Rikon-Areal ziehen. Weil dieser aber erst in drei bis vier Jahren eröffnet wird, hat sich Sigg – zumindest standorttechnisch – für einen Alleingang entschieden.
Denn seine alte Werkstatt – das Holy Spokes im Kollbrunner Weissental – war schon länger zu klein für seine grossen Pläne. «Wir hatten weder Parkplätze noch Platz für Events», sagt er. «Hätten wir nochmals mehrere Jahre dort bleiben müssen, wären wir nicht vorwärtsgekommen.»
Maurus Sigg wollte nämlich nie «nur» schrauben. Sondern auch Veranstaltungen organisieren und im selben Atemzug die vielen Retro-Objekte – alte Mofas inklusive – zur Schau stellen. Ein klassisches Museum mit Eintritt will er nicht bieten, vielmehr eine Mischung aus Eventlokal und Werkstatt.
Maurus Sigg (41) ist in der Gemeinde Bauma aufgewachsen. Nach einer Polymechaniker-Lehre war er während 17 Jahren selbständig «auf Montage», arbeitete unter anderem auf Ölplattformen und in Atomkraftwerken im Nahen Osten und in den USA. Vor fünf Jahren hat er sich voll und ganz den tuckernden Zweirädern verschrieben. (nos)
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Das galt für das Holy Spokes und gilt ebenso am neuen Ort. Die Sammelobjekte aus dem alten Lokal finden sich im vorderen Teil der neuen Halle wieder, weitere Gegenstände sind inzwischen dazugekommen.
Diesen will Sigg in Zukunft für Partys, Geburtstags- und Firmenfeiern vermieten, inklusive bedienter Bar und Aufräumservice. Er dient dem Unternehmer als zweites Standbein neben den Mofa- und Vespa-Kreationen.
Vom Lokal sollen aber auch spontane Gäste etwas haben. Einmal im Monat soll sich die Location nämlich in eine Art Besenbeiz verwandeln. Mit Livemusik, Essensstand und einem Retro-Barbiersalon im Kleinformat.




Die Werkstatt befindet sich etwas abgetrennt im hinteren Teil. Eine bewusste Entscheidung – so kann parallel zu Kundengesprächen die Arbeit weitergehen.
Mofas als Träger einer Philosophie
Seine neue Wirkungsstätte soll nicht nur Fans von Kult-Mofas und -Rollern anziehen, sondern Menschen wie Maurus Sigg selbst: jene, die sich für alte Technik begeistern, weil sie robust und qualitativ hochwertig war. Und jene, die eine Gegenbewegung zum schnelllebigen Lebensstil der 2020er Jahre suchen.
Ein Paradies für Ewiggestrige also? Mitnichten. «Mofas und Vespas sind so unglaublich robust gebaut, die repariert man seit 70 Jahren, und sie halten immer noch», betont Sigg, «und das schont ja auch Ressourcen.»

Die Philosophie, nach der er lebt und arbeitet, kommt in seinen Augen heute vielerorts zu kurz. «Wir sind brutal abgedriftet von diesem Qualitätsanspruch. Heute geht es nur noch um den Preis, und viele hinterfragen gar nicht mehr, warum gewisse Waren so billig angeboten werden.»
Und das Töffli scheint genau das richtige Medium zu sein, um diese Botschaft zu transportieren. In Siggs Worten: «Das ist ‹Slow Riding Culture› – da bist du mit 30, 40 Sachen unterwegs und kannst so richtig runterfahren. Du weiss nicht, ob du abends ankommst oder noch irgendwo zum Schrauben anhalten musst, aber genau das macht es aus.»
Unter die Leute bringt er diese Botschaft gleich selbst. Auf seinem Youtube-Kanal folgen ihm rund 30’000 Abonnenten, im letzten Monat wurden seine Videos knapp 150’000-mal angeklickt. In den Filmchen verfolgt er spezielle Projekte und zeigt, was in der Werkstatt gerade vor sich geht.
Der Kanal ist Siggs wichtigster Draht zu den Kunden. Denn rund 80 Prozent von ihnen finden über die Videoplattform den Weg zu ihm. «Doch diese Art, Werbung zu machen, ist aktuell noch sehr arbeitsintensiv.» 140 Stellenprozente wendet die Firma für die Betreuung von sozialen Medien, Website und Shop auf.
Darum will Sigg in seinen Videos künftig bestimmte Produkte bewerben – Motoröl zum Beispiel. «Aber wir sind keine Influencer und machen nur Werbung für Dinge, die zu uns passen.» Generell gehe es um die Qualität seiner Gefolgschaft, nicht um die absolute Zahl.
Kein Influencer, aber ein Beeinflusser
Das Durchschnittsalter seiner Fans: zwischen 40 und 45 Jahre. Sie sind es, die Siggs Videos schauen und sich dann in der Offline-Welt ein Töffli von ihm bauen oder restaurieren lassen. «Aber die, die uns in der digitalen Welt wirklich Reichweite geben, sind die Jungen.»
Auch viele von ihnen werden zu Kunden, lassen etwa die Reifen bei ihm wechseln. Doch eigentlich geht es dem Unternehmer um mehr: Er will die Jungen für das Mechanische begeistern.
Eine unbeabsichtigte Aufgabe, die er inzwischen aber als seine Mission ansieht. «Wenn sich nur schon ein kleiner Teil fürs Schrauben begeistert und aus dem heraus einen mechanischen Beruf lernen will, ist das doch ein mega geiler Nebeneffekt.»
Am 25. Mai findet auf dem Siggnature-Bikes-Areal in Saland eine Eröffnungsfeier mit grossem Rahmenprogramm statt. Erwartet werden rund 1500 Besucher. Weitere Infos dazu sind hier abrufbar.