Luzerner Start-up übernimmt Merkli 2-Rad Sport in Wetzikon
Besitzerwechsel nach mehr als 60 Jahren
Der Wetziker Zweiradhändler und -mechaniker Markus Merkli setzt sich zur Ruhe. Sein Geschäft an der Bahnhofstrasse 272 in Wetzikon existiert weiter.
«Das ist das Beste, was passieren konnte!» Es ist der 30. April 2024 gegen 16 Uhr, Markus Merkli hat soeben die Schlüssel zu seinem Fachgeschäft für Fahr- und Motorräder an die neuen Besitzer übergeben und ist im Reinen mit sich und der Welt. Die Nachfolge ist vollzogen.
Die neuen Besitzer von Merkli 2-Rad Sport heissen Sergio Tresch und Gabriel Barroso. Und auch sie sind mehr als zufrieden. Vor erst sieben Jahren haben Maschinentechniker Tresch und Maschineningenieur Barroso ihr Start-up Aureus Drive gegründet. Ihre Mission: «Erschwingliche, robuste und stilvolle E-Fahrzeuge für alle anzubieten.»
Produktion in der Schweiz
Produziert wird in Luzern. Dort werden die Velos entwickelt und montiert. Der attraktive Preis der E-Bikes resultiert aus dem Direktvertrieb und dem Ausschluss des Zwischenhandels, ergänzt durch den Direktbezug von Komponenten wie Akkus und Motoren sowie die eigene Systementwicklung.
Die E-Bikes gehen direkt ab Produktion per Kurier zum Endkunden oder können in den mittlerweile drei stationären Läden von Aureus Drive in Luzern, Lausanne und neu Wetzikon abgeholt werden. Tresch und Barroso waren schon länger auf der Suche nach Handelspartnern im Raum Zürich. «Wir haben hier viele Kunden», erklärt Sergio Tresch, «aber es war für uns sehr schwierig, neue kompetente Partner zu finden.»
Verkauf im Agenturmodell
Das hängt auch mit dem Geschäftsmodell von Aureus Drive zusammen: Die E-Bikes werden im sogenannten Agenturmodell vertrieben. Im traditionellen Geschäft mit Fahrrädern kauft der Händler die Velos dem Hersteller oder Importeur ab und verkauft sie an den Endkunden. Die Differenz ist seine Bruttomarge.
Im Agenturmodell stellt der Hersteller, in diesem Fall Aureus Drive, die Bikes den Händlern kostenlos in den Showroom. Auch das Marketing ist Sache des Herstellers. Im Gegenzug ermöglichen die Händler den Kunden Testfahrten und erhalten pro verkauftes E-Bike eine Provision. Dabei ist es egal, ob der Kunde das E-Bike im Laden kauft oder im Onlineshop bestellt.
Tresch: «Unsere Partner sind oft kleinere Velomechaniker. Für diese ist das Agenturmodell spannend, weil sie kein Risiko tragen müssen.» Für grössere Händler ist das System mit Agentur und Onlineshop dagegen weniger attraktiv.
Auf Merkli 2-Rad Sport sind die beiden Start-up-Unternehmer via eine Website für Nachfolgelösungen gestossen. Merklis Sohn Johannes hatte dort eine Annonce aufgegeben, dass für das Geschäft eine Nachfolge gesucht werde. «Im Gespräch haben wir schnell gemerkt, dass es passt», so Markus Merkli.
«Wir wollen die Werte und die Tradition bewahren»
«Für uns war es entscheidend, dass wir mit Davud Berisha einen erfahrenen Mitarbeiter übernehmen konnten. Davud wird die Leitung des Shops übernehmen», sagt Tresch. Auch der in Wetzikon gut etablierte Name Merkli 2-Rad Sport bleibt vorerst bestehen. «Wir wollen die Werte und die Tradition bewahren, die Markus Merkli über Jahrzehnte aufgebaut hat», erklärt Barroso.
Was sich teilweise ändert, ist das Sortiment. Aureus Drive hat angekündigt, dass das Unternehmen zukünftig keine Motorroller mehr anbieten wird, da Verbrennungsmotoren nicht der Unternehmensphilosophie entsprechen. Reparaturen an bestehenden Fahrzeugen werden jedoch weiterhin wie gewohnt durchgeführt. Ebenso werden neben E-Bikes auch herkömmliche Velos verkauft (und repariert!), die einzig mit Muskelkraft von A nach B bewegt werden.
Die Übernahme ist per 1. Mai erfolgt. Am 11. Mai wollen die neuen Besitzer im Rahmen eines Tages der offenen Tür über die neue Philosophie und über ihre E-Bikes «Made in Luzern» informieren.
So beginnt nach 64 Jahren als Familienunternehmen eine neue Ära für Merkli 2-Rad Sport. Eine Firma, die Alois Merkli 1960 gegründet hatte, in der Sohn Markus 1973 seine Lehre als Velo- und Motorradmechaniker begann und die er seit 1995 führte. In diesen Jahren habe er 47 Lernende ausgebildet, erzählt er nicht ohne Stolz. Und: «Ich bin glücklich über diese Nachfolgeregelung. Es ist genial, das Geschäft an junge, innovative Leute zu übergeben.»
Was er mit seiner neu gewonnenen Freiheit anfangen wird, darüber hat er schon recht klare Ideen: «Reisen, wandern und natürlich biken!» Wie könnte es auch anders sein?