Hauspreise steigen vielerorts stärker als erwartet
HEV-Studie Region Winterthur
Während die Preise für Einfamilienhäuser im Tösstal erschwinglich bleiben, muss man besonders in Winterthur oder Pfäffikon tief ins Portemonnaie greifen.
Eine Stunde und 20 Minuten dauert die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Sternenberg nach Zürich. Eine gute Stunde ist es nach Winterthur. Das 350-Seelen-Dorf, das seit 2014 zur Gemeinde Bauma gehört, hat andere Vorzüge als die Nähe zu städtischen Zentren: eine wunderbare Landschaft, Restaurants, einen Skilift und sogar eine Sternwarte.
Die Abgeschiedenheit im Tösstal führt dazu, dass Wohneigentum in Sternenberg noch einigermassen erschwinglich ist: Laut der neuesten Marktstudie des Hauseigentümerverbands Region Winterthur (HEV) beträgt der Marktwert für ein frei stehendes Einfamilienhaus mit 6½ Zimmern und einem Alter von 14 Jahren in Sternenberg 1,07 Millionen Franken.
Nur: Vor einem Jahr lag der Marktwert dieses Musterhauses noch bei 930'000 Franken, innert zwölf Monaten stiegen die Preise also um satte 15,05 Prozent. Damit ist Sternenberg im Einzugsgebiet um Winterthur und Umgebung der Ort mit der höchsten Preissteigerung.
Zum Vergleich: Über die ganze Region Winterthur betrachtet, von Bauma bis Feuerthalen, sind die Hauspreise gemäss HEV um durchschnittlich 3,62 Prozent gestiegen.

Hohe Preise in der Stadt und in Pfäffikon
Am teuersten bleiben Einfamilienhäuser weiterhin in der Stadt Winterthur und in Pfäffikon. In Winterthur sind sie von 2023 bis 2024 um durchschnittlich 1,34 Prozent gestiegen, auf hohem Niveau. Ein 6½-Zimmer-Haus kostet in Winterthur und in Pfäffikon etwas mehr als 2 Millionen Franken.
Klammerbemerkung: Bei den Mieten ist Pfäffikon gar unangefochtene Nummer 1 in der Region: 3040 Franken kostet die Miete hier für eine 4½-Zimmer-Wohnung mit 110 Quadratmetern Wohnfläche. Auf den Plätzen folgen Brütten mit 2550 Franken, dann Lindau, Russikon, Fehraltorf und Winterthur mit rund 2400 Franken monatlich.
Dass die Hauspreise rund um Winterthur auch im vergangenen Jahr nochmals um durchschnittlich deutlich über drei Prozent angestiegen sind, kommt eher überraschend. Vor einem Jahr hatten viele Experten noch mit einem klar tieferen Wachstum gerechnet. Dies, weil die Nationalbank damals mit Zinserhöhungen die Teuerung bekämpfte. Hinzu kamen steigende Bau- und Unterhaltskosten sowie politische Unsicherheiten, was Kaufinteressierte zögern lassen kann. Ralph Bauert erwartete ein Preiswachstum im tiefen einstelligen Prozentbereich, was nun eingetreten ist.
Blick in die Glaskugel
Derzeit sieht die Prognose wieder etwas optimistischer aus. Die Nationalbank hat den Leitzins im März gesenkt, weitere Senkungen werden erwartet. «Die Zuversicht ist wieder grösser», sagt auch Ralph Bauert, Geschäftsführer beim HEV Region Winterthur. «Dies, obwohl geopolitische Unsicherheiten bleiben.»
Der Schweizer Immobilienmarkt habe darauf bisher aber robust reagiert.
Es sei aber nicht mehr so, dass sich innerhalb kürzester Zeit 200 Interessenten auf eine Ausschreibung meldeten, sagt Bauert. «Diese Zahl ging deutlich zurück.» Noch deutlicher sei der Nachfragerückgang bei älteren Eigentumswohnungen.
Was auffällt: In der Stadt Winterthur ist der Preis eher bei Eigentumswohnungen gestiegen, auf dem Land ging es eher bei Einfamilienhäusern rauf. Das hat laut Bauert damit zu tun, dass die Nachfrage in der Stadt nach Eigentumswohnungen gross bleibt, da Häuser für viele unerschwinglich sind und sie sich deshalb auch für Wohnungen interessieren. Auf dem Land würden hingegen mehr Einfamilienhäuser als Eigentumswohnungen nachgefragt.
Die Region rückt preislich zusammen
Bleibt die Frage, weshalb der Preisanstieg ausgerechnet an peripheren Lagen wie Sternenberg am höchsten ist. Ralph Bauert vermutet, dass dies mit Gemeindefusionen zu tun hat.
Im 2015 mit Bauma fusionierten Sternenberg gleichen sich die Preise dem restlichen Gemeindegebiet an. Ähnliches sei auch beispielsweise in Stammheim (+10,68 Prozent) zu beobachten: Im Jahr 2019 schlossen sich die Gemeinden Waltalingen, Unterstammheim und Oberstammheim zur Gemeinde Stammheim zusammen. Die Immobilienplattform Wüest und Partner stufte nun das Marktumfeld höher ein. Die Gemeinde hat den Steuerfuss seither um 10 Prozentpunkte auf 114 Prozent gesenkt.
Eine Angleichung ist mit diesen und anderen Preisanstiegen in Randgebieten zudem über die ganz Region hinweg festzustellen. Stammheim und Sternenberg zählten bisher zu den preiswertesten Gebieten für Eigentum in der Region Winterthur. Die Region rutscht preislich also enger zusammen.
