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Sie schafften es aus einer Garage in Wetzikon auf den Weltmarkt

«Unlimited Communication», grenzenlose Vernetzung, hat sich das Wetziker Unternehmen R&M als Vision auf die Fahnen geschrieben.

Machten sich 1964 selbständig: die Gründer Hans Reichle (links) und Renato De-Massari.

Foto: PD

Sie schafften es aus einer Garage in Wetzikon auf den Weltmarkt

60 Jahre R+M in Wetzikon

1964 gründeten Hans Reichle und Renato De-Massari eine kleine Firma und begannen, Telefonsteckdosen zu produzieren. 60 Jahre später spielt R&M auf dem Weltmarkt mit.

Garagen gehören zu den romantisch verklärten Start-up-Legenden im Silicon Valley. In einer Garage in Los Altos (Kalifornien) sollen Steve Jobs und Steve Wosniak den ersten Apple-Computer zusammengeschraubt haben. Larry Page und Sergei Brin tüftelten in einer Garage in Menlo Park (Kalifornien) und erfanden Google. Und die Microsoft-Gründer Bill Gates und Paul Allen taten Selbiges in einer Garage in Albuquerque (New Mexico).

1960er Jahre: Die Anfänge

Doch Garagen gab und gibt es auch in der Schweiz. Und so starten Hans Reichle und Renato De-Massari ihre Geschäftstätigkeit ebenfalls dort, wo eigentlich Automobile aufbewahrt werden – in ihren Garagen (und auch Wohnhäusern) in Wetzikon und Pfaffhausen.

Man schreibt das Jahr 1964. Die Weltwirtschaft wächst in diesem Jahr um sagenhafte 7,3 Prozent. Der Babyboom in der Schweiz erlebt mit 112’890 Neugeborenen seinen Höhepunkt. Cassius Clay, der spätere Muhammad Ali, wird in dem historischen Boxkampf gegen Sonny Liston zum ersten Mal Weltmeister im Schwergewicht. Und die Beatles belegen mit fünf Singles die Plätze 1 bis 5 der US-amerikanischen Hitparade.

Die 1960er Jahre markieren das Ende der Nachkriegszeit und den Beginn eines wirtschaftlichen Aufschwungs, der die Welt in eine neue Zeitrechnung katapultiert. Auch für Hans Reichle und Renato De-Massari. Die beiden findigen Unternehmer erzielen rasch einen ersten Erfolg: Die PTT, die nationale Post-, Telefon- und Telegrafenbehörde, erteilt R&M eine Lizenz und einen ersten Grossauftrag.

Mit ihren einfach und schnell zu montierenden Telefonanschlussdosen erleichtern die beiden das Leben vieler Elektroinstallateure und -monteure. Schnell etablieren sich die Lösungen, und R&M wird führend auf dem Heimmarkt Schweiz. Noch heute reden viele Elektroinstallateure von den «Reichle-Steckern».

Eine analoge Telefonanschlussdose.
Wie alles begann: eine analoge Telefonanschlussdose von Reichle und De-Massari.

1968 verlegen Reichle und De-Massari den Geschäftssitz nach Uster und stellen ihre ersten beiden Mitarbeitenden ein. Und erneut denkt die PTT an die zwei Zürcher Oberländer und lädt zu einem Projektwettbewerb für die Entwicklung von Anschlusskästen. Schon bald werden die ersten T+T-Steckdosen ausgeliefert.

1980er Jahre: Der Schritt ins Ausland

1981 markiert einen weiteren Meilenstein in der Firmengeschichte: R&M renoviert ein Gebäude an der Binzstrasse 31 in Wetzikon für neue Büro- und Produktionsräume und zieht dort ein. Mittlerweile beschäftigt die Firma 24 Angestellte. Und sie sammelt erste Erfahrungen im Auslandsgeschäft – sie erhält einen Auftrag für einen grossen Steckdosenverteiler in Manchester.

Die 1980er Jahre sind geprägt von starkem Wachstum. Hans Reichle und Renato De-Massari beweisen grosses Geschick im Erkennen und Nutzen von Markttrends. Verschiedene Varianten von Steckern und Kabeln erzeugen damals ein grosses Wirrwarr im Markt. R&M erkennt, dass die Integration in die eigenen modularen Anschluss- und Verteilsysteme von hohem Nutzen für die Anwender sein wird.

Die Produkte von R&M basieren bis dahin auf Kupferkabeln. 1989 kommt die Glasfasertechnologie dazu.

1990er Jahre: Der Generationenwechsel

1996 übernimmt die Familie Reichle das Aktienpaket von Renato De-Massari. Dieser zieht sich aus dem operativen Geschäft in die Verwaltungsratsebene zurück. Dank Exporterfolgen steigen die Stückzahlen weiter.

