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Aufgeben ist keine Option

Wie die kleinen Skigebiete in der Region den Winter erlebt haben und warum die Verantwortlichen dennoch zumeist positiv in die Zukunft schauen.

Traumkulisse im Zürcher Oberland, leider aus dem ZO-Archiv: Der Skilift Fischenthal war im Winter 2023/2024 aus Schneemangel nie in Betrieb. (Archiv)

Foto: Sandro Compagno

Aufgeben ist keine Option

Winter (fast) ohne Schnee

Die Skigebiete in der Region blicken auf einen kurzen Winter zurück. Einmal mehr. Doch aufgeben ist keine Option.

Sandro Compagno, Bettina Schnider

«Aufgeben? Nein, auf keinen Fall», sagt Samuel Nägeli, der mit seiner Frau Claudia und zwei weiteren Familien den Skilift Dicki in Weisslingen betreibt. Von 590 auf 620 Meter über Meer führt der kleine Lift, der im vergangenen Winter während zweier Tage in Betrieb war: am 3. und am 5. Dezember, um ganz exakt zu sein.

Damit wäre auch gesagt, dass der Winter in der Region sehr verheissungsvoll begonnen hatte. Am ersten Dezemberwochenende strömte kalte Polarluft aus nordwestlicher und nördlicher Richtung gegen die Alpen und brachte Schnee bis in die tiefen Lagen.

Am Samstagnachmittag wurde der Lift aufgebaut, am Sonntag tummelten sich die Kinder am sanft geneigten Hang. Ein zweites Mal lief der Skilift am darauffolgenden Dienstag – zwei Schulklassen hatten sich angemeldet. «Und am Abend hat es dann schon wieder geregnet», erinnert sich Samuel Nägeli. Damit endete die «Wintersaison» in Weisslingen.

Ein Paar steht vor der Talstation eines kleinen Skilifts auf einer grünen Wiese.
«Unsere Enkel beginnen mit Skifahren. Wir wollen, dass sie das auch hier können»: Samuel und Claudia Nägeli betreiben den Skilift in Weisslingen. (Archiv)

Am 21. März, pünktlich zum Frühlingsbeginn, räumte Nägeli das Kassahäuschen weg. Im Sommer gehört die Wiese nicht den Kindern, sondern den Kühen.

Seit 1970 existiert in Weisslingen ein Skilift. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern. «Wir haben Enkel, die jetzt mit Skifahren beginnen. Wir wollen, dass sie das auch hier können», sagt Samuel Nägeli.

Reserven dank Crowdfunding

Die kleine Anlage ist gut im Schuss, die jährlichen Betriebskosten belaufen sich auf rund 600 Franken für Versicherungen und die kantonale Betriebsbewilligung. Grössere Investitionen sind nicht in Sicht. Und falls doch, haben die Betreiber etwas Reserven. Als vor einigen Jahren der alte Motor seinen Geist aufgegeben hatte, kamen so viele Spenden herein, dass immer noch etwas davon übrig ist. «Ein Weisslinger hatte damals einen Bettelbrief verschickt – heute würde man wohl von Crowdfunding sprechen», erzählt Nägeli mit einem Lachen.

Gratisarbeit, Spenden respektive Sponsoring. Auf diesen drei Säulen basieren die meisten der kleinen Skigebiete in der Region. Das gilt auch für den Skilift Ghöch in Bäretswil, der von 19 Vereinsmitgliedern getragen wird.

Zwei gute Wochenenden hätten sie gehabt, sagt Vereinspräsident Ernst Steiger. Anfang Dezember und dann im Januar nochmals: «Aber abgesehen davon war die Saison zum dritten Mal in Folge nicht optimal. Das zehrt an unseren Reserven.»

Auf insgesamt zehn Betriebstage kommt der Skilift Ghöch im Winter 2023/2024. An lediglich einem Tag konnte der 290 Meter lange Mastenlift betrieben werden, ansonsten vergnügten sich die Kinder am kürzeren Ponylift. In guten Jahren erhalten die ehrenamtlichen Helfer in Bäretswil Ende Saison eine kleine Spesenentschädigung. Darauf werden sie dieses Jahr verzichten müssen.

