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«Frohsinn» in Kollbrunn: Metzgerei, Bäckerei und Laden in einem

Zwei Jahre lang stand das Restaurant beim Bahnhof leer. Am Samstag feiert das Lokal offiziell die Wiedereröffnung – als Laden, aber nicht ganz ohne Gastronomie.

Der ehemalige «Frohsinn» in Kollbrunn ist jetzt ein Ladenlokal.

Foto: Noah Salvetti

«Frohsinn» in Kollbrunn: Metzgerei, Bäckerei und Laden in einem

Würste statt Wirtschaft

Nach mehreren Pächterwechseln bricht in der Geschichte der Traditionsbeiz ein neues Kapitel an: Metzgerei und ehemaliges Restaurant wurden zu einer Verkaufsfläche vereint. Ein Teil davon kommt gar ohne Personal aus.

Wer genau hinsieht, erkennt bereits von aussen, dass sich beim ehemaligen «Frohsinn» in Kollbrunn etwas getan hat. Dort, wo in fetten Lettern der Name des Restaurants stand, liest man heute im selben Braun die Aufschrift «Metzgerei Jucker».

Im Innern herrscht einen Tag vor der Eröffnung des neuen Ladens umtriebige Stimmung. Apéro-Tischchen werden in weisse Hussen gehüllt, Würste in der Auslage drapiert, Regale kontrolliert.

Zwei Jahre ist es nun her, dass hier zum letzten Mal Restaurantgäste ein und aus gingen. Nachdem die letzten Pächter des Restaurants Frohsinn aufgehört hatten, beschloss die Metzgerfamilie Jucker, das Lokal neu zu nutzen.

Metzgerei, Bäckerei und Bistro

«Wir hatten in der Vergangenheit etwas Pech mit den Pächtern», verrät Mirco Jucker, Sohn des Geschäftsführers Hansruedi Jucker. Im Familienbetrieb ist er zuständig für Verkauf und Administration. «Die Idee, daraus etwas anderes zu machen, geisterte aber schon länger in unseren Köpfen herum.»

Mit ein Grund für die Veränderung ist, dass das bisherige Geschäft allmählich zu klein wurde für das Sortiment. Die neue Fläche ist gut viermal so gross wie die alte. Die Metzgerei und das ehemalige Restaurant sind zu einem neuen, kombinierten Verkaufslokal verschmolzen. Den Grossteil davon nimmt die neue Metzgertheke ein. Im hinteren Teil befindet sich eine Art «Laden im Laden».

In dieser Ecke hat sich der Wisliger Huusbeck eingemietet. Er bewirtschaftet zudem das nebenan liegende Bistro. Kunden können hier aber nicht nur Kaffee und Gipfeli bestellen, sondern eben mal auch einen heissen Fleischkäse aus der Metzgerei. «Zumindest ist das so geplant», sagt Jucker.

Die Zusammenarbeit mit der Wisligzäller Genossenschaft, die auch die Volg-Läden in Rikon und Weisslingen betreibe, habe sich angeboten. «Die Backstube ist in Kollbrunn, eine Filiale im Dorf hatten sie bisher aber nicht», erklärt Jucker.

Generell hat sich die Familie Jucker beim neuen Laden Regionalität auf die Fahne geschrieben. Das erkennt man auch dort, wo früher die Metzgerei war. Auf diesen rund 70 Quadratmetern kann man vor allem lokale Produkte kaufen.

Neben den Fleischprodukten findet man in den Regalen auch Käse aus Wildberg, Kaffee aus Winterthur, Öpfelringli vom Aumer Hof in Kollbrunn oder Geschenksets mit verschiedenen Lebensmitteln. «Hochwertige Produkte für den täglichen Bedarf und alles, was gut zum Fleisch passt», beschreibt es Mirco Jucker. Dazu eine Auswahl an saisonalem Gemüse.

Doch kein 24-Stunden-Shop

Mithilfe eines Rolltors lässt sich «Juckerli», wie der unbediente Teil des Ladens heisst, vom Rest der Räumlichkeiten abtrennen. Der Grund: Er ist 365 Tage im Jahr geöffnet, so auch am Wochenende und abends bis 21 Uhr.

Ursprünglich war ein 24-Stunden-Laden angedacht. Diese Idee hat man später wieder verworfen. «Auch, um nachts rund um den Laden nicht für zusätzlichen Lärm zu sorgen», erklärt Jucker. Wem die Öffnungszeiten nicht genügten, der sei im einem Tankstellenshop mitunter besser bedient.

Damit das Konzept funktioniert, braucht es eine Reihe an Sicherheitsmassnahmen: so etwa Videokameras und verriegelte Regale. Plus eine Portion Vertrauen. Wer Alkohol kaufen will, muss seine Identitätskarte durch einen Schlitz am Kühlregal ziehen. «Das Ganze ist sicher ein Risiko, aber wir vertrauen unseren Kunden, dass sie seriös sind.»

Bezahlt wird die Ware dann an einer Selbstbedienungskasse. Auf eine App oder einen QR-Code, wie man sie bei anderen Läden ohne Personal wie etwa dem Migros teo benötigt, haben die Juckers bewusst verzichtet. «Wir wollten so wenige Zugangshürden wie möglich», sagt Jucker. «Schliesslich sollen alle Altersgruppen hier ohne Mühe einkaufen können.»

Wie viel Geld die Familie in das neue Konzept investiert hat, will Mirco Jucker nicht preisgeben. Doch das Ganze scheint gut durchdacht zu sein. «Es gibt nicht mehr viele Metzgereien, und wir haben einen grossen Kundenstamm – aus dem Tösstal, aber auch aus Winterthur.»

Am Samstag, 6. April organisiert die Metzgerei Jucker eine Eröffnungsfeier in den neuen Räumlichkeiten. Unter anderem stellen dabei ausgewählte Produzenten ihre Spezialitäten vor.

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