Drei Jahre später zieht sich auch Hans Reichle aus dem operativen Geschäft zurück und übergibt die Geschäftsführung an seine Söhne Martin und Peter. Der Schriftzug Reichle & De-Massari wird durch das kürzere Logo R&M abgelöst.


> > Lesen Sie hier das Interview mit Mitinhaber Martin Reichle.


Im Jahr 2000 verstirbt Gründer Renato De-Massari mit erst 66 Jahren. Im gleichen Jahr endet der weltweite Börsenrausch mit dem Platzen der sogenannten Dotcom-Blase. Die Auswirkungen sind auch im Markt für Informations- und Kommunikationstechnologie spürbar, die Investitionen brechen weltweit ein.

Zwei Männer stehen vor einer Wand mit Schautafeln.
Peter (links) und Martin Reichle, Firmeninhaber der zweiten Generation. R+M ist zu 100 Prozent im Familienbesitz.

2000er Jahre: Der Schritt zum globalen Player

Den Trend zur universellen Gebäudeverkabelung beantwortet R&M mit Gesamtlösungen für die Kommunikations- und Starkstromverkabelung bis hin zum Arbeitsplatz. Neue Marktsegmente im Bereich der Verkabelung von Industrie- und Wohngebäuden werden erschlossen.

2005 und 2006 werden Zweigstellen in China und Indien gegründet, die R&M definitiv als globalen Player positionieren. 2008 kommt ein Hub in Singapur dazu. 75 Prozent des Umsatzes macht das Wetziker Unternehmen mittlerweile im Ausland.

2010er Jahre: Der erste externe CEO

Die grösste Investition in der Geschichte von R&M, der Neubau Kubus an der Binzstrasse 32, wird 2010 fertiggestellt und bezogen. Die Inhaberfamilie stellt damit die Weichen für die Zukunft.

Aussenansicht des Hauptsitzes von Reichle und Massari in Wetzikon.
Seit 2010 ist der Kubus in Wetzikon Hauptsitz von Reichle + De-Massari. Energieeffizienz und damit Nachhaltigkeit stehen bei der Planung des fünfgeschossigen Gebäudes im Zentrum.

2011 gibt Martin Reichle die operative Leitung des Familienunternehmens ab. VR-Präsident Hans Hess übernimmt interimistisch die Geschäftsführung und sucht einen neuen CEO. Erstmals seit der Gründung ist R&M nicht mehr inhabergeführt.

Ein Jahr später ist die Suche abgeschlossen: Michel Riva wird neuer CEO. Zuvor war der Betriebswirtschafter beim Chemieunternehmen Dupont und bei Forbo, dem Hersteller von Bodenbelägen, im Topmanagement tätig.

Das Unternehmen wächst weiter. Zum 50-Jahr-Jubiläum 2014 beschäftigt es bereits 800 Mitarbeitende. Ein Jahr später versetzt die Schweizerische Nationalbank der Exportindustrie einen herben Dämpfer, indem sie den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgibt. Damit steigen die Preise von Schweizer Herstellern über Nacht um 20 Prozent. Nichtsdestotrotz kann R&M seinen Umsatz auch in diesem Jahr steigern.

Eine Maschine produziert Glasfasern.
R+M ist einer der weltweit führenden Anbieter von Glasfaserlösungen: Das Bild stammt aus dem Firmenwerk in Decin (Tschechien).

2016 übernimmt R&M eine Firma im Silicon Valley und ist neu auch in Nordamerika und damit auf allen Kontinenten präsent. Weitere Akquisitionen von Produktionsstätten in China und an der US-Ostküste stärken diese Position.

2020er Jahre: Anbieter integrierter Infrastrukturen

2022 folgt die bisher grösste Akquisition in der Firmengeschichte: R&M übernimmt den italienischen Gehäuse- und Schrankhersteller Tecnosteel S.r.l. Ein logischer Schritt auf dem Weg vom Komponentenhersteller zum globalen Anbieter von kompletten, integrierten Infrastrukturen für Daten- und Kommunikationsnetze.

Eine Laserschneidmaschine für die Schrankfertigung bei Reichle und Massari Tecnosteel in Italien.
Die bisher grösste Akquisition in der Firmengeschichte: R+M übernimmt 2022 den italienischen Gehäuse- und Schrankhersteller Tecnosteel S.r.l. in Brunello bei Varese.

Heute unterhält R&M insgesamt 40 Tochtergesellschaften auf allen Kontinenten und 12 eigene Produktionsstätten. Das Unternehmen beschäftigt 1600 Mitarbeitende. 2023 erwirtschaftet R&M 257,8 Millionen Franken, 80 Prozent davon im Ausland.

Treibende Kraft ist die Vision der «unlimited communication», die auf ganzheitlichen Lösungen für die Connectivity und Netzwerkinfrastrukturen basiert. Netzwerke sollen global zur Verfügung stehen, damit Menschen und Unternehmen sich jederzeit grenzenlos und unterbruchsfrei verbinden können.

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