Der Skilift Ghöch in Bäretswil im Winter 2018/2019.
Seit 1980 existiert der Mastenlift in Ghöch. Im vergangenen Winter lief er genau einen Tag. (Archiv)

Fast gleich viele Betriebstage wie im Ghöch hatte der Skilift Sitzberg, nämlich elf. Der Kleinskilift, der sich auf Thurgauer Boden befindet, wird von einem Verein betrieben. «Es ist eigentlich verrückt in einem Winter, in dem wir fast keinen Schnee hatten», sagt Vereinspräsident Michael Lauener. «Das ist schon fast Rekord.»

Es liegt aber auch daran, dass die Verantwortlichen des Skilifts neu flexibler sind bei den Öffnungszeiten. Normalerweise ist der Lift am Mittwochnachmittag und am Wochenende bei Schnee in Betrieb. Im vergangenen Winter sind die Liftbetreiber an anderen Tagen gezielt auf Schulklassen zugegangen. «Dann konnten wir den Lift auch unter der Woche laufen lassen», sagt Lauener.

Die Schneebedingungen seien aber oft nicht optimal gewesen, gibt der Vereinspräsident zu. «Wenn ich 80 Franken für eine Tageskarte verlangen würde, hätte ich mich das nicht getraut», sagt der Vereinspräsident. Eine Tageskarte auf dem Sitzberg kostet aber 5 Franken für ein Kind und 7.50 für einen Erwachsenen.

Mit den Einnahmen vom Ticketverkauf allein kommt der Verein aber nicht über die Runden. Eine wichtige Einnahmequelle ist beispielsweise auch der alljährliche Raclette-Plausch im Februar. Nur so lassen sich auch grössere Investitionen stemmen, wie beispielsweise die neue Steuerung. Etwa 10’000 Franken hat der Verein dafür vor zwei Jahren investiert.

Denn solange es möglich ist, wollen die Verantwortlichen den Lift weiterbetreiben. Auch wenn manchmal etwas Frust dazugehört. Kürzlich wurde die Anlage wieder abgebaut. «Nachdem wir sie fast den ganzen Winter in der grünen Wiese angeschaut haben», sagt Lauener.

Warten mit Investitionen

Vergangene Saison weniger Glück hatte hingegen der Skilift Fischenthal. Bereits die zweite Saison hintereinander konnte der Lift an keinem einzigen Tag betrieben werden. «Es war einfach viel zu nass», sagt Betreiber Martin Schoch. «Natürlich macht man sich dann Sorgen, wie es nun weitergeht.»

Zwei Männer stehen vor der Talstation des Skilifts Fischenthal. Einer in Jeans, einer in oranger Arbeitskleidung.
«Natürlich macht man sich Sorgen»: Martin Schoch (links), Betreiber des Skilifts Fischenthal, mit Vater Walter. (Archiv)

Doch ans Aufgeben denkt Schoch noch nicht. Finanziell kommt der Lift auch ohne Betriebstage über die Runden. Die Skilift Fischenthal AG ist seit 2019 als gemeinnützige Organisation anerkannt.

Zahlreiche Sponsoren unterstützen den Betrieb. Zudem gibt es die sogenannte Bügelpatenschaft, bei der man als Götti oder Gotte für eine Saison mit 100 Franken eine Patenschaft für einen der insgesamt 80 Bügel übernehmen kann.

Das Geld ist wichtig: Denn wenn der Betrieb weitergehen soll, kommen auf den Skilift in den nächsten zehn Jahren grössere Investitionen zu. Neue Sicherheitsregeln verlangen beispielsweise eine neue Steuerung und einen neuen Antrieb. Diese Investitionen hat Schoch noch etwas hinausgezögert.

Doch er bleibt optimistisch: «Wenn es einen Winter gibt mit zwei bis drei guten Wochen, dann hat sich das wieder erledigt.» Dann könne man auch an die nächsten Investitionen denken.

