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Hinwiler Dessousgeschäft La Dolce Vita schliesst Laden in Zürich

Eine Unternehmerin schliesst ein gut gehendes Geschäft in Zürich und konzentriert sich auf ihren zweiten Laden in Hinwil. Was sind ihre Beweggründe?

Bea Bomberger will sich auf ihren Laden in Hinwil konzentrieren. Das Geschäft in Zürich schliesst Ende Februar.

Foto: Sandro Compagno

Hinwiler Dessousgeschäft La Dolce Vita schliesst Laden in Zürich

Konzentration aufs Wesentliche

Seit 14 Jahren führt Bea Bomberger La Dolce Vita mit Lokalen in Zürich und Hinwil. Jetzt schliesst sie ihr gut gehendes Geschäft in Zürich.

Eine Kundin betritt den Laden an der Bachtelstrasse in Hinwil – und Bea Bomberger ist sofort in ihrem Element. Die Kundin sucht ein passendes Badekleid für die bevorstehenden Ferien im Süden. Bea Bomberger stellt Fragen nach den persönlichen Vorlieben, hakt nach punkto Design, Farbe und Form und schlägt drei Modelle der eben eingetroffenen Kollektion vor.

«Das ist das, was ich am liebsten tue: Kunden beraten, bis sie das passende Stück finden», sagt sie später mit einem zufriedenen Lächeln. Und das ist genau das, was sie in den letzten Jahren immer weniger ausleben konnte.

Doch der Reihe nach: 2010 erwarb die gelernte Detailhändlerin das Dessous- und Bademode-Geschäft La Dolce Vita im Zürcher Seefeld. Ihr Versprechen: «Bei mir findet man alles, was Frau auf der Haut trägt.»

70 Prozent der Frauen tragen eine falsche BH-Grösse.

Bea Bomberger

Inhaberin La Dolce Vita Hinwil

Dazu gehören neben BH, Unterwäsche und Bikinis in handelsüblichen Grössen auch Modelle für speziellere Körperformen: «Von 65 C bis 110 H und mehr. Das finden Sie sonst nirgends.» Falls dem geneigten männlichen Leser die Bedeutung dieser Zahlen- und Buchstabenkombinationen nicht ganz klar ist: Die Zahl steht für den Umfang, der Buchstabe für die Körbchengrösse. Beide Faktoren dieser sogenannten Kreuzgrösse müssen stimmen, damit ein BH wirklich sitzt. «Laut verschiedenen Studien tragen 70 Prozent der Frauen eine falsche BH-Grösse», sagt Bea Bomberger.

Zu ihrem breiten Sortiment gehören auch Produkte aus dem medizinischen Bereich, beispielsweise BH-Einlagen für Frauen, denen nach einer Krebsdiagnose eine Brust entfernt werden musste. Dass das Ladenlokal an der Zürcher Seefeldstrasse keine 300 Meter vom Brust-Zentrum der Hirslanden-Klinik entfernt ist, verschaffte ihr zusätzliches Fachwissen.

«Das Geschäft läuft gut», sagt Bea Bomberger. Und dennoch hat sie den für eine Unternehmerin ungewöhnlichen Entscheid gefällt, den rentablen Standort Zürich zu schliessen. Was bleibt, ist der Laden in Hinwil. Die Beweggründe für die Schliessung im Zürcher Seefeld finden sich in den ersten beiden Abschnitten dieses Texts.

Während der letzten 14 Jahre wuchs Bea Bombergers Geschäft – abgesehen von einer Delle während der Pandemie – stetig, am Ende beschäftigte sie sechs Angestellte an den beiden Standorten. Alle haben neue Stellen gefunden.

Ich brauchte immer mehr Zeit für die Administration. Dabei bin ich nun wirklich kein Büromensch.

Bea Bomberger

Inhaberin La Dolce Vita Hinwil

Sie habe gedacht, wenn sie mehr Angestellte und damit mehr Entlastung habe, dann führe das zu mehr Zeit im Laden und für Beratungsgespräche, erzählt sie: «Das Gegenteil war der Fall. Ich brauchte immer mehr Zeit für administrative Tätigkeiten, die werden für Klein- und Mittelbetriebe immer grösser. Dabei bin ich nun wirklich kein Büromensch.» Also traf sie im letzten Herbst eine unternehmerische Entscheidung: Sie konzentriert sich künftig auf den Standort Hinwil.

Keine von den aktuellen Mitarbeiterinnen war daran interessiert, das Zürcher Geschäft zu übernehmen. Die meisten arbeiten Teilzeit, für die anderen passte der Zeitpunkt nicht. Deshalb ist dort am 22. Februar Schluss.

Eine Frau in einer blauen Bluse hält in ihrem Geschäft für Dessous- und Bademode Kleidungsstücke in die Kamera.
Bea Bombergers Laden in Hinwil hat eine Fläche von gerade mal 63 Quadratmetern: «Das schaffe ich allein.»

Der kleine Laden in Hinwil mit 63 Quadratmetern existiert seit knapp vier Jahren. «Das schaffe ich allein», sagt Bea Bomberger und schiebt nach, dass sie eine grosse Erleichterung verspüre: «Die Verantwortung, jeden Monat sechs Löhne zu erwirtschaften, wurde mehr und mehr zur Last.»

Am 1. März ist offizielle Eröffnung in Hinwil. Bis dahin ist Bea Bomberger damit beschäftigt, das Sortiment aus der Stadt ins Zürcher Oberland zu verfrachten. An der Seefeldstrasse wird ein Secondhandshop einziehen, ein weiterer in der hippen Limmat-Metropole. Der Abschied fällt ihr nicht leicht: «Aber ich bin kein Stadtmensch mehr.»

Sie wolle «den Standort Hinwil stärken», sagt die 57-Jährige, die in Gossau aufgewachsen ist und schon lange in Hinwil lebt, und erzählt von Kundinnen aus Russikon, Gossau oder Fischenthal. «Und natürlich hoffe ich, dass auch die eine oder andere Zürcher Kundin den Weg hierhin findet.»

Sie habe dort viele langjährige Kundinnen, die ihr ans Herz gewachsen seien. Denn anders als bei einem Rock oder einer Hose ab Stange ist der Verkauf des passenden BH eine durchaus intime Angelegenheit. «Die Kundin zieht sich aus, und ich komme ihr beim Ausmessen körperlich nah. Das bedingt ein gewisses Vertrauen.»

Ein Vertrauen, das sich Bea Bomberger während langer Jahre aufgebaut hat. Und das ihr in Hinwil ohne den Stress der Stadt zu einem entspannteren Leben verhelfen soll.

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