Egal, ob Weisslingen, Bäretswil, Fischenthal oder Sitzberg. Ohne Fronarbeit, Idealismus und Spenden geht es nicht. Mit einer Ausnahme sind alle Skilifte in der Region reine Hobbybetriebe. Die Ausnahme ist die Sportbahnen Atzmännig AG.

Saisonende? «Nein, Saisonstart!»

Hier sind Profis am Werk. «So, Saisonende?», lautete die etwas dümmliche Reporterfrage, als sich Betriebsleiter Roger Meier Ende März am anderen Ende der Telefonleitung meldete. «Nein, Saisonstart!», lautete die Antwort.

Der Atzmännig positioniert sich als Ganzjahresdestination. Das Geschäftsjahr der Aktiengesellschaft dauert von Januar bis Dezember. Die ersten Monate waren auch im Goldingertal eine Enttäuschung. «Es wäre schon angenehm gewesen, mit einem finanziellen Pölsterchen ins Jahr zu starten», sagt Betriebsleiter Meier. «Jetzt sind wir im Zugzwang, die Sommermonate müssen gut herauskommen.»

Denn auch am Atzmännig liefen die Anlagen insgesamt nur rund drei Wochen. 22 Tage konnte die Kinderarena betrieben werden, 17 Tage der Skilift Brustenegg. Dies vor allem dank zwei Schneekanonen. Die Sesselbahn lief an 14 Tagen, der grosse Skilift an nur 5 Tagen. «Ein Ausfallwinter», sagt Roger Meier. Und das zum dritten Mal in Folge.

Das hat finanzielle Auswirkungen: Die AG schreibt im Geschäftsjahr 2023 eine schwarze Null. Meier relativiert: «Aber wir haben die höchstmöglichen Abschreibungen vorgenommen. Der erwirtschaftete Cashflow betrugt 600'000 Franken.» Die Sportbahnen Atzmännig AG ist kerngesund. «Das ist vor allem im Hinblick auf unser Generationenprojekt wichtig», sagt Meier. Denn in den nächsten Jahren will er die in die Jahre gekommene Infrastruktur komplett erneuern. 15 bis 18 Millionen Franken sollen in neue Anlagen und Gebäude investiert werden. Und dafür sollen jetzt Reserven aufgebaut werden.

Und die Langlaufsaison?

Auch für die Betreiber von Loipen war der vergangene Winter ein schwieriger. 28 Tage konnte die Panoramaloipe Gibswil den Betrieb offenhalten. «In den vergangenen 50 Jahren hatten wir nie so wenige Betriebstage», sagt Ruedi Vontobel vom Verein Panoramaloipe Gibswil in Wald.

In guten Wintern gibt es rund um den Bachtel 34 Kilometer klassische Loipen und 28 Kilometer für Skater. «An zwei, drei Tagen in diesem Winter konnten wir alle Strecken betreiben», so Vontobel. Immerhin hätten ein paar schöne Wochenenden viele Ausflügler auf die Loipen gelockt, sodass der Winter 2023/2024 zwar sehr kurz gewesen sei, aber nicht als schlechtester aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen werde.

Um die 28 Betriebstage in Relation zu setzen: In einem Durchschnittswinter kann am Bachtel während 80 Tagen Langlauf betrieben werden. «Im Winter 2012/2013 waren es sogar 135 Betriebstage», erinnert sich Vontobel.

Auf 22 Betriebstage blicken die Betreiber der Loipen in Hittnau zurück. Auch dort mussten Abstriche bei der Länge der Loipe gemacht werden. «Statt zwölf Kilometer hatten wir in diesem Winter lediglich vier bis fünf Kilometer Loipe», sagt Werner Locher, Kassier der Stoffel-Loipe in Hittnau. Präpariert wurde lediglich die höher gelegene Loipe in Dürstelen.

Auch die Loipe Bäretswil–Maiwinkel konnte trotz Schneemangel während 18 Tagen genutzt werden, die Loipe Schauenberg zwischen Elgg und Turbenthal lediglich an 10 Tagen.

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